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„Vaterland? Die dümmste Liebe ¹) Ist, ein Vaterland zu lieben; Dieser ward für diese Liebe Aus dem Vaterland vertrieben.“
Das Rösslein, welches den Elmar trug, schritt sacht und vorsichtig weiter, als ob es wohl wüsste, dass es einen todkranken Reiter trüge. Die Wunde nämlich, welche der tückische Pfeil dem Jüngling in die Brust geschnitten hatte, plutete wieder. Nahe bei der Pforte des Kon- vents zu Dreizehnlinden sank er kraftlos vom Rücken seines Rössleins hinab
„lIn des Herbstes letzte Dolden.“ ²)
Hier fand ihn am späten Abend ein Klosterknecht., Einige Augenblicke nachher ruhte der Geächtete auf einem weichen Lager, kaum noch atmend, bleich, kalt, bewusstlos. Um ihn her standen die Mönche. Pater Wido, den Elmar einst mit Speise und Trank erquickt und auf den rechten Weg durch den Wald geführt hatte, erkannte in ihm den Herrn vom Habichtshofe sofort wieder. War der todkranke Mann auch ein Götzendiener und vogelfrei, so nahmen sich doch die frommen Mönche seiner liebevoll an. Während die einen in der Nähe blieben, um seinen Körper zu pflegen und auf Heilmittel für denselben nachzusinnen, gingen die anderen in den Klosterchor, um für den Armen zu beten.
„Armer Elmar, irrer Waller, ³) Wirst du Heil und Hülfe finden?— Fromme Arzte sind die Mönche Des Konvents zu Dreizehnlinden.“
Die Kunde von der Verurteilung des heidnischen Sachsenjünglings verbreitete sich wie ein Lauffeuer durch die Sachsengaue. Schnell versammelte sich ein Landsturm von zwanzig Dutzend wütenden heidnischen Weibern, um an dem Königsboten Gero, weil er den Elmar ver- trieben hatte und sich's auf dem Habichtshofe bereits recht wohl sein liess, für alte und neue Unbill Rache zu üben. Als sie auf dem Habichtshofe angekommen waren, sangen sie und
kreischten sie: „Immer Dienst und Buss und Brüchte, ⁴) Dass der Schatz des Königs wachse; Immer Zehnten, neue Zehnten, Immer zahlen muss der Sachse.“
Gero erschrak nicht wenig, als er dieses Heer von Weibern, die alle mit Birkenrutenl bewaffnet waren, erblickte. Sie holten ihn aus dem Hause. Er musste sich auf einen Erlenklotz setzen. Als er da sass, weiss wie Kreide vor Schrecken, schrie Radegunde von Baddenhausen:
„Was die Männer, dumme Dutten, ⁵) Von dem Ubermut der Frechen Thatlos trugen, Hohn und Hiebe,
Wir, die Weiber, wollen's rächen.“
Die Anführerin, Katla von der wilden Wiese rief
„Königsknecht, du zahlst die Brüchte, e) Königsknecht, ich will dich schänden l“
Dann nahm sie ein grosses, scharfes Messer und schnitt ihm, ohne ihn vorher eingeseift zu haben, den Bart ab. Der so Beschimpfte wurde von diesem Landsturm auf die Grenze des Landes gebracht, dort mit Birkenruten ausgepeitscht und fortgejagt.
Unterdessen lag Elmar im Konvent zu Dreizehnlinden in Fieberträumen. Bald lachte er wie ein Mädchen, bald knirschte er vor Wut. Sein ganzes vergangenes Leben ging vor dem
¹) S. 168; Str. 3. ²) S. 164; Str. 5. ³) S. 167; Str. 4. ⁴) S, 168; Str. 2. ³) S. 171; Str. 4. 6) S. 170; Str. 4.
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