15
————
Hierauf entgegnete der Bube:
„Hört! Nichts Gutes auszurichten, ¹) Und ich lachte,— doch nicht lange; Streift' ich einmal in den Gründen, Elmar kam, und Zorn im Blicke, Und vom Habichtshof die Gänse Fuhr er jählings mit der harten Mir zum Unheil musst' ich finden. Eisenfaust mir ins Genicke.
Einzeln hascht' ich sie am Zaune, Schütz' euch Gott vor seinen Hieben, Und mit losem Knabenwitze Schütz' euch Gott vor seiner Tatze!
Klemmt' ich ihnen fingerange———————————
Stäbchen in die Schnabelspitze. Herr, so lange Stöcke wuchsen,
Herr, vergnüglich war's zu sehen, Gab es niemals solche Hiebe; Wie sie schief die Köpfe hielten, Weiss nicht, ob sie gutes stiften, Aufwärts mit dem einen Auge, Doch sie stiften keine Liebe!
Abwärts mit dem andern schielte;————————— Und ich hass' ihn noch.“———
Also, aus Hass gegen Elmar hatte er bis dahin geschwiegen, und sprach er jetzt, so that er es, weil Hildegunde bei der Christbescheerung ihn so reichlich bedacht hatte und weil ihre Trauer auch ihm zu Herzen ging. Der lahme Kuhhirt, welcher auf dem Krankenbette lag, bekannte sterbend dem schwarzen Grafen das doppelte Verbrechen, welches er begangen, und so stellte sich denn heraus, dass der arme Schmiedejunge die Wahrheit gesagt hatte. Der Graf begab sich sogleich zu seinem Freunde, dem alten Rab von der Eschenburg, um sich mit diesem zu beraten, wie das Unrecht, welches Elmar geschehen, wieder gut zu machen sei. Rab, der allein den Elmar auf der Richtstätte von der Anklage frei zu sprechen gewagt hatte, zürnte und machte dem Grafen bittere Vorwürfe darüber, dass er dem Königsboten zu leichtfertig geglaubt
habe. Dann sagte er: „Spracht ihr Recht in Königsnamen— ²) Auf die Inzicht eines Laffen,— Mag allein das Wort des Königs Widerruf und Wandel schaffen.“
Schon am anderen Tage, als das Morgenrot erglänzte, war der gerechte Rab auf dem Wege zur Königspfalz in Aachen, um dem Könige die Sache Elmars vorzutragen. Tage auf Tage vergingen. Heiss, sehr heiss brannten bereits die Sonnenstrahlen.
„Schatten suchten Hirt und Herde;— ³) Auf des Ackers Ahrenfälle, Auf dem Blättermeer des Waldes Ruhte sommerliche Stille.
Und die Rose glüht' im Garten, Und der Ginster blüht' am Raine.“
Die Zeit war also endlich da, in welcher Hildegunde nach den Seherworten der heid- nischen Priesterin lächeln und weinen sollte..
Ein Trupp sächsischer Reiter kam jetzt von Aachen zurück. Grüne Sträusse nickten an den Lederkappen. Voran ritt der Rab von der Eschenburg. Im Konvent zu Dreizehnlinden kehrten sie ein und wurden freundlich empfangen und gastlich bewirtet. Zu Elmar sprach der alte Rab:
„du bist frei, Gott sei gepriesen!“ ⁴ „Himmelsmächte“, rief der Falke, Frei der Acht und los des Bannes?
Frei, ich frei?“— Und schluchzend sank er An die Brust des treuen Mannes.“
²)§. 322; Str. 3 und ff.*)§. 330; Str. 4. ³) S. 382; Str. 2. ⁴) 8. 334; Str. 3 und 4.


