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Im heidnischen Glauben und Leben unterrichtet und befestigt, kehrt er heim ins Eltern- haus. Nach der Beerdigung seiner Mutter steht er vereinsamt am„kalten Herde seiner Ahnen“. Warum macht er dieser traurigen Lage nicht dadurch schnell ein Ende, dass er eine Gattin heimführt?
Weil er wohl weiss, dass das fränkische Christenmädchen, welches er schon in seiner frühesten Jugend lieb gewonnen hat, niemals einen Kreuzverächter heiraten wird. Aber warum wählt er denn keine andere Jungfrau, warum keine Heidin? Weil sich mit seiner aufrichtigen Treue gegen die Götter keine Treulosigkeit gegen die Menschen, am wenigsten gegen die Ge- liebte seines Herzens verträgt. Er ist eben so treu und beständig in seiner Liebe, wie in seinem Glauben. Bei dem langen und harten inneren Kampfe, der sich in Folge dieser Treue gegen Götter und Menschen bei ihm entspinnt, tritt seine tiefe Religiösität deutlich an den Tag.
In seiner trostlosen Lage wünscht er sich Flügel, um bis an den Strand des Wendel- meeres zu fliegen und so aus dem Getümmel der Menschen hinaus zu kommen. Die Norne, meint er, habe mit des Schicksals dunklen Fäden, die sie in ihrem Zorne gesponnen, ihm Hand und Fuss umwickelt. Wodan, der Rätsellöser, der das rechte Wort ihm sagen könnte, schweigt; alle Götter schweigen. Allein in der Aufforderung des Boten vom Norden, an einem Kriegs- und Rachezuge teil zu nehmen, erblickt er einen göttlichen Wink:
——„Ihr hohen Götter, ¹) sagt er, „Darf ich euren Wink verstehen? Ja, gen Norden führt der Helweg, Und gen Norden soll ich gehen!“—
Als treuer Götzendiener ist er auch bei dem Opfer zugegen, welches am Balderfeste auf der alten Iburg dargebracht wird. Der neidische Gero, der beim Erntefest auf Bodinkthorpe sich bemüht, ihn in den Augen der christlichen Festgenossen und namentlich der edlen Hildegunde herabzusetzen, verspottet ihn deshalb. Da Elmar nämlich beim Mahle Hirsch und Huhn ver-
schmäht, spricht er zu ihm:. ———„Stolzer Falke, ²) Traun, du bist ein Rossfleischesser!“
Über diese böswillige Anspielung auf seinen heidnischen Glauben lächelt der edle Sachsenjüng- ling; als aber der eitle Franke auch über Wodan, den König der Götter spottet, indem er den- selben einen Bettelmann mit kahlem Scheitel nennt, belehrt er ihn mit ernsten Worten über das Wesen Wodan's und warnt ihn vor Götterlästerung, da die Götter selbst sie rächen. Gero's Arglist gelingt es, ihn vom Liebsten, was er hat, von Hildegunde, für immer, vie es scheint, zu trennen. In diesem Unglück erblickt er eine Fügung der zürnenden Götter, die durchaus nicht wollen, dass er sich den Christen nähert. Soll er Hildegunde nun vergessen? Kann er sie ver- gessen? Da die Priesterin Swanahild, zu welcher er zuerst seine Schritte lenkt, ihn wegen seiner Liebe für verloren erklärt, begiebt er sich in seiner Unruhe dorthin, wo die graue Donnereiche steht, deren Rinde nie mit Beil und Klinge verletzt worden ist. An dieser den Göttern geheilig- ten Stätte will er sich entsündigen und beten. Er erscheint ohne Waffen, die Hände mit einer hänfenen Schnur gefesselt; denn selbstlos, freiwillung unfrei will er sich zu den Göttern wenden. Und er fleht, nachdem er unter die Eiche getreten ist:
„Wenn mich Erdgeborne hassen, ³) Seid mir hold, ihr guten Götter!“
Als er darauf den Einen, der„nicht altet“, um Verzeihung dafür gebeten, dass er so lange bei den Fremden, den Christen, verweilt und seinen Dienst gemieden hat, fährt er fort:
„Hier, wo auf geweihtem Grunde*⁴) Bring ich Dir ein reines Opfer: Du nur und der Wald mich hören, All mein Sehnen und Begehren!
¹) S. 35; Str. 4. ²) S. 90; Str. 3. ³) S. 114; Str. 4. ⁴) S. 115; Str. 4 u. 5.


