vollkommen unterschreibe) was nur darum geschieht, weil es gut ist.— Der Geschmack kann die Moralität des Betragens begünstigen— aber er selbst kann durch seinen Einfluß
nie etwas Moralisches erzeugen.“
Auch Kant hat in einer Anmerkung zur zweiten Auflage der Religion innerhalb der Grenzen der reinen Vernunft von 1794 seine Zustimmung zu Schillers Abhandlung gegeben; er nennt sie ein Meisterwerk. Schiller dankt ihm dafür am 13. Juni 1794 in demselben Briefe, in dem er ihn einlädt, eine neuzubegründende Zeitschrift, die Horen mit Beiträgen zu unterstützen.„Ich kann diese Gelegenheit, schreibt er, nicht vorbeigehen lassen, ohne Ihnen, verehrungswürdigster Mann, für die Aufmerksamkeit zu danken, deren Sie meine kleine Ab- handlung gewürdigt, und für die Nachsicht, mit der Sie mich über meine Zweifel zurecht gewiesen haben. Bloß die Lebhaftigkeit meines Verlangens, die Resultate der von Ihnen ge- gründeten Sittenlehre einem Teile des Publikums annehmlich zu machen, der bis jetzt noch davor zu fliehen scheint, und der eifrige Wunsch, einen nicht unwürdigen Teil der Mensch- heit mit der Strenge ihres Systems auszusöhnen, konnte mir auf einen Augenblick das An- sehen Ihres Gegners geben, wozu ich in der Tat sehr wenig Geschicklichkeit und noch weniger Neigung habe. Daß Sie die Gesinnung, mit der ich schrieb, nicht mißkannten, habe ich mit unendlicher Freude aus Ihrer Anmerkung ersehen, und dies ist hinreichend, mich über die Mißdeutungen zu trösten, denen ich mich bei andern dadurch ausgesetzt habe. Nehmen Sie, vortrefflicher Lehrer, schließlich noch die Versicherung meines lebhaften Dankes für das wohltätige Licht an, was Sie meinem Geiste angezündet haben, eines Dankes, der wie das Geschenk, auf das er sich gründete, ohne Grenzen und unvergänglich ist.“
Der„Gewissensskrupel“ am Schlusse der Distichen von 1796„die Philosophen“ über- schrieben wird daher humoristisch aufzufassen sein:
Gerne dien' ich den Freunden, doch tu ich es leider mit Neigung, Und so wurmt es mich oft, daß ich nicht tugendhaft bin.
Entscheidung:
Da ist kein andrer Rat, du mußt suchen, sie zu verachten, Und mit Abscheu alsdann tun, wie die Pflicht dir gebeut.
Neben dem Schönen steht das Erhabene mit seiner ewigen Bedeutung für die Ethik. Wenn ein unvermeidlicher Konflikt sich einstellt zwischen der Sinnennatur und dem Ich, dann flüchtet sich der Mensch hinüber in die Freiheit der Gedanken. Gegenüber den ihn bedrohenden äußeren Gewalten besinnt er sich auf seine Geistesnatur, wirft sich in die unbe- zwingliche Burg seiner moralischen Freiheit—, das Gefühl des Erhabenen wird in ihm wach und tritt als Würde in die Erscheinung. Das Gedicht, die Führer des Lebens, enthält eine ansprechende Würdigung des Gefühls des Schönen und Erhabenen in seiner Bedeutung für die Reise durchs Leben: Zweierlei Genien sind's, die dich durchs Leben geleiten, Wohl dir, wenn sie vereint helfend zur Seite dir steh'n! Mit erheiterndem Spiel verkürzt dir der eine die Reise, Leichter an seinem Arm werden dir Schicksal und Pflicht. Unter Scherz und Gespräch begleitet er bis an die Kluft dich, Wo an der Ewigkeit Meer schaudernd der Sterbliche steht.


