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Spiegel seiner Seele vorüber. Insbesondere träumte er von seinen Kämpfen zur See, von Hilde- gunde und vom Kreuze. So rief er im Traume: „Drauf und knüpft die Hauben fester, ²) Workt die Haken, dran gehalten;
Rascher Sprung an Bord des Feindes Und ein lustig Schädelspalten.“
Ein andermal, als er an seine fromme Hildegunde dachte, sprach er:
——„Sie nickt; das Kissen ²) Ah, das Kreuz! Zu allem Holden Glättet sie und nickt mir wieder:— Muss sich stets das Kreuz gesellen, Ah, das Kreuz, das schlimme Zeichen Stets das Kreuz! Mir macht es Grauen Trägt sie auf dem weissen Mieder. Mehr als Sturm und wilde Wellen.“
Das Zeichen aber, welches dem kranken Heidenjüngling Grauen machte, erfüllte seine
treue, christliche Hildegunde mit Vertrauen. Unter der riesenhaften Eiche, wo der mit Gift bestrichene Pfeil des verräterischen Gero den edlen Elmar getroffen hatte, errichtete sie ein ein- faches Kreuz von Birkenstäben, um das hier verübte Verbrechen zu sühnen, um Gottes Barm- herzigkeit herabzuflehen auf den Verbrecher und ihren treugeliebten, unglücklichen Elmar, über dessen ferneres Schicksal sie noch nichts erfahren hatte. . Schon bedeckte der Winterschnee Wald und Wiesengründe, und noch immer war der gute Herr vom Habichtshofe ans Krankenbett gefesselt. Alle Heilkunst der Mönche war er- schöpft, Elmar dem Tode nahe. Da schickte der Abt den Vater Beda zur kräuterkundigen, steinalten heidnischen Priesterin Swanahild in den Wald, indem er sprach:
„Ist die Waldsybille kundig ³) Wüden Fieberbrand zu dämpfen; Ihre Weisheit soll uns nützen; Ob wir ihren Wahn bekämpfen.“
Die Hoffnung der Mönche wurde nicht zu Schanden; denn auf Beda's Bitten bereitete Swanahild einen Heiltrank, welcher dem Elmar die Gesundheit wirklich wiedergab.
Auf dem Grafensitze zu Bodinkthorpe, wo Hildegunde an Stelle ihrer verstorbenen Mutter waltete, war das Hausgesinde während der Winterzeit beim Weben und Nähen be- schäftigt. Bei dieser Arbeit verkürzte man sich die Zeit dadurch, dass man sich Sagen und Märchen aller Art erzählte. Widersprüche und Neckereien blieben dabei nicht aus. So wollte Imma, dass bei der Christbescheerung auch ein armer Schmiedebube, namens Eggi, ein wollenes und ein leinenes Kleid erhalten sollte.
„Fremd, im Schnee, am Winterabend, ⁴) War der Bub' ins Thal gekommen
Und vom Schmied, dem braven Fulko, Mitleidsvoll ins Haus genommen.“
Die Spötter nannten den Buben nicht anders, als die wilde Katze; denn
„Biegsam wie die Haselgerte. 5) Immer schweifend auf den Bergen, ³) Und ein Klettrer sonder Gleichen, Immer streifend in den Gründen, Trug er wenig Lust zum Schaffen, Tag und Nächte, war er nirgend, Desto mehr zu kecken Streichen. War er überall zu finden.
Schlüpft er aus des Berges Klüften? War er aus der Luft gefallen? Keiner wusst' es; nur ein seltsam Elbisch Wesen deucht er allen;“
¹) S. 183; Str. 4. ¹) S. 187; Str. 5 und S. 188; Str. 1. ³) S. 202; Str. 4. ⁴) S. 86; Str. 2. ⁵) S. 85; Str. 6. ⁶) S. 86: Str. 1—3.


