Aufsatz 
Friedrich Wilhelm Weber's "Dreizehnlinden" : eine literarische Studie / von Johannes Bernhard Feitel
Entstehung
Einzelbild herunterladen

doch auch die edle Hildegunde, die Tochter des schwarzen Grafen von Bodinkthorpe, trotz ihres christlichen Glaubens; und er war nicht blos ein Nachbar dieses Grafen, sondern auch sein Freund. Als daher das übliche Erntefest auf Bodinkthorge veranstaltet wurde, lud der Graf

auch Elmar dazu ein. Auf der Tenne an den Tischen ¹) Sass das Volk bei Kraut und Schinken,

aber in der grossen Halle war die lange Ehrentafel für die vornehmen, adeligen Gäste des Hauses aufs beste zugerichtet. Als diese Gäste dem Met bereits tapfer zugesprochen hatten und ihre Herzen rascher klopften, sprach der Graf, welcher immer noch der schwarze genannt wurde, obgleich sein Haar bereits mit Grau untermischt war, zu seiner Tochter Hildegunde:

Hildegund, zum Ehrentrunke ²) Gieb das Beste, das wir haben!

Willig erhob sich Hildegunde und reichte den edlen Wein,des Rieslings goldene Zähre, in die Runde. Als sie zu Elmar kam, Senkte schüchtern sie die Lider, ³)

Sie erglühte und ein leises Zittern rann durch ihre Glieder;

denn Elmars treue Liebe erwiderte sie mit eben so treuer Liebe, wenngleich auch sie, wie Elmar, niemals von ihrer Liebe sprach. Elmar sah es, wie ihr Herz für ihn schlug, und freute sich inniglich. Aber auch

Gero sah's, der gelbe Franke,) Herbe war er, doch die Rede Jüngst gesandt als Königsbote, Wusst er schmeichelnd zu versüssen Der dem Gau mit neuen Diensten, Wenn er, plaudernd in der Halle, Neuem Zins und Zehnten drohte. Sass zu Hildegundens Füssen.

Aber seine Werbung um Hildegunde war ohne Erfolg. Neidisch blickte er daher jetzt auf Elmar, weil dieser in der Liebe glücklicher war, als er. Er sah ihn an

Gleich dem Hunde, dem ein andrer) Zu entreissen droht die Beute.

Knurrend hält er seinen Knochen, Und mit borstig rauher Mähne Zeigt er seinem Widersacher Blut'gen Blicks die scharfen Zähne.

Mit scharfen Worten begann er das edle Herz des Elmar zu zerfleischen. Aus Neid und Hass verhöhnte er ihn, nannte ihn einen dummen Götzendiener, einen Rossfleischesser, und verunglimpfte seine verstorbene Mutter dadurch, dass er dieselbe eine wütende Zauberin schalt. Elmar, der auf die ersten Angriffe ruhig geantwortet hatte, erhob sich, sobald Gero die Ehre seiner Mutter antastete, und rief:

Von ihr, um die ich traure,)Schweigen: sonst mit diesem Schwerte) --- Schlag ich dich zu Grund und Boden: Sollst Du schweigen, schnöder Franke; Helfe mir der starke Donar,

Helfe mir der alte Wodan!

Aufgerichtet stand der Sachse Riesengross und schultermächtig; Seine Flammenaugen ruhten Auf dem Franken zornesnächtig.

Vor Angst entfiel dem feigen Gero, der soeben noch so kühn und keck gesprochen hatte,

¹) 8. 83; Str. 5. ²) S. 89; Str. 2. ³) S. 89; Str. 4.)§. 78; Str. 3 u. 4.) S. 89; Str. 5 und 6. 6) S. 91; Str. 6.) S. 92; Str. 1 und 2..