Aufsatz 
Die neueren Sprachen als Bildungsmittel
Entstehung
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z. B. inPellkartoffeln. Die meiſten kennen wohl auch den Ausdruck:Ich komme(rücke) Dir auf die Pelle! Im ſüdöſtlichen Teile des Kreiſes Konitz, Weſtpreußen, reden die Bewohner gewiſſer Ort⸗ ſchaften einen eigentümlichen weſtgermaniſchen Dialekt, der unter andern folgende, direkt auf's Eng⸗ liſche weiſende Wörter enthält:alred(Reinecke Vos 3636 alrede) das engl. already; die engl. Bedeutung desſchon iſt jedoch in die desnur übergegangen. Wir finden das engl.at genau in dem dortigenat wieder, z. B.at Meier's ganz dasſelbe wie engl.at Mr. Todd's, bei Herrn Todd, in Todd's Hauſe. Der ſchwäbiſche Dialekt bewahrtto doze, ſchlaftrunken ſein, in dem gleichendoſen, unſer vulgäresduſſeln. Der ſchwäbiſcheHerbſt hat wie das engl. harvest, die BedeutungErnte, nicht die des Spätjahres. Der Berner wendet das engl.to ride fahren, noch in ſeinen Ausdrückenz'Schlitte, z'Wage rite= fahren, an, wie der Engländer ſeinto ride in a coach. ¹) Eine derartige Behandlung der Etymologie wird gewiß dem ſtreb⸗ ſamen Schüler der oberen Klaſſen fördernd werden, indem ſie demſelben einige Kenntnis unſerer deutſchen Dialekte ſowie der altſächſiſchen Sprachreſte vermittelt. Das Sächſiſche iſt ja die Haupt⸗ ſchicht der engliſchen Sprache, das Keltiſche und Däniſche ſind die Zwiſchenſchichten, und zuletzt ſchüttete, in Folge einer politiſchen Erſchütterung, die Normandie ihre ſprachlichen Elemente auf die vorhandene Maſſe, um dieſe fruchtbarer und ergiebiger zu machen. Das Lateiniſche, nebſt ſpäteren Zuthaten aus dem Franzöſiſchen und Griechiſchen kommen gleichſam als fetter Boden hinzu. Höchſt belehrend auch dürfte für den Schüler der Hinweis auf das Verhältnis ſein, in dem die normanniſche Sprache zur engliſchen ſteht, nämlich auf das des Siegers zu dem Beſiegten. Sind doch die Wörter für die höchſten Ehrenſtellen und Würden, wie sovereign, sceptre, throne, realm, prince, duke, count, palace der Sprache der Eroberer entnommen, dann alle Benennungen von Luxus⸗ artikeln, die ſich auf die Jagd, das Ritterweſen u. ſ. w. beziehen, während die gewöhnlichen Gegen⸗ ſtände des Ackerbaus, die Bodenerzeugniſſe angelſächſiſche Bezeichnungen behielten, wie rye, oats, wheat. Die Haustiere im lebenden Zuſtande heißen ox, calf, sheep, swine, aber zubereitet auf der Tafel der Normannen, müſſen ſie durch die franzöſiſchen Wörter, boeuf, veau, mouton, porc in etwas engliſchem Gewande erſetzt werden, beef, veal, pork, mutton. Das Liebſte, was der Angelſachſe in der Familie und Gemeinde beſaß, konnte ihm der fremde Eindringling nicht rauben, daher behielt die Sprache father, mother, child, husband, wife, son, daugther etc. bei, des⸗ gleichen die Wörter für Dinge aus der unmittelbar ſich offenbarenden Natur, sun, moon, star, earth, sky, fire, water, storm, wind etc. Die Aufnahme zahlreicher lateiniſcher und griechiſcher Wörter war die notwendige Konſequenz der zunehmenden Bildung durch die klaſſiſchen Studien, ſo memory, idea, imagination, virtue, superstition. Daß die meiſten militäriſchen Ausdrücke der franzöſiſchen Sprache entnommen ſind, darf nicht befremden, wenn man bedenkt, daß durch die Er⸗ findung des Schießpulvers das alte Kriegsſyſtem hinfällig geworden war und die europäiſchen Staaten ihre Reorganiſation nach franzöſiſchem Muſter bewerkſtelligten. Cavalry, lieutenant, captain, colonel, brigade, regiment ſind Belege dafür. Eine unerſchöpfliche Quelle von Sentenzen er⸗ ſchließt das Studium des britiſchen Dichterheroen der Jugend; es ſollen einzelne beſonders lebens⸗ friſche und beherzigenswerte nach der Schlegel⸗Tieckſchen Ueberſetzung mitgeteilt werden:

Wer ſchlecht begann, der ſtärkt ſich durch Verbrechen. Macbeth III. 2.

Der flüchtige Wille wird nie eingeholt, wenn nicht die That ſogleich mitgeht. Macb. IV. 1.

¹) Vgl. Scheminsky: Materialen zur Geſchichte deutſcher Mundarten.