Aufsatz 
1) Ansprache bei der Übernahme des Direktorats. 2) Ansprache beim Jubiläumsfeste der Anstalt
Entstehung
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müſſen in ihrem Werte erkannt werden, zumal da in unſerer techniſch und naturwiſſenſchaftlich ſo hochſtehenden Zeit das Tatſächliche und Greifbare nur zu leicht als das einzig Wirkliche an⸗ geſehen und zumal da in unſerer von politiſchen und konfeſſionellen Rämpfen ſo tief durchwühlten Zeit das Sonderintereſſe ſo leicht über das allgemeine Wohl des Volkes und des Vaterlandes emporgehoben wird. Hinweg mit Peſſimismus und Nörgelſucht! Die lähmen in jeder Gemein⸗ ſchaft die Schwungkraft der Seele. Freudigkeit und das Bewußtſein, ſein Beſtes einzuſetzen, Mut und Gottvertrauen verleihen Stärke.

Uaiſer Friedrich hat uns gezeigt, wie die Flügel der Tatkraft und Tapferkeit zu unſterb⸗ lichem Ruhme emportragen. Er hat aber auch bei gebrochener Geſundheit des Leibes immer wieder durch Flügel der Gottergebenheit ſich aufwärts führen laſſen, zu den höhen, von denen hilfe kommt.Die auf den herrn harren, kriegen neue Kraft, daß ſie auffahren mit Flügeln wie Adler. So iſt er eingegangen in das Reich ewigen Friedens.

Wir wollen am heutigen Tage geloben, ſeinem Geiſte treu zu bleiben in Tat und Wort, in Glauben und Hoffen, in Geduld und Liebe.

Dazu gebe Gott ſeinen Segen!

Feſtrede des Prof. Primer beim 25 jährigen Jubiläum der Anſtalt.

hochanſehnliche Feſtverſammlung, Sehr geehrte herrn Kollegen, liebe Schüler.

hHeute vor 25 Jahren iſt in dieſem Saale unſer Gymnaſium eröffnet worden. Vor Ver⸗ tretern der Königl. Staatsregierung, des Provinzial⸗Schulkollegiums, der Rommunalbehörden und einem erlauchten Gäſtekreis fand die SEinweihung ſtatt. Als die letzten Töne des ChoralsLobe den Herrn, den mächtigen Rönig der Ehren verklungen waren, beſtieg der allverehrte Ober⸗ regierungsrat Lahmeyer das Katheder und hielt im Namen des Königl. Provinzial⸗Schulkollegiums die Eröffnungsrede. Er rühmte den herrlichen Bau und die ſchönen Räume unſeres Gymnaſiums, wie ſie durch die einträchtige Fürſorge von Staat und Stadt zur Ehre der Stadt Frankfurt her⸗ geſtellt ſeien. Er ſprach die hoffnung aus, daß die neugegründete Schweſteranſtalt mit dem hoch⸗ angeſehenen alten Gymnaſium, dem damals einzigen der Stadt Frankfurt, ſtets ein freundliches Verhältnis pflegen werde und daß beide zur Ehre der Stadt und zum Wohle des Staates im Wetteifer ſtehen möchten, ſelbſt Tüchtiges zu leiſten und ſich der Tüchtigkeit der Schweſternanſtalt zu freuen. Er hob dann hervor, daß die Gymnaſien, deren Ziel ſeit alter Zeit hochgeprieſen war, in neuerer Heit vielfachen Anſchuldigungen und Schmähungen ausgeſetzt ſeien. Man werfe dem Gymnaſium vor, daß die Beſchäftigung mit den Meiſterſchöpfungen des klaſſiſchen Heidentums den frommen Chriſtenglauben untergrabe. Man begeiſtere die Schüler für Athen und Rom, entfremde ſie aber dem Vaterlande. In einſeitiger Berückſichtigung der Geiſtesbildung laſſe das Gymnaſium das körperliche Wohl ſeiner Zöglinge außer acht.

Uurz, aber ſcharf und würdig hatte der Redner dann dieſe Anſchuldigungen zurückgewieſen und die Mahnung ausgeſprochen, die neue Anſtalt ſolle ſich bemühen, wie alle ihre Schweſter⸗