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Und der treue Mann gab dem weinenden Herrn vom Habichtshofe einen königlichen Handbrief, der ihn wieder in Besitz und Ehren setzte; auch teilte er den Anwesenden mit, dass der König Ludwig das Verbrechen, welches auf seinen Namen ausgeübt worden sei, unnachsichtlich rächen wolle. Der Reitertrupp ritt gleich am folgenden Tage in Begleitung Elmars, des Abtes und des Priors nach Bodinkthorpe; denn der Graf, welcher auf dem Sterbebette lag, bedurfte des Trostes und Hildegunde des Freundes.
Die Bäume und Tiere des Waldes wechselten wiederum geheime Reden. Der Uhu, der früher über Elmars Vaterlandsliebe gespottet hatte, verhöhnte ihn jetzt wegen seiner Bekehrung zum Christentum, indem er sprach:
„Nahmst du nun das Christenwasser, ²)„Glauben? Wahn und blaue Dinge! ²) Wirrer Träumer? Christ und Heide, Ich, der Uhu, glaub' ausschliesslich Gottesknechte, Götterknechte, An mich selbst; die Selbstverehrung Blöde Thoren sind sie beide.“ Deucht mir weise, weil erspriesslich.“
„Jene Welt ist für die Katze, ³) Diese Welt gehört der Eule.“
Die Reiter ritten fröhlich hindann; alle waren gesprächig, nur derjenige, welcher am meisten Grund hatte, fröhlich zu sein, war schweigsam, und manchmal rann ihm eine Thräne über die Wangen. Er dachte an seine treugeliebte Hildegunde und seine Bekehrung zum Christentume.
Auf Bodinkthorpe herrschte Aufregung und Kopflosigkeit, denn der Graf war eben gestorben. Badurad, der Bischof von Paderborn, hatte den sterbenden Freund getröstet,
„Hatt' ihm dargereicht das letzte ⁴) Liebesmahl, die Himmelsspeise, Und die wandermüden Füsse Ihm gesalbt zur letzten Reise.“
Knieend betete er jetzt für des Verblichenen selige Ruhe. Hildegunde stand vorgebeugt zu Häupten ihres Vaters, wie wenn sie fragen wollte, ob wirklich die vielgeliebten Atemzüge stockten. Ein Sonnenstrahl, der durch die Schalter auf den Estrich fiel, rückte langsam, lang- sam weiter.
Die Reiter waren eben angelangt und Elmar, Rab, der Abt und der Prior traten leise in die Sterbekammer. Hildegunde erschrak und errötete, als sie Elmar sah. Sie sprach:
„Elmar, er ist tot! Er hoffte, ⁵) O, er harrte dein so lange!
„Elmar, als er sterben musste, ¹) Rief er dich, doch kamst du nimmer.“
Tief bewegt ergriff Elmar die Hand des Verstorbenen und die ihrige und sprach: ———„Hildegunde,*)
Leid war unser Los und jeidvoll Ist des Wiedersehens Stunde.“
Der Bischof aber tröstete beide mit den Worten:
——„Thränen trocknen; ³) Dir und euch, ihr frommen Brüder, Glüklich, wer gesät im Harme, Hab' ich, wie mir aufgetragen,
Denn in Freuden wird er ernten: Dieses Toten letzten Wunsche Elmar, komm in meine Arme! Mit dem letzten Gruss zu sagen.
¹)§. 347; Str. 1. ²) S. 348; Str. 2. ²) S. 349. Str. 5. ⁴) 8. 355; Str. 4. ³) S. 356; Str. 2. ⁹) 8. 356; Str. 3.*) 8. 356; Str. 4. ⁴⁹) 8. 356; Str. 5 u. fl.—


