Aufsatz 
Die neueren Sprachen als Bildungsmittel
Entstehung
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der 2. Hälfte des 4. Jahrhunderts, Dorfbewohner und Heide. Die letztere Bedeutung trat mehr und mehr in den Vordergrund, bis erſtere völlig ſchwand, ſo daß payen nur noch Heide bedeutet. Blé,(mlt. blatum und bladum= ablatum) das Davongetragene, oder die Ernte, bekommt die ſpezielle Bedeutung Getreide. Welche Getreideſorte die wertvollſte iſt, lehrt uns das lat. frumentum, welches ſich in froment in der engeren Bedeutung Weizen erhalten hat. ¹) Payer,(lat. pacare) urſprünglich beſänftigen, beruhigen. Da dies meiſt am wirkſamſten durch Geld erreicht wird, hat ſich das Verb im Sinne vonbezahlen erhalten; pomme,(lat. pomum), bezeichnete als Gattungs⸗ name jedwede Baumfrucht, iſt ſpäter zur BedeutungAepfel geworden; trève,(althochd. triuwa) Treue, Zuverläſſigkeit, Gelübde, hat die BezeichnungWaffenſtillſtand jedenfalls als Gelübde, eine Zeit lang Frieden zu halten, erlangt. Bezüglich des Geſchlechtswechſels iſt es vor allem intereſſant zu beobachten, wie die lateiniſchen Neutra im Neufranzöſiſchen in der Regel Maskulina geworden ſind, daß aber auch das genus femininum einen nicht zu unterſchätzenden Anteil dabei hat; z. B. lat. gaudia wurde la joie, opera l'oeuvre(fem.), arma l'arme(fem.). stabula, l'étable (fem.); daß endlich ein Schwanken urſprünglicher Neutra zwiſchen dem gen. masc. und fem. des Franzöſiſchen hervortritt, ſo wurde lat. aenigma, énigme(fem.), epigramma, épigramme (fem.), episodium, épisode,(masc.), epitheton, épithète(fem.), fulgur, foudre(fem.), scandalum, esclandre(masc.). Aenp lumie exemple(masc.), oleum, huile(fem.), hordeum, orge(fem.)

So haben wir nun im Gebiete der franzöſiſchen Grammatik und Litteratur kurze Umſchau ge⸗ halten und darzulegen verſucht, wie vielſeitiger Bildungsſtoff in dieſer Sprache verborgen liegt, den der Lehrer der Zeit und den Umſtänden angemeſſen, beim Unterricht zur Verwendung bringen kann; auch bei dem hartnäckigſten Gegner der modernen Sprachen, der ſich noch den Unterricht in dieſen Disziplinen etwa als ein bloßes elementares Aneinanderreihen und mechaniſches Einpauken Ploetz'ſcher Lektionen vorzuſtellen beliebt, dürfte bei vorurteilsfreier Erwägung die Ueber⸗ zeugung Raum gewinnen, daß es hier ein ebenſo fruchtbares Feld geiſtiger Arbeit zu beſtellen giebt, als dies bei den klaſſiſchen Sprachen der Fall iſt.Jeder Gegenſtand von hohem Intereſſe für die Menſchheit, mit welchem die Thätigkeit der geiſtigen Kräfte ſich planmäßig und wiſſenſchaftlich be⸗ ſchäftigt, iſt geeignet, als Subſtrat zur Entwicklung der verſchiedenen Richtungen geiſtiger Anlagen zu dienen, nur in etwas anderer Weiſe und nicht in demſelben Sinn. Es iſt nicht abzuſehen, warum es nützlich und notwendig ſein ſoll, alle Geiſteskräfte der Jugeud nur in der einzigen beſchränkten Richtung auszuwählen, welche durch die Schulung mit ein oder zwei alten Sprachen erzielt wird, während der erſte Schritt aus der Schule hinaus die Schüler zu den verſchiedenartigſten Richtungen ihrer ferneren wiſſenſchaftlichen oder beruflichen Thätigkeit ohne allen und jeden vermittelnden Uebergang hineindrängt. ²)

Der zweite Teil unſerer Abhandlung hat ſich mit der engliſchen Sprache rückſichtlich ihrer bildenden Elemente zu befaſſen. Ich beginne, wie beim Franzöſiſchen, mit der formalen Seite. Als erſten Zeugen zitiere ich die Worte Jakob Grimm's:Keine unter allen neueren Sprachen, ſagt er, hat gerade durch das Aufgeben und Zerrütten aller Lautgeſetze, durch den Wegfall beinahe ſämt⸗

¹) Unter Korn verſteht der Norddeutſche vorzugsweiſe den Roggen. ¹) Stein, a. a. O. p. 97.