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Vater, die Todeswunde und starb alsbald. Mit Thränen in den Augen blickte die Mutter oft auf ihren frühverwaisten Sohn und dachte bei sich selbst:
„Kind, wer wird in Ernst und Liebe ³) Dich belehren und Dir wehren?“
Trotz der Drohungen ihres Bruders, welcher Bischof an der Pader war, pflanzte die heidnische Mutter in das Herz des Kindes tiefen Hass gegen das Neue, namentlich gegen die sieg- reichen Franken und auch gegen das Christentum, weil diese es brachten. Swanahild, eine stein- alte, heidnische Priesterin, die im Walde wohnte, leistete ihr dabei hülfreiche Hand. Weil Kna- benzucht harte Hände will, schickte die Mutter ihren Sohn zu einem heidnischen Priester, namens Thiatgrim, einem Gastfreunde der Falken, im Lande der Friesen. Dieser vollendete die Erziehung Elmars ganz im Geiste und Sinne der Mutter. Eins nur war Beginn und Ende aller seiner Be- lehrungen:
„Sonder Wanken, sonder Schwanken ²) Eluch und Hass dem welschen Feinde, Hass und Fluch dem Gott der Franken!“
Im fremden Lande wuchs der Knabe rasch heran. Als Jüngling änderte er sein Wesen. Stundenlang sass er am Gestade des Meeres und schaute träumend bald in die Meereswogen, bald nach den Kranichschwärmen, die im Herbste gen Süden zogen. Sehnte er sich zurück nach seiner Mutter, oder verlangte es ihn, ein kleines Frankenmädchen wiederzusehen, welches er einst mit Gefahr seines Lebens aus dem Weiher gerettet, welches ihn darauf unter Weinen und Lachen umschlungen und mit den Worten:
„Elmar, sag' es keinem!“ ⁹)
gebeten hatte, niemand den Vorfall zu erzählen?
Freilich hatte er seit jener Stunde des Mädchens nimmer vergessen; beständig hatte seitdem der Name„Hildegunde“ in seinem Herzen geklungen; aber die Lippen des treuen Knaben blieben versiegelt.
Sein Erzieher, der heidnische Priester, merkte die Veränderung, welche bei Elmar vor- ging. Um ihn auf andere Gedanken zu bringen, forderte er ihn auf, an einem Seekriege des Königs Thorkell gegen die Franken teil zu nehmen. Der Gedanke, die verhassten Franken, die Unterdrücker seines Volkes zu bekämpfen, erfüllte Elmar mit Feuer und F lamme. Er rüstete sich sofort und fuhr mit hinaus auf die See. Aber es dauerte nicht lange, da kam ein Bote vom Habichtshofe, um ihn zur kranken Mutter heimzurufen. Der treue Sohn eilte nach Hause; aber bei seiner Ankunft war die liebe Mutter schon tot.
Von diesem Augenblicke an war und fühlte sich Elmar ganz„vereinsamt am kalten Herde seiner Ahnen.“ Geschwister hatte er nicht, die edle Hildegunde, die er treu und innig liebte, war im Christentum erzogen und dabei ein Frankenmädchen; er dagegen war im Heiden- tum, im Hass gegen die Franken und das Christentum erzogen und dabei ein Sachse. Er hasst das Christentum, liebt aber eine christliche Jungfrau; er hasst die Franken, die Unterdrücker seines Volkes, aber er liebt ein Frankenmädchen. Hass und Liebe kämpfen und toben in sei- nem Herzen, und er hat niemand, bei welchem er Trost und Rat suchen könnte. Je länger er über diese seine trostlose Lage und über das Unglück seines Vaterlandes nachdenkt, desto ein- samer und unglücklicher fühlt er sich; desto mehr wird er des Lebens überdrüssig.
Da erschien ein Bote vom Norden, brachte ihm Grüsse von allen den heidnischen Schwertgenossen, die er im Seekriege kennen gelernt hatte und forderte ihn auf, an einem neuen Kriegs- und Rachezuge teil zu nehmen. Elmar war sehr geneigt, noch einmal zum Schwerte zu greifen und mit gen„Bretland“ zu fahren, um den Sturm der widerstreitenden Gefühle, der
²) S. 23; Str. 5. ²) S. 25; Str. 3. ³) S. 26; Str. 2.


