Aufsatz 
Der Rochusberg bei Bingen in seiner Bedeutung für den naturgeschichtlichen Unterricht
Entstehung
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28 in Deutſchland vielfach angebaute Krapp oder die Färberröte(Rubia tinctorum) und der allbekannte Waldmeiſter(Asperula odorata), als Ausländer aber der(in Afrika heimiſche) Kaffeebaum(Coffea arabi a) und der auf den Anden Südamerikas wachſende China⸗ oder Fieberrindenbaum(Cinchona) gehören, begegnen uns auf dem Rochusberg folgende Pflanzen: die Ackerſherardie(Sherardia arvensis) und der Hügelwaldmeiſter(Asperula cynanchica), beide im Steinbruch des Kempter Ecks, ferner die (ebenſo wie die vorhergehenden Pflanzen) mit quirlſtändigen Blättern verſehenen Labkräuter, das ge⸗ meine, das klebende und das echte(Galium mollugo, aparine und verum).

Aus der Familie der Glockenblumengewächſe weiſt der Berg außer der geknäuelten, rundblättrigen und Rapunzel⸗Glockenblume(Campanula glomerata, rotundifolia Rapunculus), die durch ihre hängenden Glöckchen den Blütenſtaub vor Regen ſchützen, noch zwei hübſche Blumen auf, das Berg⸗Heilkraut(Jasione montana) und den Venusſpiegel(Specularia speculum), beide auf dem Kempter Eck. Aus der Familie der Baldriangewächſe treffen wir auf dem Scharlachkopfe das Rapünzchen oder den Feldſalat(Valerianella olitoria), deſſen blaue Blüten von Unkundigen oft mit Vergißmeinnicht verwechſelt werden, und aus der Familie der Kardengewächſe auf dem Kempter Eck die Ackerſkabioſe oder Knautie(Knautia arvensis), die in ihrer Tracht den Korbblütlern gleicht, ſich aber durch ihre 4 freien Staubgefäße von jenen unterſcheidet.

Die große Familie der Korbblütler, die uns in ihrem Blütenſtande, dem Körbchen, ein Beiſpiel einer auf Inſektenbeſtäubung abzielenden Genoſſenſchaft mit zweckmäßiger Verteilung der Lei⸗ ſtungen bietet, umfaßt mit ihren 3 Unterfamilien der Zungenblütler, Strahlblütler und Röhrenblütler auf dem Rochusberg eine ſtattliche Anzahl von Pflanzen. Es wachſen auf dem Berge von Zungen⸗ blütlern verſchiedene Arten von Habichtskraut(Hieracium) und Pippau(Crepis), der Wieſen⸗ bocksbart(Tragopogon pratensis) am Binger Hafen, der Mauerlattich(Prenanthes s. Lactuca mu- ralis), der(blaublühende) ausdauernde Lattich(Lactuca perennis) am Eiſelweg, der Giftlattich(Lac- tuca virosa), die Acker⸗ und die Gemüſe⸗Gänſediſtel(Sonchus arvensis und oleraceus), die ſchön himmelblau blühende, in manchen Gegenden Deutſchlands zur Cichorienfabrikation angebaute Cichorie oder Wegwarte(Cichorium intybus); von Strahlblütlern: Huflattich(Tussillago farfara), gemeines und Jakobs⸗Kreuzkraut(Senecio vulgaris und Jacobaea), mittlerer Alant oder Baſtard⸗ Atlant(Inula media s. salicino-germanica) auf dem Kempter Eck, Goldrute(Solidago virgaurea) im Steinbruch am Kempter Eck, kanadiſches Berufskraut(Erigeron canadensis) am Mittelpfad, Fär⸗ ber⸗Hundskamille(Anthemis tinctoria) am Eiſclweg, gemeine. edle und Bertrams⸗Schafgarbe(Achil- lea millefolium, nobilis und ptarmica), Ackerhundskamille und ſtinkende Hundskamille(Anthemis arvensis und cotula), das Gänſeblümchen oder Maßliebchen(Bellis perennis), das das ganze Jahr über blüht, Acker⸗Ringelblume(Calendula arvensis), gemeine Wucherblume oder Margaretenblume (Chrysanthemum leucanthemum,, geruchloſer Dreikantenſame oder falſche Kamille(Tripleurospermum inodorum) und echte Kamille(Matricaria chamomilla), erkennbar am hohlen Blütenboden, am Eiſel⸗ weg; von Röhrenblütlern: Eſelsdiſtel(Onopordon acanthium), nickende Diſtel(Carduus nu- tans), Ackerkratzdiſtel(Cirsium arvense), große und kleine Klette(Lappa major und minor), gemeine Eberwurz(Carlina vulgaris) im Steinbruch am Kempter Eck, gemeine und. Skabioſen⸗Flockenblume (Centaurea jacea und scabiosa), Kornblume(Centaurea cyanus), Rainfarn(Tanacetum vulgare), gemeine Peſtilenzwurz(Petasites officinalis) bei der Saam'ſchen Mühle am Fuße des Scharlachkopfs, gemeiner Beifuß(Artemisia vulgaris), endlich deutſcher Goldſchopf(Linosyris vulgaris) am Schar⸗ lachrondell..

Mit der Übergangsfamilie der Schmetterlingsblütler verlaſſen wir die kelchblüti⸗ gen Dikotylen und wenden uns zu den thalamifloren oder bodenblütigen Dikoty⸗ len. Die Schmetterlingsblütler zeigen eine vollkommene Anpaſſung an die Beſtäubung durch die Bienen. Die Fahne dient als Aushängeſchild für den im Grunde der Blüte angeſammelten Honig, das Schiffchen als Anflugsſtelle für das Inſekt, dem das im Schiffchen verborgene Staubgefäßbündel (die mit den Fäden verwachſenen Staubgefäße) beim Niederdrücken des Schiffchens wider die Unter⸗ ſeite des Körpers ſchnellt. Wir nennen von Schmetterlingsblütlern, die auf dem Rochusberge wachſen: Färberginſter und deutſchen Ginſter(Genista tinctoria und germanica), Beſenginſter(Sarothamnus vulga is), Pfeilginſter(Cytisus sagittalis) auf dem Kempter Eck, dornige Hauhechel(Ononis spino-