Aufsatz 
Über Schillers Entwicklungsgang. Festschrift zur 100jährigen Gedächtnisfeier seines Todes
Entstehung
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17 Schönen. Auch in diesem Bestreben fühlt er sich eins mit Goethe. Was dieser erlebt hat und dargestellt in seinen GedichtenIlmenau undZueignung, paßt auch auf ihn. Auch er konnte im Gedanken an seine JugenddichtungenRäuber,Fiesco etc. von sich sagen:

Wer kennt sich selbst, wer weiß, was er vermag? Hat nicht der Mutige Verweg'nes unternommen? Und was du tust, sagt erst der andre Tag,

War es zum Schaden oder Frommen.

Ließ nicht Prometheus selbst die reine Himmelsglut Auf frischen Ton vergötternd niederfließen?

Und konnt er mehr als irdisch Blut

Durch die belebten Adern gießen?

Ich brachte reines Feuer vom Altar;

Was ich entzündet, ist nicht reine Flamme.

Der Sturm vermehrt die Glut und die Gefahr;

Ich schwanke nicht, indem ich mich verdamme.

Nun aber hatte er sich einmal der Poesie verschrieben und konnte ihr nachsagen wie sein großer Freund: Du schenktest mir der Erde beste Gaben, Und jedes Glück will ich durch dich nur haben!

Auch er hat jetzt die höchste Offenbarung der Muse erlebt, auch ihm hat sie zugerufen:

Ich kenne dich, ich kenne deine Schwächen,

Ich weiß, was Gutes in dir lebt und glimmt!

So sagte sie, ich hör' sie ewig sprechen, Empfange hier, was ich dir lang bestimmt!

Dem Glücklichen kann es an nichts gebrechen,

Der dies Geschenk mit stiller Seele nimmt:

Aus Morgenduft gewebt und Sonnenklarheit

Der Dichtung Schleier aus der Hand der Wahrheit.

Am 1. September 1794 teilt er beglückt Körner mit, daß Goethe ihm endlich mit Vertrauen entgegen gekommen, daß zwischen ihren Hauptideen über Kunst und Kunsttheorie sich eine unerwartete Ubereinstimmung herausgestellt habe, die um so interessanter gewesen sei, weil sie wirklich trotz größter Verschiedenheit der Gesichtspunkte ihnen erwachsen sei. War ja doch Goethe von naturwissenschaftlichen, Schiller, wenigstens in letzer Zeit, von historischen Studien ausgegangen, war ja doch Goethe für Spinozas, Schiller für Kants Philo- sophie erwärmt. Seit der neuen Berührung aber fühle Goethe ein Bedürfnis, sich ihm enger anzuschließen und den Weg, den er bisher allein und ohne Aufmunterung allein betreten habe, in Gemeinschaft mit ihm fortzusetzen. Schon habe derselbe in einem Aufsatze die Er- klärung der Schönheit, daß sie Vollkommenheit mit Freiheit sei, auf organische Naturen an- gewendet. Die ganze zweite Hälfte des September ist Schiller bei Goethe zu Besuch, einmal sind sie von halb 12 mittags bis nachts 11 ununterbrochen zusammen. Er gewinnt Goethe zur Mitarbeit an einem neu zu begründenden Musen-Almanach und erfreut sich von seiner Seite immerfort erneuten Zuspruchs und erneuter Ermutigung bis an das Ende seiner Tage.

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