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venir de mit folgendem Infinitiv zum Ausdruck der eben vollendeten Handlung z. B. je viens d'écrire une lettre; aller mit dem bloßen Infinitiv zur Bezeichnung der unmittelbar bevorſtehenden Zukunft, z. B. je vais écrire une lettre; es kommen noch hinzu aller mit dem Partizip Praeſens um die andauernd ſteigende Handlung, aller mit dem Gérondif um die ſtets wachſende Steigerung einer Thätigkeit auszudrücken.
1) Napoléon allait chaque jour s'emparant de la France.
2) Un fleuve qui allait toujours en croissant.— Abweichend vom Deutſchen, aber analog den betreffenden lateiniſchen Konſtruktionen wird in beſtimmten Klaſſen von Nebenſätzen dem Prädikat die einfache Negation ne vorgeſetzt, ſo
1) in Objektſätzen abhängig von Verben und Ausdrücken der Furcht und Beſorgnis.
2) in Objektſätzen abhängig von den Verben garder, prendre garde, éviter, empécher. Das que-ne mit dem Subjonctiv entſpricht hier meiſt dem quominus mit dem Konjunktiv.
3) in Objektſätzen abhängig von verneinten Verben des Leugnens und Zweifelns, ne pas nier, douter u. a. que-ne mit dem Subzonctiv entſpricht dem lateiniſchen quin mit dem Konjunktiv.
4) in Sutjektſätzen abhängig von unperſönlichen Ausdrücken, wie il s'en faut peu, à quoi
tient-il que etc.
Schließlich ſei noch der Wortſtellung im Ausſageſatze Erwähnung gethan. Die Gleichhheit des Nominativs und Accuſativs in der Form zwingt das Franzöſiſche zur genauen Unterſcheidung des Subjelts und Objekts und begründet das ſog.„eiſerne Konſtruktionsgeſetz“ nach welchem das Sub⸗ jekt ſtets vor, das Objekt ſtets nach dem Prädikat zu ſtehen hat; es iſt demnach nur die Wortfolge möglich:
Subj. Praed. Obj. Le père aime le fils. le fils aime le père. pater amat filium. filium amat pater.
Das Altfranzöſiſche, welches Nom. und Acc. noch in der Form unterſchied, war an das Kon⸗ ſtruktionsgeſetz noch nicht gebunden und beſaß die Freiheit, das Subjekt dem Prädikat nach, das Objekt hingegen dieſem und dem Subjekt vorzuſtellen. Im Neufranzöſiſchen war die, wenn auch ſelten gebrauchte Möglichkeit der Voranſtellung des Objekts bis zum 17. Jahrhundert vorhanden; in der jetzigen Sprache findet ſich die Inverſion des Objekts nur in wenigen beſtimmten Heibitdundef. z. B. sans coup férir, sans mot dire, und in Sprichwörtern wie:
qui terre a, guerre a.— ¹)
Aus dieſer Erörterung dürfte erhellen, daß die franzöſiſche Sprache auch hinſichtlich ihrer Syntax unſere volle Würdigung als formales Bildungselement verdient. Sie lehnt ſich in ſehr vielen Be⸗ ziehungen direkt an die klaſſiſchen Sprachen an, in anderen hat ſie in Folge der Weiterentwicklung ihrer Formen und Aufgeben von Flexionsendungen hinreichend Subſtitute zu gewinnen vermocht. Sie iſt keineeneg⸗ wie noch immer einzelne Gegner zu behaupten ſich gefallen, das Produkt der entarteten,
¹) Brachet: Grammaire historique de la langue française. p. 146 ff. Intereſſante und klare Begründung, wie die 6 Kaſus des Lateiniſchen auf 2 im Altfranzöſiſchen, auf 1 im Neufranzöſiſchen reduziert werden konnten.


