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Karlos hatte ihm zu diesen Studien die Anregung gegeben, Wallenstein und Maria Stuart sind Früchte derselben.
Zur Ausbildung seines spezifisch poetischen Schaffens gab ihm in materialer und formaler Hinsicht das Studium der Griechen wertvolle Winke.„Ich lese, so schreibt er im August 1788 an Körner aus seiner Rudolstädter Villegiatur, fast nichts als Homer. Ich habe mir Vossens Ubersetzung der Odyssee kommen lassen, die in der Tat ganz vortrefflich ist— es weht ein so herzlicher Geist in dieser Sprache, dieser ganzen Bearbeitung, daß ich den Ausdruck des Ubersetzers für kein Original, wäre es noch so schön, missen möchte.— In den nächsten zwei Jahren, habe ich mir vorgenommen, lese ich keine modernen Schriftsteller mehr;— keiner tut mir wohl; jeder führt mich von mir selbst ab, und die Alten geben mir jetzt wahre Genüsse. Zugleich bedarf ich ihrer im höchsten Grade, um meinen eignen Ge- schmack zu reinigen, der sich durch Spitzfindigkeit, Künstlichkeit und Witzelei sehr von der wahren Simplizität zu entfernen anfing. Du wirst finden, daß mir ein vertrauter Umgang mit den Alten äußerst wohltun— vielleicht Klassizität geben wird.“ Außer Homer werden die griechischen Tragiker, insbesondere Euripides und von den Historikern Plutarschs Bio- graphien, für die schon der Jüngling schwärmte, genannt.
Im Frühjahr 1789 wird Schiller auf Grund seines Schriftchens Abfall der Nieder- lande durch Goethes Vermittlung zum Professor der Geschichte an die Universität Jena be- rufen; dann findet er ein beglückendes Heim durch die Verbindung mit Charlotte von Lenge- feld, von der er nicht umsonst die Erwartung hegte, daß sie einmal die Sonne seines Lebens sein werde.*) Als dann mit dem Jahre 1791 sein Lungenleiden ihm Befreiung von der Last des Amtes verschaffte, und die hochherzige Unterstützung des durch vielfache Nöte geplagten Mannes von seiten des Herzogs Friedrich Christian von Holstein-Augustenburg und des dänischen Ministers Graf Ernst von Schimmelmann ihm volle Muße gewährte, warf er sich mit aller Macht auf das ihm von Körner dringend empfohlene Studium Kants.„Ich treibe jetzt, schreibt er am 1. Januar 1792 an Körner, mit großem Eifer Kantische Philosophie, und mein Entschluß ist unwiderruflich gefaßt, sie nicht eher zu verlassen, bis ich sie ergründet habe, wenn dieses auch drei Jahre kosten könnte.“ Und Schiller hat diesen Entschluß durch- geführt. Die Kritiken der reinen und der praktischen Vernunft sowie der Urteilskraft hat er ihren Grundgedanken nach in sein Bewußtsein aufgenommen.**) Es muß ihm eingeleuchtet haben, daß es eine Erkenntnis des Wirklichen, der Wahrheit gibt, weil das Seiende nach denselben Gesetzen aufgebaut ist, die auch die Normen unsres Denkens sind(Anschauungs- formen, Kategorien, Ideen); daß die Pflicht das höchste und einzige wirklich moralische Motiv unsers Handelns sein muß, weil das Sittengesetz der Vernunft unbedingt gebietet: Du sollst. Handle so, als ob die Maxime deines Handelns zum Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung werden sollte! Und drittens: Außer dieser Welt des Gedankens und sittlichen Handelns gibt es noch eine dritte: Das ist die Welt des Schönen, in welcher das Gefühl sein Urteil spricht.
Um die Vertiefung respektive Weiterbildung der ethischen und ästhetischen Prinzipien Kants hat sich nun Schiller besonders verdient gemacht. Die Schriften über Anmut und
*) Jonas, Schillers Briefe Nr. 345, vom 27. Nov. 1788. *am) UÜber diese Frage gibt E. Kühnemanns Buch: Schillers phil. Schriften und Gedichte wertvolle Aufschlüsse.


