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der kronblütigen Dikotylen eintreten, treffen wir auf dem Rochusberg das blaublühende Sinngrün (Vinca minor), deſſen nächſter Verwandter der bekannte, aus Südeuropa ſtammende Oleander oder die Lorbeerroſe iſt. Die Familie der Boretſchgewächſe, deren Arten meiſtens trockenen, ſteinigen Boden lieben, iſt auf dem Berge vertreten durch den gebräuchlichen Beinwell(Symphytum officmale), ausgezeichnet durch ſeine als ſogen.„Saftdecke“ zum Schutze des Honigs gegen Regen und unberufene Gäſte dienenden fünf Schlundklappen, die morphologiſch ein Anhängſel der Blumenkrone darſtellen (Nebenkrone), ferner durch das gemeine Vergißmeinnicht(Myosotis stricta) mit 5 gelben Schlund⸗ klappen(Hohlſchuppen), den Ackerkrummhals(Lycopsis arvensis), die gebräuchliche Hundszunge(Cy- noglossum officinale), den gemeinen Igelſamen(Echivospermum lappula), den Natterkopf(Echium vulgare), das rot aufblühende, dann blaue Lungenkraut(Pu'monaria officinalis), deſſen blaue Farbe den Bienen das Verſiegen der Honigquelle anzeigt, endlich durch den aus Gärten verwilderten Boretſch (Borago officinalis).
Die an Gift⸗ und Heilpflanzen reiche, intereſſante Familie der Nachtſchattengewächſe zählt auf dem Rochusberg zu ihren Vertretern die Kartoffel oder den knolligen Nachtſchatten(Solanum tuberosum), angebaut auf dem Rochusplateau, das(windende, ſtrauchige) Bitterſüß(Solanum qulca- mara), mit violetten Blüten und roten Beeren, am Binger Hafen(Fuß des Kempter Ecks), die Schlutte oder Judenkirſche(Physalis alkekengi), mit ſcharlachroten Beeren in einem auſgeblaſenen, mennigro⸗ ten Kelche, am Wege vom Rochushötel nach Ockenheim, das gemeine Bilſenkraut(Hyoscyamus niger), mit trübgelben, ſchwärzlich geaderten Blüten von betäubendem Geruche und mit Kapſelfruchten, die ſich bei der Reife mit einem Deckel öffnen, endlich den Stechapfel(Datura stramonium), mit wei⸗ ßer, langtrichterförmiger Blumenkrone und ſtachliger Kapſel.
Aus der Familie der Rachenblütler führen wir an: das gelbe Löwenmaul oder den Frauenflachs(Linaria vulgaris), am Mittelpfade wachſend, mit ſchiefer Honigſcheibe, die den Stempel trägt und reichlich Nektar abſondert, der in einer Rinne in den Sporn der Blumenkrone fließt, welch' letztere durch den orangegelb gefärbten Gaumen der Unterlippe(Saftmal!) feſt verſchloſſen wird und deshalb nur ſtärkeren, langrüſſeligen Inſekten zugänglich iſt, ferner die gemeine Braunwurz(Scrophularia nodosa), im Hungerborn vorkommend, ſodann den dreifingerigen, den epheublättrigen und den Gaman⸗ der⸗Ehrenpreis(Veronica triphyllcs, hederifolia, chamaedrys). Aus der mit den Rachenblütlern eng verwandten Familie der Larvenblütler erwähnen wir: den gebräuchlichen Augentroſt (Euphrasia officinalis), im Steinbruch des Kempter Ecks, den Wieſenwachtelweizen(Melampyrum pratense), überall hänfig auf dem Waldboden, und den ſchön rot und gelb gefärbten Ackerwachtel⸗ weizen(Melampyrum arvense), unter der Saat auf dem Rochusplateau. Die den beiden vor⸗ hergehenden Familien naheſtehende Familie der Lippenblütler iſt auf dem Rochusberge zahl⸗ reich vertreten. Die Blüten der Lippenblütler beſitzen meiſt eine helmförmige Oberlippe, die eine Art Schutzdach für die Staubgefäße und das Nektarium darſtellt, und eine flache Unterlippe, die den Bienen als Anflugsſtelle dient und meiſt mit einem ſogenannten Saftmal verſehen iſt, das aus Flecken, Punkten und Strichen beſteht, die alle nach einem Punkte in der Richtung des Nektariums zuſammen laufen. Wir nennen den gemeinen Doſten(Origanum vulgare), im Steinbruch des Kemp⸗ ter Ecks, den Quendel oder Feldthymian(Thymus Serpyllum), am Dollhäuschen, die großblumige Brunelle(Prunella grandiflora), auf dem Kempter Eck, das gemeine Helmkraut(Scutellaria gale- riculata), am Binger Hafen, die Gundelrebe(Glechoma hederacea), die weiße, rote, ſtengelumfaſſende und gefleckte Taubneſſel(Lamium album, purpureum amplexicaule, maculatum) und die Goldneſſel (Galeobdolon luteum), den Ackerhohlzahn(Galeopsis ladanum), in den Weinbergen der Eiſel, den gemei⸗ nen Hohlzahn(Galeopsis tetrahit) im Walde des Scharlachkopfs, ebendaſelbſt die Betonie(Betonica officinalis) und den Waldzieſt(Stachys sylvatica), den Bergzieſt(Stachys recta) im Steinbruch des Kempter Ecks, die ſchwarze Ballote(Ballota nigra), am Kuhweg, den Wieſenſalbei(Salvia pratensis), ausgezeichnet durch die merkwürdige, ſchlagbaumähnliche Form der Staubgefäße, deren fruchtbare Staubbeu⸗ telhälfte dem die Blüte beſuchenden Inſekt auf den Rücken ſchlägt, das Scharlachkraut(Salvia sclarea), angepflanzt und verwildert am Südabhange des Scharlachkopfs bei Büdesheim, den(grünlichweißen) ſal⸗ beiblättrigen und den(roten) gemeinen Gamander(Teucrium scorodonia und chamaedrys), beide aus⸗ gezeichnet durch die fehlende Oberlippe, auf dem Kempter Eck, endlich den kriechenden Günſel(Ajuga


