26
wollte durch das Kolossale in Schillers Erscheinung, macht uns sein Herzensfreund Goethe verständlich in seinem Epilog zu Schillers Glocke. Auf Goethes Anregung wurde nämlich zu Ehren des Toten am 10. August des Todesjahres eine Feier veranstaltet, bei der die Glocke in lebenden Bildern vorgeführt und der Epilog Goethes vorgetragen wurde, dessen letzte Strophe freilich erst aus dem Jahre 1815 stammt. In diesem heißt's unter anderm:
Nun weint die Welt, und sollten wir nicht weinen?—
Denn er war unser! Mag das stolze Wort
Den lauten Schmerz gewaltig übertönen!
Er mochte sich bei uns im sichern Port
Nach wildem Sturm zum Dauernden gewöhnen.
Indessen schritt sein Geist gewaltig fort
Ins Ewige des Wahren, Guten, Schönen,
Und hinter ihm in wesenlosem Scheine
Lag, was uns alle bändigt, das Gemeine.—
Nun glühte seine Wange rot und röter
Von jener Jugend, die uns nie entfliegt,
Von jenem Mut, der früher oder später
Den Widerstand der stumpfen Welt besiegt,
Von jenem Glauben, der sich, stets erhöhter, Bald kühn hervordrängt, bald geduldig schmiegt, Damit das Gute wirke, wachse, fromme,
Damit der Tag dem Edlen endlich komme.
So bleibt er uns, der vor so manchen Jahren— Schon zehne sind's!— von uns sich weggekehrt! Wir haben alle segenreich erfahren,
Die Welt verdank' ihm, was er sie gelehrt; Schon längst verbreitet sich's in ganze Scharen, Das Eigenste, was ihm allein gehört.
Er glänzt uns vor, wie ein Komet entschwindend, Unendlich Licht mit seinem Licht verbindend.“


