17 ſich kund gebende Sucht nach abenteuerlichen Thaten und ritterlichem Weſen lächerlich gemacht. Der Ritter ſieht 30 bis 40 Windmühlen vor ſich und hält dieſelben für Rieſen.„Vois-tu la-bas ces géants terribles?“ redet er ſeinen Knappen an.„Je vais attaquer ces fiers ennemis de Dieu et des hommes“. Und als Sancho ihm die Ueberzeugung beizubringen ſucht, daß es Mühlen und keine Rieſen ſein, gerät er erſt recht in Harniſch und verſteigt ſich zu der ſpottenden Bemerkung: „Ce sont géants, je m'y connais. Si tu as peur, éloigne-toi, va quelque part te mettre en prière, tandisque j'entreprendrai„cet inégal et dangereux combat“. Ein neues Miß⸗ geſchick paſſiert dem edlen Don Quichotte, als er ſich des Zauberhelms eines mauriſchen Königs Mambrin bemächtigen will und er am Ende ſtatt jenes Kleinods ein Barbierbecken als Siegestrophäe in der Hand hält. Sancho war nachdenklich geworden.„Qu'as-tu donc?“ fragte der Held.„Rien, monsieur“, erwiderte mit kühlem Spotte der Angeredete,„je songe à la grosse tete du premier possesseur de cet armet, qui ressemble singulièrement à un plat à barbe.“— Fénelon's „Télémaque“, eine didaktiſche in Proſa verfaßte Epopöe ſoll den Fürſtenſohn die herrlichſten Tugenden lieben lehren, ihn mit Abſcheu vor ſelbſtſüchtigem Ehrgeiz durchdringen. Der Verfaſſer verſteht es, ſeine Moral in die Schöpfungen einer reichen Phantaſie zu kleiden; er iſt im höchſten Grade Meiſter eines anmutigen, harmoniſchen und reinen Stils, ſo daß das Buch bei ſeinen mehr als 100 Ueber⸗ ſetzungen und 200 Ausgaben es wohl verdiente, daß ſein Ruhm unter den gebildeten Völkern der Erde ſich einer ſo weiten Verbreitung erfreute. Anerkennenswert und in jener Zeit vielleicht einzig daſtehend iſt der Freimut, mit welchem Fénelon in ſeinem Briefe an Ludwig XIV. 3 Jahre vor dem Frieden zu Ryswick(1697) dem Monarchen die Leiden des Volkes vorſtellt.„Vous vivez,“ ſchreibt er,„comme ayant un bandeau fatal sur les yeux; vous vous flattez sur les excès journaliers, qui ne décident rien, et vous n'envisagez point d'une vue générale le gros des affaires qui tombe insensiblement sans ressource.... Vous ne prétez volontiers l'oreille, Sire, qu'à ceux qui vous flattent de vaines espérances.“ Im weiteren Verlauf ſeiner Vorſtellung ruft er dem Fürſten drohend zu:„Vous ne connaissez point Dieu, vous ne l'aimez point, vous ne le priez point du coeur et vous ne faites rien pour le connaitre“. Paſſend dürfte hier vergleichsweiſe an die Art und Weiſe erinnert werden, wie der Meiſter des da⸗ maligen guten Geſchmacks in Frankreich, Boileau, in ſeinen Epiſteln in faſt ekelerregender Devotion der Perſon des Königs Weihrauch ſtreut. Oder ſtreift es nicht an's Lächerliche, wenn er in ſeiner 8. Epiſtel voll Entzücken in die Worte ausbricht:„Grand roi, cesse de vaincre, ou je cesse d'écrire!“ da doch alle Welt weiß, daß Ludwig XIV. ſelbſt nie eine Schlacht gewonnen hat; oder wenn er in ſeiner Panegyrik auf den Rheinübergang(4. Epiſtel) dieſe Thatſache zu einem Ereigniſſe aufbauſcht, welches an ſich höchſt bedeutungslos daſteht, ſo daß Napoléon I., welcher allerdings nicht zu den begeiſterten Bewunderern Ludwigs XIV. gehörte, in ſeinen Memoiren von einer opération militaire de quatrième ordre ſpricht. Uebrigens läßt ſich auch manches zu Boileau's Rechtfertigung anführen, wie denn auch der Stellung der Dichter dieſer Epoche gegen⸗ über dem Hofe, und des nachteiligen Einfluſſes der mißverſtandenen Einheiten der Zeit und des Ortes auf die dramatiſche Dichtung bei der Lektüre in den oberen Klaſſen gebührende Erwähnung geſchehen müßte. Trotz des ſchleppenden Alerandriners, trotz der Hofluft, welche die Vertreter der Poeſie einatmeten, trotz des ſtreng logiſch konſtruierten Satzbaus der franzöſiſchen Sprache, haben die Meiſterwerke eines Racine und Corneille Stellen von bezaubernder Schönheit und hinreißendem Pathos aufzuweiſen. Mit hochprophetiſchem Munde verkündet z. B. im„Britannicus“ Nero's
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