7 Hauch immer zu und laß die Blasen springen Bleibt nur dies Herz noch ganz! Und bleibt mir nur, errungen mit Gesängen, Zum Lohn ein teutscher Lorbeerkranz.
Auch Goethe erzählt, daß ihm im Knabenalter, wenn er an ein wünschenswertes Glück gedacht habe, dieses am reizendsten in der Gestalt des Lorbeerkranzes erschienen, der den Dichter zu zieren geflochten sei.*) Goethe floh vor dem Druck des Amtes nach Italien und fand dort, was er suchte. Am 18. März 1788 schrieb er seinem Landesherrn: Ich habe mich in dieser anderthalbjährigen Einsamkeit selbst wiedergefunden; aber als was? Als Künstler.**) Schiller schüttelte das Joch des Amtes ab und floh nach Mannheim, um hier als Theaterdichter tätig zu sein. Mit welchen inneren Anfechtungen er aber in dieser Mannheimer Periode zu kämpfen gehabt hat, bezeugen in denkwürdiger Weise die beiden in der Thalia von 1786 veröffent- lichten Gedichte,„Der Kampf“, früher überschrieben„Freigeisterei der Leidenschaft“, und „Resignation“.
Im ersten Gedichte, Freigeisterei der Leidenschaft betitelt, handelt es sich um eine un- glückliche Konvenienz-Ehe.***) Die Interessen der beiden Ehegatten gehen zu weit auseinander. Da kommt ein dritter und findet Gegenliebe. Nun entbrennt in ihm ein Kampf. Soll er den vor dem Altare geschlossenen mit einem Eid bekräftigten Bund zerstören, oder pflichtmäßig respektieren und seine Leidenschaft bändigen? Nein, heißt es zunächst,
Nein, länger werd' ich diesen Kampf nicht kämpfen, Den Riesenkampf der Pflicht.
Kannst Du des Herzens Flammentrieb nicht dämpfen, So fordre, Tugend, dieses Opfer nicht!
Geschworen hab' ich's, ja ich hab's geschworen, Mich selbst zu bändigen.—
Hier ist dein Kranz, er sei auf ewig mir verloren, Nimm ihn zurück und laß mich sündigen.
So weit ist es schon gekommen, da besinnt er sich, ehe es zu spät ist, eines Besseren
und gesteht: Mir schauerte vor dem so nahen Glücke,
Und ich errang es nicht.
Dann aber erhebt er Klage gegen die Gottheit, die von einer liebenden Seele unter solchen Umständen, wo doch ein Eidbruch zur frommen Pflicht geworden sei, Entsagung fordre,
und droht:„O, diesem Gott laßt unsre Tempel uns verschließen,
Kein Loblied feire ihn, Und keine Freudenträne soll ihm weiter fließen! Er hat auf immer seinen Lohn dahin.“ †)
*) Dichtung und Wahrheit, Ende von Buch IV. m) Goethes Briefe(Weimarer Ausgabe) Band 8, S. 357. **n) Das Original enthält verschiedene Verse mehr als unsre gewöhnlichen Ausgaben. †) Daß im Hintergrunde dieser Gedichte Charlotte von Kalb steht, daß des Dichters eigner Kampf mit Resignation geendigt hat, wird wohl mit Recht von den Biographen Minor, E. Müller, Harnack, Bellermann und Berger gegenüber K. Fischer behauptet. Harnack S. 121. Berger 427 f.


