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Maistre: Le Lépreux de la Cité d'Aoste. La jeune Sibérienne.
Michaud: Histoire des Croisades.
Mignet: Histoire de la révolution française.
Michelet: Précis de l'histoire moderne.
Molidère:„l'Avare“.„le Misanthrope“.
„le Bourgeois Gentilhomme“.
Racine:„Britannicus“ Phèdre„Athalie“.
Warum ſollte die franzöſiſche Litteratur nicht ebenſo reichhaltigen Bildungsſtoff vermitteln können als die klaſſiſchen Sprachen, in deren Schriftwerken ſich ſo manches Unſchickliche, ja gerade zu Anſtößige vorfindet, daß es der äußerſten Vorſicht des Lehrers bedarf, um den Zweck der Geiſtes⸗ und Herzensveredlung nicht in Frage zu ſtellen? Durch die Lektüre ſoll der Schüler auf der Ober⸗ ſtufe mit dem in der Sprache niedergelegten Inhalt, mit der Geſchichte der Sitten und dem Geiſt des betreffenden Volkes bekannt werden. Und dieſe Kenntnis iſt für die allgemeine Bildung unent⸗ behrlich. Wir ſind Kinder einer neuen Zeit, die von dem Zeitalter der Entdeckungen und Erfindungen ihren Urſprung nimmt und ſeitdem ſelbſtändig zu einer nie geahnten Höhe ſich empor geſchwungen hat. Aber gerade ſeit dieſer Zeit haben ſich die Kulturvölker zu gemeinſamer Arbeit verbunden und ſind ſo mit einander verkettet, daß man die Kulturentwicklung des eignen Volkes nicht verſtehen kann, ohne die mitwirkenden Faktoren zu kennen. Es muß deshalb Aufgabe einer jeden höheren Schule ſein, die Schüler wenigſtens mit den Perioden der franzöſiſchen und engliſchen Kulturentwicklung be⸗ kannt zu machen, in denen dieſe Völker eine führende Rolle ſpielten; das würde für das Franzöſiſche das Zeitalter der Kreuzzüge, das Ludwigs XIV. und der Revolution ſein. ¹) Durch nichts aber läßt ſich zweckmäßiger die Kenntnis dieſer Periode vermitteln als durch das Leſen charakteriſtiſcher franzöſiſcher Werke über dieſe Zeitabſchnitte, daneben, aber erſt in zweiter Linie, ſollen Werke der ſchönen Litteratur, Luſt⸗, Trauerſpiele und Gedichte in Frage kommen. Seit dem Beſtehen der modernen Geſellſchaft iſt die franzöſiſche Sprache das Gemeingut aller Kulturvölker Europas; ſeit 2 Jahrhunderten behauptet ihre Litteratur einen hervorragenden Rang unter den die Welt bewegenden Gewalten. Keine andere Litteratur thut es der franzöſiſchen gleich an unmittelbarem Einfluß auf das Leben der Völker, ſelbſt die engliſche nicht. Frankreich iſt nun bereits zwei Jahrhunderte lang die große Münzſtätte weltumfaſſender Gedanken geweſen; eine Thatſache, die auf's innigſte mit dem Grundcharakter des franzöſiſchen Volkes zuſammenhängt. Kurz, in Frankreich haben, um mit Guizot zu reden, die individuelle und ſoziale Entwicklung ſich niemals im Stiche gelaſſen. An origineller Kraft und poetiſchem Schöpfungsvermögen mögen die Engländer, an philoſophiſcher Tiefe die Deutſchen unſere weſtlichen Nachbarn übertreffen, die Klarheit, Eleganz der Form, ſichere Verwendung des vor⸗ handenen Ideenvorrats bleibt die unbeſtrittene Domäne der Franzoſen.
Iſt es für einen auf Bildung Anſpruch erhebenden Mann in unſeren Tagen nicht gerade zu ein unerläßliches Erfordernis, daß er bei ſeiner Bekanntſchaft mit antiken Einrichtungen und Sitten, an der Hand franzöſiſcher Autoren auch einen Einblick gewinnt in das Leben und Treiben am Hofe des„großen“ Ludwig XIV.? Und wenn die franzöſiſchen Hiſtoriker uns Vor⸗ gänge aus den Tagen der Revolution, das Wüten und Würgen der Gewalthaber, die ſtille Reſignation
¹) Als litterariſcher Handweiſer für die oberen Klaſſen verdient beſondere Empfehlung: Fr. Kreyſſig: Ge⸗ ſchichte der franzöſiſchen Nationalliteratur von ihren Anfängen bis auf die neueſte Zeit.


