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Walten christlicher Väter im Konvent zu Dreizehnlinden, die durch selbstlose Werke der Liebe und durch weise Belehrung den heidnischen Wahn und Trotz zu überwinden suchen.
Erst jüngst waren weise Männer aus fremden Reichen angekommen, die in harter Welt- verachtung der stillen Arbeit, dem Gebet und der Betrachtung oblagen. Worte des Segens hatten sie auf den Lippen, in der Hand das Zeichen des Friedens, das Kreuz. Es kostete diesen„frommen Hütern, treuen Pflegern alles menschlich schönen Wissens“ manchen Schweiss- tropfen, die Riesenbäume des Urwaldes auszureuten, Kirchlein und Kloster zu bauen, den Boden urbar zu machen und Gärten und Ackerbreiten zu gewinnen; aber noch viel grössere Mühe, als dieses, kostete es ihnen, die Bewohner des rauhen Landes zu veredeln, den Boden ihres wilden Herzens zu erweichen und für die Aufnahme des Christentums zu befähigen.
„Traun da gab es viel zu rupfen, ¹) Auf den braunen Eichenbänken, Viel zu zähmen und zu zanken, Sass die Brut der Sachsenrecken, Viel zu zerren und zu zupfen Junge Bären; Riesenarbeit An den ungezognen Ranken. War's, sie bildend zu belecken.“
Riesenarbeit war's insbesondere, dem jungen Elmar, dem edlen Herrn vom Habichtshofe, die Botschaft des Kreuzes zu erklären.
Er kam so eben von der Jagd, auf welcher er einen gewaltigen Bären erlegt hatte. Sein Auge ruhte mit Wohlgefallen auf der herrlichen Gestalt des Tieres, und er würde es nicht getötet, sondern verschont haben, wenn es nicht seiner lieben Hildegunde, als sie mit ihrem Vater, dem schwarzen Grafen von Bodinkthorpe, am späten Abend über die Heide ritt, einen grossen Schrecken eingejagt und beiden die Heimkehr abgeschnitten hätte. Jetzt erfreute ihn der schöne Gedanke, dem Vater und der Tochter durch Uebersendung des Pelzes des ungeschlachten Brum- mers, den er mit eigener Hand erlegt hatte, eine höchst angenehme Ueberraschung bereiten zu können.
„Höher hob sich heut' des Jünglings ²) Breite Brust von frischem Gange,
Heller war sein blaues Auge, Voller die gebräunte Wange;“
und in seiner Freude rief er seinem Jagdgesinde zu:
„Hängt den Bären an die Linde! ³) Schont den Pelz; nach Bodinkthorpe Will ich ihn zum Grafen senden!“
Dann sprang er, gefolgt von lauten Waidmannsrufen, rasch die Stufen des Saales hinan und schritt durch die grosse Halle. Hier erschrak er beinahe vor dem düsteren Schweigen, das ihn umgab, und dem verlorenen Schalle seiner Tritte: denn er war der letzte Sprosse des edlen Geschlechtes der Falken und stand vereinsamt am kalten Herde seiner Ahnen.
Die Besitzungen des Habichtshofes, Wälder, Kämpe, Aecker erstreckten sich bis auf die Bergeshöhen und an die Flüsse, und sie waren uraltes Eigentum der Falken. Die Völkerwander- ung, welche durch Deutschland brauste und die Stämme wie Schneeflocken fort und durchein- ander trieb, konnte die Sachsen nicht aus ihren Wohnsitzen verdrängen; sondern
„Unentwegt auf freier Hufe, ⁴) Grundentsprossen, grundverwachsen, Wurzelfest, wie seine Eichen,
Sass der edle Stamm der Sachsen“
Wurzelfest, wie die Eichen ihrer Waldungen sassen auf dem Habichtshofe die edlen Falken, reich an Ehren. Aber im Kriege mit Karl dem Grossen, der mehr als dreissig Jahre dauerte, unterlagen selbst diese wurzelfesten, kriegerischen Sachsen und wurden machtlos und rechtlos auf dem eigenen Boden. In diesem schweren Kampfe erhielt auch Alfrik Falk, Elmars
¹)„Dreizehnlinden“, Seite 12; Strophe 2 und 3. ²) S. 19; Str. 5. ³) 8. 18; Str. 1 und 3. 4) S. 21; Str. 5.


