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Dieses erwägend zürnte er dem heidnischen Priester, weil er das Herz des Knaben mit Hass vergiftet hatte, und er rief ihm in seinem Herzen zu:
—.—„Nun schweig“ Du Spötter, ¹) Wodanspriester; diese Menschen Können mehr als unsre Götter!“
Trotz allem dem schwankte er zwischen Heidentum und Christentum noch hin und her. Endlich nahm er, der Mahnung seines Landsmanns, des Priors, folgend, seine Zuflucht zum Ge- bet, indem er hoffte, dass ihm im Gebete Trost und Offenbarung kommen werqde.
Schon verschwand der Frühling und der Sommer nahte. In einer Dämmernacht harrte Hildegunde im Waldesdunkel auf die steinalte, heidnische Priesterin Swanahild. Sie machte sich Vorwürfe über diesen heimlichen Gang; allein die Sehnsucht, von der Seherin etwas über Elmars Geschick zu erfahren, hatte sie zu diesem Wagnis bewogen. Wider Erwarten wurde sie von der Priesterin freundlich empfangen und getröstet; denn die Seherin sprach zu ihr:
„Wenn der Ginster blüht am Raine, ²) Wenn die Rose glüht im Garten, Wird ein Frankenmädchen lächeln, Doch in Thränen.— Kannst du warten?“
Wenn auch diese Seherworte nicht ganz deutlich waren, so merkte doch Hildegunde wohl, dass sie auf Elmars Heimkehr hoffen durfte.
Elmar, der endlich seine volle Kraft wiedererlangt hatte, erschien eines Tages vor dem Abt Warin, um sich bei ihm für alle Wohlthaten zu bedanken, welche er im Konvent erhalten hatte, und dann die Heimat zu verlassen. Er hatte vor, den Wodanspriester Thiatgrim im Lande der Friesen aufzusuchen, welcher den Knaben im Heidentume erzogen hatte; allein der Abt liess den geächteten, vogelfreien Jüngling ohne weiteres nicht ziehen, sondern nahm ihn vorher mit zum Pater Prior, um dessen Rat zu hören.
Kurze Zeit darauf erblickte man den Herrn vom Habichtshofe und die Väter des Klosters im Chor der Kirche versammelt. Elmar hatte sich endlich taufen lassen, er hatte endlich„dem Kreuz den stolzen Nacken“ und„den Kopf dem Christenwasser“ gebeugt. Von diesem Augen- blicke an hörten seine Seelenkämpfe auf. Friede und Freude kehrten in sein edles Herz ein. Mancher greise Pater, der dieser Taufe beiwohnte, weinte Thränen der Freude über die Bekeh- rung Elmars; denn seine Bekehrung war die freie That des Freien,
„Nicht die Meinthat eines Heuchlers, ³) Königschristlich zu gedeihen.“
„Königschristlich zu gedeihen, ⁴) Mögen Schalk und Schelm sich neigen; Bog der Falk die stolze Stirne,
War's, um sich vor Gott zu beugen.“
Das Haar des schwarzen Grafen von Bodinkthorpe war mehr und mehr ergraut; denn der heimliche Kummer seines einzigen Kindes, seiner lieben Hildegunde, ging ihm tief zu Herzen. Gramvoll sass er an einem schönen Sommertage vor seinem neuen Hause, als plötzlich Eggi, der arme Schmiedebube, der zur Christbescheerung von Hildegunde reichlich beschenkt worden war, vor ihm stand. Der Bube erzählte ihm, Grimbart, der Kuhhirt, habe den Grafensitz in Brand gesteckt; derselbe habe auch Gift bereitet und es dem Gero gegeben; dieser aber habe den Pfeil damit bestrichen, den er später dem Herrn vom Habichtshofe in die Brust geschossen. Elmar sei unschuldig gerichtet worden.
„Drauf der Graf:—— ⁵)
Wenn du wusstest, was du schwatzest, Warum schwiegst du denn so lange?“
¹) S. 288; Str. 3 ²) S. 296; Str. 6. ³) 8. 329; Str. 2. ⁴) S. 329; Str. 3. ⁵) S. 321; Str. 3.


