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zu beleuchten. Eine wiſſenſchaftliche Vollſtändigkeit bezüglich der Flora oder gar Fauna des Rochus⸗ berges wird dabei nicht beabſichtigt. ** *
„Von Bingen heraufwärts“, ſo ſchreibt Goethe in ſeinem bekannten Aufſatze:„St. Rochus⸗ feſt zu Bingen. Am 16. Auguſt 1814“,„erſtreckt ſich nahe am Strom ein Hügel gegen das obere flache Land; er läßt ſich als Vorgebirg in den alten höheren Waſſern denken“. Dieſer Hügel iſt der Rochusberg. In früheren Zeiten führte er den Namen Heſſelberg, das bedeutet Haſelberg. Noch jetzt führt das auf der Nordſeite des Berges gelegene Geſtrüppe zwiſchen den Weinbergen und dem Walde im Volksmunde den Namen„die Hiſſeln“,*) obwohl ſich verhältnismäßig wenig Haſelſträucher darunter befinden. Seinen heutigen Namen erhielt der Berg, als auf ſeinem öſtlichen Teil im Jahre 1666, zu welcher Zeit eine furchtbare Peſt in Bingen wütete, zu einer Kapelle zu Ehren des heiligen Rochus, eines der 14 Nothelfer, der Grundſtein gelegt wurde.(Die jetzige St. Rochuskapelle, deren feierliche Einweihung in dieſem Jahre begangen werden ſoll, iſt bereits die dritte auf dem Berge er⸗ baute Kapelle. Die erſte Kapelle wurde in den Stürmen der franzöſiſchen Revolutionskriege 1795 zerſtört, die zweite, deren Einweihung Goethe 1814 beiwohnte, am 12. Juli 1889 durch den Blitz eingeäſchert. Die neue St. Rochuskapelle“*), eine Perle der Gothik, wurde durch den Architekten Herrn Max Meckel aus Frankfurt a. M., jetzt in Freiburg i. Br., erbaut.)
Der Rochusberg liegt in dem öſtlichen Winkel, den die Nahe mit dem Rheine bildet. Er erſtreckt ſich in einer Länge von etwa 3 km.(unter ungefähr 50° nördlicher Breite und 80 öſtlicher Länge von Greenwich) von Südweſten nach Nordoſten und bildet die Hypotenuſe eines rechtwinkligen Dreiecks, deſſen Katheten Rhein und Nahe darſtellen. Von dem jenſeits des Rheines gelegenen Aus⸗ ſichtsturm, der ſogen. Roſſel***)(343 m. über N. N., 268 m. über dem Rheine gelegen) geſehen, gleicht der Rochusberg einem ungeheueren, mit ſeiner unteren Hälfte in die Erde verſenkten Sarge, deſſen höheres und breiteres Kopfende, der Scharlachkopf, im Südweſten ſteil zur Nahe abfällt, während das ſchmälere, tiefer gelegene Fußende, das Kempter Eckeer), beinahe ebenſo ſteil zur oberrheiniſchen Tief⸗ ebene ſich hinabſenkt. Die Höhe des Rochusberges beträgt am Scharlachkopfe 248 m. über dem Meere oder 171 m. über dem Spiegel des Rheines, an der Rochuskapelle dagegen(Nähe des Oſt⸗ endes) nur noch 190 m. über dem Meere oder 113 m. über dem Rheinſpiegel. Der Höhe nach ge⸗ hört alſo der Scharlachberg zum Hochland(beziehungsweiſe Hügelland), das Kempter Eck zum Tief⸗ land, wenn man dem gewöhnlichen Brauche nach als Grenze zwiſchen Tiefland und Hochland die Höhe von 200 m. über dem Meeresſpiegel annimmt. Der Rochusberg bildet ein Maſſengebirg im Kleinen, deſſen Rücken vom Scharlachkopf bis zum Kempter Eck ein einziges nach N. O. allmählich ſich ſenkendes Plateau darſtellt. Der Nordweſtabhang des Berges fällt nach dem Rheine und der Nahe zu ſteil ab, der Südoſtabhang beſitzt an ſeinem ſüdweſtlichen Ende, dem Scharlachkopfe, zwar ebenfalls einen ſteilen Abfall nach dem Dorfe Büdesheim zu, geht jedoch an ſeinem nordöſtlichen Ende, dem Kempter Eck, mit ſanfter Böſchung, in der Richtung auf das Dorf Ockenheim zu, unmerklich in das rheinheſſiſche Hügelland über.
Zwiſchen dem Nordweſtabhange des Rochusberges und der Nahemündung erhebt ſich eine kleine Vorhöhe, der Schloßberg(128 m. über dem Meere), auf deſſen Rücken ſchon von dem Römer Druſus ein befeſtigtes, aber in den Stürmen der Völkerwanderung von den Allemannen zerſtörtes Ka⸗ ſtell angelegt worden war, an deſſen Stelle ſich ſpäter eine ſtarke Burg, Klopp genannt, erhob, die (ſchon früher mehrmals zerſtört, z. B. von den Franzoſen 1689), 1713 auf Befehl des Mainzer Dom⸗ kapitels niedergeriſſen wurde, um erſt in neueſter Zeit durch Privatmittel wieder neu aufgebaut zu werden. Um den Schloßberg herum liegen in einem rechten Winkel, deſſen Spitze die Nahemündung(die Bleiche) bildet, die Häuſer der Stadt Bingen.
*) Der Name„Hiſſeln“ wird mitunter auch für den ganzen Wald auf dem Rochusberg gebraucht. **) Die Steine zu der Kapelle wurden auf dem Berge ſelbſt gebrochen, ſie gehören zu den ſogen. Taunusquarziten. Der Turm, die Fenßer, die Säulen des Oſtaltars und das Hauptportal beſtehen aus rotem Buntſandſtein vom Main. ***) Roſſel bedeutet Steingerölle. 1. 3 *r*n)] Kempten— Caput montium(Bergkopf), Dorf am Fuße des Rochusberges mit maleriſch gelegener Kirche.


