1
durch die beiden Pole geht, so durchschneidet sie das ganze Himmelsgewölbe in eine vordere oder südliche und eine hintere oder nördliche Hälſte. Der Durchschnitt bildet den sechsten Stundenkreis. Ihre südliche Fläche kann also nur von des Morgens 6 Uhr bis des Abends 6 Uhr von der Sonne beleuchtet werden, welche in diesen Mo- menten genau in der Erweiterung dieser Ebene steht, und der mit der Ebene parallel liegende Zeiger wird alsdann seinen Schatten parallel derselben ins Unendliche werfen. Auch bei ihr muss man sich eine um den Zeiger als Mittelpunct vollständig fertig con- struirte Aequinoctialuhr vorstellen, deren Tangente, wenn der Abstand des Zeigers von der Uhrfläche als Radius angenommen wird, ganz in dieselbe fallen muss. Die Fläche der Aequinoctialuhr wird also unsere Polaruhr in einer mit dem Horizonte paralle- len Richtung durchschneiden, da der Meridian auf ihr wie auf dem Horizonte recht- winklig steht. Man zieht daher auf der zur Polaruhr bestimmten Fläche eine genau horizontale Linie, legt eine zweite rechtwinklig durch sie, welche also die Mittagslinie des Ortes ist, befestigt über dieser letzteren in angemessener Entfernung den Zeiger und trägt von dem Durchschnittspuncte der beiden Linien auf der horizontalen die für die gewählte Entfernung des Zeigers= 1 berechneten Tangenten der Aequinoccial- uhr nach beiden Seiten hin ab. Durch die so gefundenen Stundenpuncte zieht man parallel mit der Projection des Zeigers(der Mittagslinie) die einzelnen Stundenlinien und versieht sie mit den Zahlen für die betreffenden Stunden.
Da die Sonne nur ein halbes Jahr lang auf einer Seite des Aequators steht, so muss die Uhrfläche der Aequinoctialuhr eine so freie Lage haben, dass, wenn sie für das ganze Jahr brauchbar sein soll, auch ihre untere Fläche von den Sonnenstrahlen getroffen werden kann. Man unterscheidet daher bei ihr eine obere, bei uns der Nordhälfte des Himmels zugekehrte und eine untere, jener entgegengesetzte Seite. Die Construction sowie die Stellung des Zeigers ist auf beiden Seiten ganz dieselbe. Auch bei der Polaruhr macht man die gleiche Unterscheidung in eine obere und untere Uhrfläche, nur dass hier die obere nach der Südseite des Himmels, die untere hingegen nach der Nordseite desselben gekehrt ist. Wie bei der Aequatoruhr die obere Fläche ein halbes Jahr lang, so kann bei der Polaruhr dieselbe Fläche nur einen halben Tag lang von der Sonne beschienen werden. Will man also auch dieser Uhr eine solche Einrichtung geben, dass sie die Stunden vor 6 Uhr Mor- gens und nach 6 Uhr Abends noch zeigt, so muss man auf ihrer Rückseite ganz die- selbe Construction wiederholen, wie auf ihrer Vorderseite und auch den Zeiger genau eben so befestigen. Da somit der untere Zeiger ebenfalls in der Ebene des Meri- dians liegt, so würde sein Schatten, wenn er mit der Mittagslinie zusammenfallen könnte, die zwölfte Stunde der Nacht, also wahre Mitternacht, angeben. Zu beiden Seiten dieser Richtung müssen die Stunden von 7 Uhr Abends bis 5 Uhr Morgens ganz eben so liegen, wie auf der oberen Fläche. Da in unsern Breiten(50⁰) der halbe


