Aufsatz 
Der Rochusberg bei Bingen in seiner Bedeutung für den naturgeschichtlichen Unterricht
Entstehung
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und an der Durchbruchsſtelle des Rheines und der Nahe bei Bingen ſetzt ſich das Geſtein nur aus den beiden unterſten Stufen des Unter⸗Devons, aus den Taunusphylliten und den Taunusquarziten, zuſammen. Aus dieſen beiden Geſteinen beſteht demnach auch unſer Rochusberg). Die Phyllite bil⸗ den den Abhang des Rochusberges nach Bingen hin und treten da zu Tage, wo die rotbraune, ſandig⸗ lehmige Verwitterungsſchicht entfernt worden iſt, wie man dies z. B. an den Bauplätzen derMa⸗ riahilf oder der Schloßberggaſſe beobachten kann. Oſtlich von der Villa Eden, an der Mainzer Chauſſee ragt ein Phyllitfels aus den Weinbergen auf. Die Taunusphyllite gehören zu den ſogen. Thonſchiefern, unterſcheiden ſich aber von den gewöhnlichen Thonſchiefern(z. B. von den ſogen. Huns⸗ rückſchiefern, wie ſie in den Schiefergruben bei Kaub, Bacharach oder im Wisperthal gewonnen wer⸗ den) durch ihren ſtarken Seidenglanz, der durch die Anweſenheit zahlreicher Schüppchen von Sericit, einem wahrſcheinlich mit dem Kali⸗Glimmer(Muscovit) identiſchen Glimmer, bedingt iſt. Die Farbe der Phylllite iſt eine ſehr wechſelnde, weiß, grün, rot, violett. Die Phyllite enthalten 55 60% Kie⸗ ſelſäure und 15% Thonerde. Beim Verwittern liefern ſie eine fruchtbare, lehmige Erde, auf der der Weinſtock üppig gedeiht. Die Phyllite bilden die unterſte Stufe des Unter⸗Devons. Auf ſie folgen als nächſthöhere Stufe die Taunusquarzite. Die Taunusquarzite durchziehen den Rochusberg vom Kempter Eck bis zum Scharlachkopfe und bilden den Rücken(das Plateau) des Berges. Die Taunus⸗ quarzite werden hier zu Lande gewöhnlich als Bruchſteine bezeichnet. Aus ihnen wurden die Rochus⸗ kapelle und der Turm auf dem Scharlachkopfe gebaut. Der große Steinbruch am Kempter Eck iſt zwar ſeit mehreren Dezennien außer Betrieb. Es wurden aber an verſchiedenen Stellen des Plateaus kleinere Brüche angelegt, die ſpäter wieder zugeſchüttet wurden oder noch werden. Die Taunusquar⸗ zite ſind von Farbe weiß, grau, rot, rötlich oder grünlich. Sie laufen an der Luft gern eiſenroſtig an, indem ſich das in ihnen enthaltene Eiſenoxydul in Eiſenoxyd verwandelt. Beim Verwittern liefern ſie eine rote Erde, die der Winzer durch Schiefer, der in die Weinberge geſchafft wird, verbeſſert, und die dem Scharlachkopfe ſeinen Namen gegeben hat. Die Quarzite beſtehen aus einem außerordentlich feſtgefügten und mit kieſeligem, ſeltener thonigem Bindemittel verkitteten Gemenge vou zerbrochenen Quarzkörnchen, denen in geringer Menge andere klaſtiſche(durch Zertrümmerung älterer Geſteinsmaſſen entſtandene) Beſtandteile, beſonders Thon und Thonſchiefer, Eiſenoxyd, Glimmerſchüppchen, Feldſpat⸗ körner beigemiſcht ſind. Durch Schieferung und Anhäufung von Glimmer oder Sericit gehen die Quarzite häufig in die Phyllite über. Entſtanden iſt das ganze niederrheiniſche Schiefergebirge, alſo auch der Rochusberg, aus Sedimenten(Abſätzen) des Grauwackenmeeres. Erſt in der jüngeren Stein⸗ kohlenzeit(Oberkarbon oder produktive Steinkohle) ſtieg das Devongebiet aus dem Meere und wurde zum Kontinent, an deſſen Küſten ſich im Norden(Belgien und Ruhr) und im Südweſten(Saar⸗Nahe⸗ gebiet) die produktiven(kohleführenden) Schichten aus dem Steinkohlenmeer niederſchlugen. Gleich⸗ zeitig wurde jetzt durch ſeitliche Druckkräfte der anfangs horizontale Kontinent zu einem Kammgebirge aufgefaltet. Während der nun folgenden älteren Dyaszeit wurden durch Eroſion und Denudation (Auswaſchung und Abnagung durch fließendes Waſſer und Regen) die jüngeren Devonſchichten des Taunus und Hunsrücks wieder weggeſchwemmt, ſo daß die älteren Schichten entblößt wurden und das Gebirg mehr den Charakter eines Plateaus annahm. Während der jüngeren Dyas begannen Taunus und Hunsrück ſich zu ſenken und verſchwanden wieder unter der Meeresoberfläche, unter der ſie auch während der Trias⸗ und Jurazeit blieben, um erſt am Ende der Jurazeit aufs neue aufzutauchen. Zur Kreidezeit war das ganze Schiefergebirg wieder Feſtland und unterlag wieder der Eroſion und Denudation durch Flüſſe und Regen. Als zur Zeit des Mitteloligocäns(der älteren Tertiärzeit an⸗ gehörig) der große Grabeneinbruch der oberrheiniſchen Tiefebene erfolgte, drang das Tertiärmeer ent⸗ weder aus der norddeutſchen Tiefebene oder aus der Hügelſchweiz in die neu gebildete oberrheiniſche Tiefebene ein und verwandelte dieſe dadurch in einen Meeresarm(Mainzer Becken), deſſen Wogen den Südrand des Taunus und Hunsrücks und des damals noch mit jenen verbundenen Rochusberges beſpülten. Ablagerungen aus dieſem Tertiärmeer(Meeresſand und Septarienthon) lie⸗ gen, größtenteils von diluvialen Schichten überdeckt, auf dem Südabhange des Rochusberges nach Büdes⸗ heim und Ockenheim zu. Der tertiäre Meeresſand(auch Alzeyer Meeresſand genannt) mit Konglo⸗

*) Seltſamerweiſe behauptet Auguſt Ammann(Der Rochusberg bei Bingen a/Rh, Verlag von Alexander Koch, Darmſtadt), der Rochusberg beſtehe ebenſo wie der Hunsrück, ausPorphyrſchichten.(a. a. 0. S. 21.)