6 kaners anzulegen, aber im günstigen Augenblicke den Versuch zu machen, sich selbst auf den herzoglichen Thron von Genua zu schwingen; um das zu verhindern, hatte ihm Verrina den Stoß gegeben. Dieser Ausgang fand aber beim Intendanten des Mannheimer Theaters nicht Zustimmung, und um nun doch die Aufführung zu ermöglichen, hatte Schiller im Drang der äußeren Verhältnisse sich dazu bequemt, Fiesco zwar nach der Herzogswürde streben, dann aber im letzten Moment, als man ihm das Szepter in die Hand drückte, ihn es zer- brechen und wegwerfen zu lassen mit der Erklärung: Ein Diadem erkämpfen, ist groß— es wegwerfen, göttlich. Seid frei, Geneser und steht auf! Den Monarchen hab' ich euch
geschenkt— umarmt euren glücklichsten Bürger! Es wird erzählt, die Aufführung in Mannheim habe keinen Beifall gefunden; Schiller aber schrieb darüber: Republikanische Freiheit ist hierzulande ein Schall ohne Bedeutung, ein leerer Name— in den Adern der
Pfälzer fließt kein römisches Blut.— Ob nicht die recht haben, die dem entgegenhalten, daß solcher charakterlose Ehrgeiz wie der Fiescos kaum jemals imstande sein werde, einen ehrlichen Bürger zu erwärmen?
Die dritte der großen tragischen Jugenddichtungen Schillers, Kabale und Liebe, tritt ein für die Rechte des Herzens im Kampfe mit den Vorurteilen der Stände; auch dies ein beliebter Gegenstand des Zeitalters, welches neben liberté und fraternité auch égalité auf seine Fahne geschrieben hatte; die Ansicht gewinnt doch immer mehr Bekenner, die dafür halten, daß auch in Goethes Tasso diese Frage der Mittelpunkt der Dichtung sei. Ferdinand, der Sohn des unwürdigen Präsidenten von Walter am Hofe eines deutschen Fürsten liebt Luise, die Tochter des biederen Stadt-Musikus Miller, wird aber durch allerlei Intriguen daran gehindert, trotz der Gegenliebe des Mädchens, in den Besitz desselben zu gelangen. Laß doch seben, erklärt er ihr, ob mein Adelsbrief älter ist als der Riß zum unendlichen Weltall? Oder mein Wappen giltiger als die Handschrift des Himmels in Luisens Augen: Diesses Weib ist für diesen Mann? Das durch allerlei böse Machinationen in einen Konflikt zwischen der Liebe zum Vater und der zum Bräutigam hineingetriebene Mädchen führt das Paar ceinem tragischen Ende entgegen.
Durchaus subjektiv geartet, aus Eindrücken des wirklichen Lebens erwachsen, wie diese letzte Tragödie, ist auch die Lyrik des jugendlichen Dichters. Wie phantastisch aber sind die Laura-Oden! zumal im Vergleich zu der Prosa ihres geschichtlichen Hintergrundes.*) Wie der Genius gerungen hat mit den ihm widerstrebenden äußeren Verhältnissen, bezeugt ein Lied aus der Anthologie von 1782, überschrieben die Winternacht; hier wirft er einen Rückblick auf seine Kinderjahre; dann heißt es am Schlusse:
Nun liegt dies all im Nebel hinterm Rücken,
Und Bube heißt nun Mann,
Und Friedrich schweigt der weiseren Perücken, Was einst der kleine Fritz getan.
Man ist— Potz gar! zum Doktor ausgesprochen Wohl gar beim Regiment!
Und hat vielleicht, doch nicht zu früh gerochen, Daß Plane— Seifenblasen sind.
*) cf. die Biographien.(Minor, Berger, K. Fischer: Schillers Jugend- und Wanderjahre, Bellermann.


