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„Horch, da knickt es in den Büschen, ¹) Scharfes Schwirren, Sehnenklirren!“
Elmar wankte; denn ein scharfer Pfeil war ihm in die Brust geschossen. Er ermannte sich aber sofort, riss das mörderische Eisen heraus, verfolgte den Schützen und hielt ihn am Genick. 0 Staunen! Gero war's, der Königsbote. Elmar hätte ihn töten mögen; allein er wollte sich mit dem Blute eines so gemeinen Menschen nicht beflecken; deshalb sprach er zu ihm:
„Geh, es mag ein Knecht dich würgen, ²) Geh, du magst am Zaun verenden!“
Damit liess er den heimtückischen Feigling laufen.
Dieser aber hatte nichts Eiligeres zu thun, als zum schwarzen Grafen zu gehen und den Vorfall ganz anders zu erzählen. Er klagte, Elmar habe ihn hinterlistig töten wollen und er sei nur mit genauer Not dem Tode entronnen. Dann beschuldigte er den Sachsenjüngling abermals der Brandstiftung und des Götzendienstes und verlangte, dass der Graf ihn nach be- stehendem Recht und Gesetz richte. Der Graf that, wie der Königsbote wünschte. Von den sächsischen Edelleuten, welche das richtige Urteil zu finden hatten, sprach nur Einer den El- mar von der dreifachen Anklage, die Gero beschworen hatte, frei; das war der alte Rab von der Eschenburg, die übrigen fürchteten den Zorn des Königsboten und wagten es deshalb nicht, ein freisprechendes Urteil zu fällen. Der auf diese Weise für schuldig erklärte Heidenjüngling wurde des Landes verwiesen und für vogelfrei erklärt; seine Besitzungen gehörten von diesem Augenblick an dem Königsboten Gero.
Nur drei Tage durfte er noch in seiner Heimat verweilen; blieb er länger, so war es jedem gestattet, ihn zu töten, wo er ihn fand. Da die Reise weit gehen sollte, so liess Elmar seinem Rösslein ganz neue Eisen unterlegen. Während Fulko, der Schmied, dasselbe beschlug, sprach Elmar kummervollen Herzens:
———„Von Hof und Heimat ³)
Blieb mir heut' am Scheidetage. Nichts als eine handvoll Erde,
Die ich auf dem Herzen trage.“
Als er sich auf sein Rösslein schwang, weinte sein alter, treuer Hausverwalter bittere Thränen. Der Dienerin Hildegundens, die auch zugegen war, gab er Ring und Schwert für ihre Herrin,
indem er sprach: „Sag', der Ring sei zum Gedenken, ⁴) Sag', das Schwert sei zum Bewahren, Wüll ein Gott mir Heimkehr schenken.“
Hierauf ritt er von dannen. Hildegunde stand versteckt am Rande des nahen Föhrenwaldes und winkte ein leises Grüssen. Als der Treugeliebte ihren Blicken entschwand, sank sie kraftlos auf die Kniee und betete zum Himmel, dass er ihn doch beschützen und beschirmen möge. Lange, lange verharrte sie im Gebete.
„Geh nun heim, du Kummervolle, ⁶) Deine Bitten, deine Klagen Wird ein kleiner, lichter Engel Weinend in den Himmel tragen.“
Während Elmar durch den Wald ritt, schienen Bäume und Tiere geheime Reden zu wechseln; die einen bedauerten ihn, die anderen freuten sich, dass er das Land verlassen musste. Der Uhu, die personifizierte Selbstsucht, spottete über ihn. Er meinte, Elmar sei ein dummer Tropf, weil er eine handvoll heimatlicher Erde auf sein Herz gelegt hatte, um sie mitzunehmen in die weite Welt. Er sprach:
y S. 115; Str. 6. ³) 8. 116; Str. 4. ³) S. 150; Str. 5. ⁴) S. 158; Str. 2. ³) 8. 156; Str. 2.


