Aufsatz 
Friedrich Wilhelm Weber's "Dreizehnlinden" : eine literarische Studie / von Johannes Bernhard Feitel
Entstehung
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der Becher. Todesstille herrschte im Saale. Hildegundens Vater aber erhob sich und ge- bot dem Elmar, da er durch seine jugendliche Heftigkeit den Frieden gestört habe, den Saal fürderhin nicht mehr zu betreten. Elmar ging, ohne auch nur eins seiner Worte zurück zu nehmen; allein mit dem Frieden war auch der Frohsinn unter den Gästen verschwunden; sie verabschiedeten sich. Das Erntefest war zu Ende.

Bald ruhten auf Bodinkthorpe alle im tiefsten Schlafe. Elmar, der in der Nähe des Hauses geblieben, konnte nicht schlafen, weil der schwarze Graf ihm sein Haus verboten, weil er seine liebe Hildegunde, um deren Gunst sich ein anderer bewarb, nicht mehr sehen gSollte. Während er nun sein glühendes Haupt an eine kalte Fichte lehnte, bemerkte er plötzlich zu sei- nem grossen Schrecken, dass alle Gebäude des Grafensitzes in lichten Flammen standen; zugleich vernahm er den Hülferuf:Hildegunde! Rettet Hildegunde!

Im Augenblick war er bei den brennenden Gebäuden und sprang in die flammende Lohe, während eben der feige Gero, ohne sich um Hildegunde zu kümmern, mit dem Bündel unter dem Arme herausschlich. Elmar rettete Hildegunde und ihren Vater, welcher bereits be- wusstlos am Boden lag, aus den Flammen, aus den Armender Söhne Muspels, und bot alsdann den Geretteten für den nächsten Winter Obdach und Pflege in seinem eigenen Hause auf dem Habichtshofe an. Aber der feige, neidische Gero hörte es und verleumdete ihn, indem er rief, Elmar selbst habe Bodinkthorpe in Brand gesteckt, um sodann Grafen und Tochter bei sich auf dem Habichtshofe einzusperren. Sobald Elmar diese boshafte Verleumdung hörte, stürzte er auf den Königsboten zu, um ihn niederzuhauen; doch fasste er sich noch rechtzeitig und wandte ihm verachtungsvoll den Rücken. Darauf verabschiedete er sich vom schwarzen Grafen und seiner Tochter Hildegunde und verschwand in des Waldes düsterem Schweigen.

Traurig, weil der Graf sein freundliches Anerbieten nicht angenommen, lenkte er seine Schritte dem Aufenthaltsorte der steinalten, heidnischen Priesterin Swanahild zu, um sich bei ihr Trost und Rat zu holen. Sie wohnte in einer von Christenleuten scheu gemiedenen Höhle.

Als Elmar ihr mitteilte: .Die ich lieb' ist eine Cbristin ²) Und die Tochter eines Franken,

da erhob sie ihres Leibes Riesenlänge und entgegnete rauh:

Elmar geb, du bist verloren!¹ ²)

Geb! Duu)

Beugst dem Kreuz den stolzen Nacken, Beugst den Kopf dem Christenwasser.

Traurig ging der edle Sachsenjüngling von ihr weg.. Geh nur, Elmar; holde Mächte) Sind dir nah auf allen Wegen.

Unter einer riesenhaften Eiche, deren Aste sich wie Tempelhallen wölbten und die den heid- nischen Göttern geweiht und niemals mit Beil oder Axt verletzt worden war, blieb er stehen, beugte sein Haupt und betete, indem er sprach:

All mein armes Glück, des Herzens ³) Wünsche, die mich von Dir schieden, Durft' ich auch Erfüllung hoffen,

Geb' ich hin; gieb Du mir Frieden!

Gott, mein Gott, ich will entsagen!

Wie er so in seiner Herzensqual um inneren Frieden betete:

¹) S8. 1 08; Str. 3. ²) S. 108; Str. 5. ³) S. 108; Str. 6.*) S. 111; Str. 2. ²) S. 115; Str. 5 und 6. 2