Aufsatz 
Der Rochusberg bei Bingen in seiner Bedeutung für den naturgeschichtlichen Unterricht
Entstehung
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reptans) und den behaarten oder Genfer Günſel(Ajuga genevensis). Wir ſchließen die Reihe der kronblütigen zweiſamenlappigen Krautgewächſe(corollifloren Dikotylen) mit der Familie der Primelgewächſe. Die bekannteſte Vertreterin dieſer Familie, die Schlüſſelblume(Primula officinalis), in biologiſcher Hinſicht,(ähnlich wie das bereits oben erwähnte Lungenkraut) merk⸗ würdig durch das Auftreten 2er ganz verſchiedener Formen, einer kurzgriffligen und einer lang⸗ griffligen(ſogenannte Ungleichgriffligkeit, Fremdbeſtäubung bedingend), findet ſich auf dem älteren Teil des israelitiſchen Friedhofes und auf den Gaulsheimer Wieſen, während der rote und der blaue Ackergauchheil(Abagallis arvensis und coerulea) unter der Saat auf dem Rochusplateau anzu⸗ treffen ſind..

Die Reihe der calyeifloren oder kelchblütigen Dikotylen beginnen wir mit den Roſenblüt⸗ lern, zu denen die bereis erwähnten Roſen⸗ und Brombeerſträucher des Kempter Ecks und des Schar⸗ lachkopfs gehören. Von den Krautgewächſen aus dieſer Familie iſt an dem Wege vom Dollhäuschen nach der Schützenhalle ſehr häufig das Benediktenkraut oder die Nelkenwurz(Geum urbanum), deren an der Spitze hakig umgebogene Griffel nach dem Abfallen der Staubgefäße und Blumenblätter fort⸗ wachſen und dadurch dem vielfrüchtigen Blütenboden das Ausſehen eines Struwwelpeters verleihen (Verbreitung der mit hakigem Griffel verſehenen Früchtchen durch an der Pflanze vorbeiſtreifende Tiere, ähnlich wie bei Borſtendolde(Torilis anthriscus) oder Klebkraut(Galium aparine). Ferner finden ſich aus der Familie der Roſenblütler auf dem Rochusberge: die Walderdbeere(Fragaria vesca), das weiße Fingerkraut(Potentilla alba), in der Nähe des Ausſichtsturms, das Frühlings⸗, Gänſe⸗, Sil⸗ ber⸗ und kriechende Fingerkraut(Potentilla verna, anserina, argentea und reptans), die weinähn⸗ lich riechende Sumpf⸗Spierſtaude(Spiraea ulmaria), endlich auf dem Kempter Eck die knollige Spier⸗ ſtaude(Spiraea filipendula) und an dem Judenpfade der Odermennig(Agrimonia eupatoria).

Die auf dem ſteinigſten Boden gedeihenden, in ihren fleiſchigen Blättern die Bodenfeuchtigkeit wie in einem Reſervoir aufſpeichernden Dickblätter(die ebenſo wie die amerikaniſchen Kaktusge⸗ wächſe zu den ſogen. Suktulenten oder Fettpflanzen gezählt werden) ſind auf dem Rochusberge durch die grünlich⸗gelbblühende große Fetthenne(Sedum maximum), die purpurrote Fetthenue(Sedum pur- purascens), den weißen Mauerpfeffer(Sedum album), den(gelbblühenden) ſcharfen Mauerpfeffer(Se- dum acre) und die zurückgekrümmte Fetthenne oder die gelbe Tripmadam(Sedum reflexuun) vertre⸗ ten. Die Sedum⸗Arten ſind durch 5 am Grunde der 5 Fruchtknoten befindliche Nektarſchuppen aus⸗ gezeichnet.

Die Steinbrechgewächſe vertritt der gemeine oder körnige Steinbrech(Saxifraga granulata) mit rötlichen Brutknöllchen am ausdanernden Wurzelſtocke, auf dem Plateau vor der Kapelle.

Die Dolden⸗ oder Schirmblütler, die in allen Teilen und beſonders in den Strie⸗ men(Kanälchen unter der Oberfläche der Thälchen) der Teilfrüchtchen ätheriſches Oel oder Balſame enthalten und deshalb als Gewürz⸗ oder Arzneipflanzen dem Menſchen vielfach nützlich werden, zeigen in Formen und Farben keine ſo große Abwechslung wie die meiſten andern großen Familien und werden deshalb, zumal ſie nicht ganz leicht zu beſtimmen ſind, in der Schule gewöhnlich etwas ſtief⸗ mütterlich behandelt. Die Doldenblütler beſitzen auf dem Gipfel des Fruchtknotens 2 Drüſenpolſter⸗ (oberweibige Scheibe), die die Griffel tragen und reichlich Honig abſondern.

Wir finden aus dieſer Familie auf dem Rochusberg: die gemeine Männertreu(Eryngium campestre), auf der ein gelehrter Zoologe vor einigen Jahren eine giftige Spinne entdeckt haben will, auf dem Kempter Eck häufig, das ſichelblättrige Haſenohr(Bupleurum falcatum), im Steinbruch am Kempter Eck, den Paſtinak(Pastinaca sativa), die gemeine Bärenklau(Heracleum sphondylium), die wegen ihrer Größe beſonders geeignet iſt, den Bau der Umbelliferenblüte zu ſtudieren, die gemeine Bibernelle(Pimpinella saxifraga) im Steinbruch am Kempter Eck, die Borſtdolde(Torilis anthriscus) überall an den Wegen, den betäubenden Kälberkropf(Chaerophyllum temulum), die Sicheldolde(Fal- caria Ri vini) und die wilde Möhre(Daucus carota), leicht kenntlich an dem roten unfruchtbaren Blütchen in der Mitte der(ſich nach dem Verblühen wie ein Vogelneſt nach oben zuſammenſchließen⸗ den) Dolde, endlich die durch ihre Größe an Bärenklau erinnernde Hirſchwurz(Peucedanum cervaria) an dem Scharlachrondell und auf dem Kempter Eck, und an letzterem Orte deu gefärbten Seſel(Seseli coloratum). Aus der intereſſanten Familie der Krappgewächſe, zu der der ſüdeuropäiſche, aber auch⸗