Aufsatz 
Der Rochusberg bei Bingen in seiner Bedeutung für den naturgeschichtlichen Unterricht
Entstehung
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) ſtadt, Mainz oder Ingelheim zu Dünen in der Rheinebene aufgehäuft, teils als ſogenannter Löß auf die niedrigen, der Rheinebene benachbarten Hügel fortgeweht. Der Löß), ein für die oberrheiniſche⸗ Tiefebene charakteriſtiſcher, hellgelber, ſandiger und kalkhaltiger Lehm beſteht aus 5060% ſehr fei⸗ nem Quarzſande, 10% Thonerde(in Form von Kaolinflimmerchen und Glimmerſchüppchen) und 20- bis 25% kohlenſaurem Kalk(wovon 25% kohlenſaure Magneſia) in Geſtalt von ſehr feinen Röhr⸗ chen, Stückchen und Knötchen.

Der Löß breitet ſich in Rheinheſſen über die tertiären Stufen des Mainzer Beckens oft in einer Mächtigkeit bis zu 10 und 12 m. aus. Uferſchwalben und Grabweſpen bauen mit Vorliebe ihre Neſter in die Lößwände. Am Südoſtabhange des Kempter Ecks, in der ſogenannten Kempter Hohl, kann man den Löß ſehr ſchön beobachten.

Die in hiſtoriſchen Zeiten geſchehenen und ebenſo die vor unſeren Augen heute noch vor ſich⸗ gehenden Veränderungen der Erdoberfläche rechnet man zu dem ſogenannten Alluvium. Alluviale Bildungen im Gebiete des Rochusberges ſind die Nahemündung(Grün und Bleiche) ſowie die Gauls⸗ heimer Wieſen. Auch die beiden Rheinauen in der Nähe des Kempter Ecks, die Rüdesheimer Au und die ein Stück weiter ſtromaufwärts gelegene Ilmenau, gehören dem Alluvium an. Als Alluvium der Gehänge bezeichnet man die durch Verwitterung der anſtehenden Geſteine entſtandene und vom Regen angeſchwemmte Erde des Nordweſt⸗ und des Südoſtabhanges des Rochusberges.

Daß der Rochusberg, wie jeder andere Berg, auch Quellen das Leben gibt, iſt ſelbſtverſtänd⸗ lich. In erſter Linie iſt hier die Quelle des(gegenüber der Villa Eden an der Mainzer Chauſſee gelegenen) ſogen. Drais⸗(Druſus⸗-)Brunnens zu nennen. Ein von den Römern angelegter(den Über⸗ reſt einer römiſchen Waſſerleitung bildender) 1,25 m. breiter und über 2 m. hoher Gang, deſſen Sei⸗ tenwände und Boden aus Beton oder Gußmauerwerk beſtehen(zu dem bereits Bingerbrücker Devon⸗ kalk verwendet wurde?), führt von dem Draisbrunnen 150 m. weit in den Berg hinein**). Außer dem Draisbrunnen verſorgt die Quelle auch den Marktbrunnen, die Brunnen am Hoſpital, am Pfarrgarten und auf dem Freidhof, ferner die Leitung in der Wohnung des Realſchulpedellen mit Waſſer*).

Das ſteinige, wenig fruchtsare Plateau des Rochusberges iſt mit Ausnahme der beiden Endpunkte, des Scharlachkopfs und des Kempter Ecks, von Wald entblößt. Stellenweiſe liegt es ganz brach, an andren Stellen, in der Nähe der Schützenhalle und des Rochushötels, werden Kartoffeln und mageres Korn gebaut. Am oberen Rand des Nordweſtabhanges zieht, am Kempter Eck und am Scharlachkopf auf die Südoſtſeite übergreifend, der Waldgürtel hin, nach unten in das Geſtrüppe der Hiſſeln übergehend. Unter den Hiſſeln liegen die Weinberge der Binger Gemarkunge***) mit den Wein⸗ bergslagen desMainzerwegs im Oſten und derEiſel im Weſten. Auf dem Sidoſtabhange des Berges ziehen die Weinberge bis auf das Plateau hinauf, in der Gemarkung Büdesheim den be⸗ rühmtenScharlachberger und in der Gemarkung Kempten den nicht minder trefflichen, aber weniger bekanntenKempterberger liefernd.

Unter den Waldbäumen des Rochusberges herrſcht die Eiche(mit ihren beiden deutſchen Ar⸗ ten: Stiel⸗ oder Sommereiche(Quercus pedunculata) mit langgeſtielten Früchten und Trauben⸗ oder Wintereiche(Quercus sessiliflora) mit beinahe ſitzenden Früchten) vor.

Nächſt der Eiche iſt der häufigſte Laubbaum die Weißbuche oder Hainbuche(Carpinus be- tulas), durch ihre geſägten Blätter ausgezeichnet. Wo der Boden an verwitterter Erde ärmer iſt und die Quarzite zu Tage treten, da gedeiht nur noch die genügſame Kiefer(Pinus sylvestris) an ihren langen, paarweiſe ſtehenden Nadeln leicht kenntlich. Sie bildet einzelne kleine Beſtände in dem Eichwald und am Kempter Eck ein kleines Wäldchen. Vereinzelt finden wir in dem Walde einge⸗ ſprengt die Rotbuche(Fagus sylvatica) mit ganzrandigen Blättern, die Birke(Betula alba) mit weißleuchtender Rinde, den Elsbeerbaum(Sorbus torminalis) mit gelbbraunen Apfelfrüchtchen, auch (ſelten) die amerikaniſche Eiche, mit ſpitzzackigen, an Ahorn erinnernden Blättern. Häufiger begegnen Der Löß ſirdet ſich beiſpielsweiſe auch in ungeheuerer Ausrehnung in China.

**) Die Längt des ganzen Kanals im Berge beträgt jetzt etwa 365 m.

***) Die 1891 angelegte ſtädtiſche Waſſerl itung entnimmt ihr Waſſer aus 2 Brunnen, die ſich auf der Bleiche(Nahe⸗ mündung) befinden und tiefer gehen als die Rheinſohle.

*) Die Binger Gemarkung umfaßt 410,49 ha.; darunter 151,65 ha. Weinberge, 43,27 ha. Wald(Rochusberg) und 34,88 ha. Ackerfeld.