Aufsatz 
1) Ansprache bei der Übernahme des Direktorats. 2) Ansprache beim Jubiläumsfeste der Anstalt
Entstehung
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Fröhlichkeit und Ernſt in der Arbeit und im Leben zu vereinigen, das iſt eine ſchöne, den Erfolg verheißende, ja verbürgende Aufgabe. Das möchte ich auch Euch, liebe Jugend, die mir nun an⸗ vertraut worden iſt, als Ziel ſtellen. Seid ernſt in allem Guten und Wahren und ſeid fröhlich zugleich! Und uns, meine ſehr geehrten herren Uollegen, möge vor allem die Arbeitsfreudigkeit als einigendes Band verknüpfen, die Gemeinſchaft jenes ſchönen Zieles, junge Menſchenſeelen nicht nur kenntnisreich, ſondern auch feſt und fröhlich in allem Guten zu machen. Gerade von unſerem Be⸗ rufe gilt ja das Wort: Einigkeit macht ſtark. Laſſen Sie uns einheitlich die Jugend leiten und lenken durch die Macht der Geduld, der Güte, der Liebe, aber, wo es not tut, auch unerbittlicher Strenge! Laſſen Sie uns die Jugend ermutigen, wo immer nur die Möglichkeit des Fortſchreitens und der Beſſerung ſich bietet! Laſſen Sie uns pflegen Gottesfurcht und Vaterlandsliebe und den Sinn für alles Schöne und Wahre!

Mir ſelbſt aber, darum bitte ich, ſchenken Sie Vertrauen, wie ich Ihnen ein herz voll Vertrauen, voll guten Mutes und ſchöner hoffnung entgegenbringe! Vertrauen iſt und bleibt die notwendigſte Grundlage jeder Gemeinſchaft.

Möchte das Vertrauen zu Achtung, die Achtung zu Freundſchaft ſich entfalten! Wie ich dies Glück in Neuwied mir erobert habe ich darf mich deſſen freudig rühmen ſo möge es mir auch hier gelingen!

Das iſt mein ſehnlichſter Wunſch.

Und der herr unſer Gott ſei uns freundlich und fördere das Werk unſerer Hände bei uns, ja das Werk unſerer Hände wolle er fördern! Amen!

Anſprache des Direktors beim Jubiläumsfeſte der Anſtalt.

hHochgeehrte Feſtverſammlung!

Es iſt mir eine hohe Ehre und Freude, in den erſten Tagen meiner Amtsführung hierſelbſt eine ſo anſehnliche Verſammlung von Eltern der Schüler, von Gönnern und Freunden und früheren Schülern des Kaiſer⸗Friedrichs⸗Gyminaſiums neben den Vertretern der ſtädtiſchen Schulen und anderer Vereinigungen und nicht am wenigſten den Mann begrüßen zu können, der, als erſter Direktor, dieſer Schule die Richtlinien gewieſen hat, den allverehrten, hochverdienten herrn Geheimrat Hartwig.

Meine verehrten Damen und herren, liebe Schüler!

Unſer Gymnaſium darf ſich rühmen, das einzige in der Monarchie zu ſein, das den Namen Kaiſer Friedrichs trägt, denn es war das einzige, das in den 90 Tagen ſeiner Regierung gegründet wurde. So grüßt uns in Bronze hier ſein Bild, und auch ſonſt zieren Büſten und Gemälde von ihm Räume der Anſtalt. So lenken wir denn naturgemäß unſere Gedanken zurück in jenes verhängnisſchwere Jahr mit den drei Achten, in das Jahr 1888.

Es ſah drei Kaiſer, aber es ſah nur Todestage von Kaiſern, nicht wie ſonſt alle Jahre zuvor den Feſttag, den Alldeutſchland freudig begeht, den Geburtstag ſeines Kaiſers.

Uaiſer Wilhelm I. ging dahin, hochbetagt. An dem Grabe eines Greiſes, der dem Maturgeſetz unterliegt, der dahinſchwindet, weil nach dem Maße aller Dinge ſeine Zeit erfüllt iſt,