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meraten und Leitfoſſilien iſt in einer Sandkaute, am Weinbergsweg vom Scharlachrondell nach Büdes⸗ heim, aufgeſchloſſen. In dieſem Meeresſande des Scharlachkopfes liegt auch eine 1,5 m. mächtige Kalkbank, deren harte Breccien weſentlich aus Bryozoen und Kalkalgen gebildet wurden. Der Ter⸗ tiärformation, und zwar dem Oberpliocän, gehören aber auch die Konglomerate an, die ſich, zum Teil von gewaltiger Größe, am Rheinabhang des Kempter Ecks vom Binger Hafen an bis in den Stein⸗ bruch heraufziehen, und in der Hauptſache aus Quarzitſtücken beſtehen, die durch ein kieſeliges(aus heißen kieſelſäurehaltigen Quellen abgeſchiedenes) Bindemittel verkittet ſind. Goethe, dem dieſe Blöcke bei ſeinem oben erwähnten Beſuche des Rochusfeſtes ſofort in das Auge fielen, ſagt von ihnen:„Aus⸗ geſtiegen bemerken wir ſogleich mit geologiſcher Vorliebe am Fuße des Hügels wunderſame Felſen. Der Naturforſcher wird von dem heiligen Pfade zurückgehalten. Glücklicherweiſe iſt ein Hammer bei der Hand. Da findet ſich ein Konglomerat, der größten Auſmerkſamkeit würdig. Ein im Augenblicke des Werdens zertrümmertes Quarzgeſtein, die Trümmer ſcharfkantig, durch Quarzmaſſe wieder ver⸗ bunden. Ungeheure Feſtigkeit hindert uns, mehr als kleine Bröckchen zu gewinnen. Möge bald ein reiſender Naturforſcher dieſe Felſen näher unterſuchen, ihr Verhältnis zu den älteren Gebirgsmaſſen unterwärts beſtimmen, mir davon gefälligſt Nachricht nebſt einigen belehrenden Muſterſtücken zukommen laſſen! Dankbar würde ich es erkennen.“ Erwähnenswert iſt ferner, daß ſich im Rochusberg auch ein, allerdings jetzt verſchütteter Baſaltgang findet. Der Baſalt, dieſes bekannte tertiäre Ergußgeſtein, wurde vor ca. 50 Jahren am Rochusweg, unterhalb des Fichtenwäldchens, gebrochen.
Durch die Auffaltung des Juragebirges wurde der tertiäre oberrheiniſche Meeresarm von der Tiefſchweiz abgeſchnürt, während er wahrſcheinlich nach Norden zu noch längere Zeit mit dem Meere der norddeutſchen Tiefebene im Zuſammenhang blieb. Durch Ströme, die ſich in das Seebecken er⸗ goſſen, wurde das Waſſer desſelben zuerſt brackiſch, um zuletzt ſüß zu werden. Erſt zu Beginn der Diluvialzeit wurde der Rhein geboren und bahnte ſich durch den Querriegel des Jura ſeinen Weg zum See, der jetzt zum Binnenſee geworden war und, von Baſel bis Mainz reichend, ſich faſt ganz auf die rechte Seite des heutigen Rheinbettes zurückgezogen hatte. Der Rhein entſtrömte, ein bedeutend breiterer Strom als heute, wie dies die diluvialen Sande und Schotter zwiſchen Mainz und Bingen darthun, dem diluvialen Rheinſee in der Gegend von Mainz und ſchaffte ſich einen Abfluß an der Nord⸗ weſtecke des rheinheſſiſchen Tertiärplateau’'s, bei Bingen, indem er die harten Taunusquarzite durchſchnitt.
Die gewaltige Eroſionsarbeit am Binger Loche konnte dem Rheine nur gelingen, weil er da⸗ mals, in der älteren Diluvialzeit, in einem bedeutend höheren Niveau floß wie jetzt, und weil bei der nun erfolgenden allmählichen Tieferſenkung der Tertiärſchichten am Südrande des Taunus und bei der gleichzeitigen langſamen Hebung des Schiefergebirges der Rhein ſein Bett in die Quarzite des Binger Loches immer tiefer ſägen mußte. In der altdiluvalen Zeit trat der Rochusberg als Berg gegen das rheinheſſiſche Tertiärplateau noch nicht hervor, weil letzteres in derſelben Höhe mit ihm lag. Der Rhein floß damals über den Rochusberg weg, als untrügliche Zeugen ſeines früheren Laufes di⸗ luviale Schotterterraſſen auf der Mitte des Rochusberges und auf dem Münſterer Kopfe zurücklaſſend. In ähnlicher Weiſe, wie der Durchbruch des Rheines durch das Binger Loch, vollzog ſich der jüngere Durch⸗ bruch der Nahe durch die Quarzite des Scharlachkopfes und des Haſſenkopfes(Münſterer Kopfes). Wären die Höhenverhältniſſe damals dieſelben geweſen wie heute, ſo hätte die Nahe nicht 170 m. tief die Quarzite des Rochusberges durchſägt, ſondern wäre durch die nur 30 m. über dem heutigen Rheinſpiegel liegenden weichen tertiären Mergel bei Ockenheim(die jetzige Waſſerſcheide zwiſchen Nahe und Rhein) öſtlich um den Rochusberg herumgefloſſen).
Durch die von ſeinem Oberlauf aus der Schweiz mitgeführten Sand⸗ und Schuttmaſſen mußte der Rhein, unterſtützt von Neckar und Main, ſein Delta von Baſel an immer weiter nordwärts in den See vorbauen und dieſen ſchließlich zuſchlämmen, ſodaß nur in der Mitte ein ſchmaler Fußlauf, das heutige Rheinbett, übrig blieb.
In den nun folgenden jungdiluvialen Zeiten“*) wurden vom Winde die feinſten Teilchen des vom Rheine früher abgeſetzten, mit zerriebenen Muſchelſchalen gemengten Sandes, teils wie bei Darm⸗
*) Lepſius, Geologie von Deutſchland I, S. 219.
**) Der Löß fällt zwiſchen die mittlere(Haupt⸗) Eiszeit und die letzte(jüngſte) Eiszeſt. Lepſius fand auf dem Niederwald bei Rüdesheim Reſte von Moränen der Haupteiszeit.


