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Der Infinitiv wird im Engliſchen wie im Franzöſiſchen faſt in derſelben Ausdehnung ange⸗ wendet, als Subjekt, Objekt, Attribut und Adverbiale. Seine Verwendung als Objekt in Verbindung mit einem Accuſativ, der ſog. Acc. c. Inf., findet unter ähnlichen Bedingungen wie im Lateiniſchen ſtatt. In dieſer Freiheit beim Gebrauche des Infinitivs kann man einen Vorzug des Engliſchen vor dem Franzöſiſchen erblicken, wo der Acc. c. Inf. auf ſehr wenige Fälle beſchränkt bleibt.— Soviel über die Grammatik. Das Aufgeben des Flexionsſyſtems verlieh der engliſchen Sprache eine außer⸗ ordentliche Kraft; der Engländer hat wenig mit Wortformen zu kämpfen, in Folge deſſen vermag er ſeine ganze Denkkraft auf die müheloſe Wiedergabe ſeines Gedankens zu konzentrieren. Sein die Bequemlichkeit und Zweckmäßigkeit liebender Charakter konnte unmöglich lange unter dem Banne an⸗ gehäufter Wortformen ſeufzen, die das Reſultat der Dialekte der verſchiedenen Stämme und Völker waren, aus denen dieſe Nation hervorging. Dadurch daß das Engliſche bei ſo vielen anderen Sprachen Anleihe machte, gewann es an Kraft und Reichtum, und iſt imſtande, jedwedem Gedanken einen Aus⸗ druck zu geben. Es hat unter allen Sprachgütern am meiſten den Beruf, kosmopolitiſch zu ſein, ein Punkt, in welchem Charakter und Sprache der Nation wunderbar übereinſtimmen. Das Engliſche und Deutſche ſtehen an Wohlklang und Melodie den Sprachen römiſchen Urſprungs nach, übertreffen dieſelben aber bei weitem durch rhythmiſchen Bau und Harmonie, welche mit dem tiefen Sinn der Worte eng verbunden iſt.— Es dürfte hier am Platze ſein, ein Gebiet zu ſtreifen, nämlich die Ortho⸗ epie, wodurch das Engliſche eine bedeutende Fülle von Bildung, wie ſie wohl keine andere lebende und tote Sprache aufzuweiſen hat, zu vermitteln befähigt iſt. Ja, die Lehre von der Ausſprache darf mit Recht als eine echte Turnhalle des Geiſtes und ſelbſt des Körpers betrachtet werden, wird doch durch ſie Geſchmeidigkeit der Sprachorgane erlangt, Fleiß und Ausdauer bethätigt, die feinen Schattie⸗ rungen der Ausſprache abzulauſchen.„Die Ausſprache der Vokale“, ſo lautet ein fachmänniſches Gut⸗ achten,„in denjenigen Sprachen, welche zu dem germaniſchen Sprachſtamm gehören, hängt von der Beſchaffenheit der Silben ab. Man unterſcheidet 2 Arten von Silben; eine Silbe endigt entweder auf einen Vokal, und heißt dann offene Silbe, oder eine Silbe endigt auf einen Konſonanten und heißt dann geſchloſſene Silbe. Die Benennungen„offen“ und„geſchloſſen“ ſind davon hergenommen, daß bei dem Ausſprechen einer offenen Silbe die Mundhöhle nicht geſchloſſen wird, und man die Silbe ſo lange tönen laſſen kann, wie der Atemn ausreicht; bei dem Ausſprechen einer geſchloſſenen Silbe dagegen muß die Mundhöhle geſchloſſen werden. Es gilt nun als Regel, daß die⸗Vokale in den offenen Silben lang geſprochen werden, in den geſchloſſenen Silben dagegen kurz. Im Engliſchen iſt dieſe Regel viel ſtrenger durchgeführt, als im Deutſchen, und im Engliſchen finden daher Aus⸗ nahmen und Schwankungen viel weniger ſtatt. Was nun die Laute der deutſchen und engliſchen Vokale ſelbſt anbetrifft, ſo gehen die beiden Sprachen nur inſofern auseinander, daß erſtens die eng⸗ liſchen Vokale an ſich zum teil einen ganz anderen Laut haben, als im Deutſchen, und daß zweitens die engliſchen Vokale in langen Silben weſentlich anders lauten, als in kurzen Silben. Letzteres iſt im Deutſchen nicht der Fall; ein e lautet immer e, ein i immer i, mögen die Vokale lang oder kurz ſein. Im Engliſchen dagegen wird, wie wir gleich ſehen werden, der Laut der Vokale ein ganz verſchiedener, je nach dem der Vokal in einer offenen d. h. langen, oder geſchloſſenen, d. h. kurzen Silbe ſteht. Es hat nämlich im Engliſchen für die langen Vokallaute eine Vokalverſchiebung ſtatt⸗ gefunden, während in anderen Sprachen das a wie a lautet, hat es im Engliſchen ſich ſo ſehr dem langen e genähert daß das e ſeinen urſprünglichen, langen Laut nicht bewahren konnte, ſondern eine Stufe weiter gerückt iſt und wie langes i geſprochen wird. Das i wiederum konnte nun ſeinen


