Aufsatz 
Über Schillers Entwicklungsgang. Festschrift zur 100jährigen Gedächtnisfeier seines Todes
Entstehung
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20 gehört sie unter das Schönste, was Sie gemacht haben, so voll Einfalt ist sie bei einer uner- gründlichen Tiefe der Empfindung.*)

Aus diesen Proben der Beurteilung ergibt sich, wie harmonisch das kürnstlerische Empfinden beider Dichter sich gestaltet hat.

Da es ihnen aber beiden darum zu tun war, ihre Anschauungen zu verbreiten, so beschlossen sie die Herausgabe der Xenien, in der Erwartung, platte Aufklärer auf der einen und lichtscheues Volk auf der anderen Seite zum Schweigen zu bringen und so den deutschen Parnaß von unwürdigem Zudrang zu reinigen. Diese Xenien, zu deren Abfassung Goethe nicht so leicht seinen Gefährten zu bewegen wußte, sollten als ihr Gemeingut gelten. Absicht- lich wurde verschwiegen, wer der Verfasser der einzelnen war. Vielfach der Form nach leichter geschürzte Gebilde des Augenblicks, haben sie durchgängig einen soliden Kern, und manches satirische und humoristische Wort prägt infolge treffenden Ausdrucks leicht dem Gedächtnis sich ein. Passend steht am Eingang das Distichon:

Fort ins Land der Philister, ihr Füchse mit brennenden Schwänzen,

Und verderbet der Herrn reife, papierene Saat. A) Auf Nikolai, den platten Aufklärer, in dessen Augen die beiden Dichter Dunkelmänner waren, ist der Pfeil gemünzt:

Nikolai reiset noch immer, noch lang wird er reisen;

Aber ins Land der Vernunft findet er nimmer den Weg. B) Oder: Fichte und Er:

Freilich tauchet der Mann kühn in die Tiefe des Meeres,

Wenn du auf leichtem Kahn schwankest und Häringe fängst. C) Oder: Der Teleolog:.

Welche Verehrung verdient der Weltenschöpfer! der gnädig,

Als er den Korkbaum erschuf, gleich auch die Stöpsel erfand! D) Oder: Wie verfährt die Natur, um Hohes und Niederes im Menschen

Zu verbinden? Sie stellt Eitelkeit zwischen hinein. E) Aber die Xenien spenden gelegentlich auch Lob.

Wahrlich, es füllt mit Wonne das Herz, dem Gesange zu horchen,

Ahmt ein Sänger wie du, Töne des Altertums nach. F.

Oder: Achilles: Vormals im Leben ehrten wir dich wie einen der Götter, Nun du tot bist, so herrscht über die Geister dein Geist. G. Oder: Wie doch ein einziger Reicher so viele Arme in Nahrung

Setzt! Wenn die Könige bau'n, haben die Kärrner zu tun. H. Als dann die von den Pfeilen Getroffenen bald gewaltig zu rumoren begannen, da war's, daß Goethe seinem Freunde schrieb:

*) Brief 1048.

A) Nr. 9 in Band 8 der Schriften der Goethegesellschaft.

B) Nr. 247 a. a. O.

O) Nr. 270 a. a. O.

D) Nr. 286 a. a. O. gegen Fr. L. Stolberg.

E) Nr. 311 a. a. O. auf Lavater.

F. Nr. 385 a. a. O. auf Joh. Heinrich Voß. G. Nr. 479 a. a. O. auf Lessing. H. Nr. 775 a. a. O. auf Kant und seine Ausleger.