Aufsatz 
Die Correctur sämmtlicher Hefte durch den Lehrer ist nutzlos : Versuch einer psychologischen Begründung dieser Behauptung / [Dute]
Entstehung
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zahl, die ein jeder Schüler dazu braucht; desgleichen laſſe ich die Minutenzahl bemerken, die Jeder zu einem Extemporale von wenigen Sätzen nöthig hat..

So werden ſich bei reiflicher Ueberlegung noch mancherlei andere Wege auffinden laſſen.

Wer aber bei dieſen Vorſchlägen vielleicht in ein bedenkliches Kopfſchütteln ausbrechen ſollte, für ihn noch folgende Bemerkungen.

Der Grundſatzdebetur puero reverentia findet nicht nur auf die ſchriftlichen ſondern auch auf die mündlichen Aufgaben ſeine Anwendung. Wer alſo aus ihm die Correctur aller Hefte folgert, der hat auch

1) ſämmtliche Schüler das ganze aufgegebene Lied oder Gedicht oder alle Sprüche abzuhören;

2) die ſämmtlichen Präparationen zum Cornel vor dem Ueberſetzen durchzuſehen;

3) ſämmtliche Schüler das ganze aufgegebene Capitel überſetzen zu laſſen.

4) Ja er muß auch vom Schreib⸗ und Zeichenlehrer verlangen, daß er zu Haus die Fehler anmerke und ſolche in der nächſten Stunde verbeſſern laſſe, denn ein Minimum von Nutzen wird auch dadurch für den Schreib⸗ und Zeichenunterricht noch zu gewinnen ſein.

Wer möchte denn ſolche Conſequenzen ziehen? Den Grundſatz mit ſolcher Folgerung aber nur auf die Correctur der ſchriftlichen Arbeiten zu beſchränken, iſt unwiſſenſchaftliche Willkür.

Oder hat etwa der Lehrer, der nur in jeder Stunde 3 Schüler das Gedicht abhört, kein Urtheil über das gute und ſchlechte Gedächtniß ſeiner Schüler und über den Fleiß, den jeder auf's Memo⸗ riren verwendet? Müſſen nicht die überwiegend meiſten Schüler ſich beſcheiden, wenn auch diesmal ihr Fleiß nicht zur Anerkennung kommen konnte? Und lernen ſie etwa deshalb das drittemal ihre Aufgabe ſchlechter, weil ſie zweimal nicht überhört worden ſind?

Daher braucht die Furcht wirklich nicht ſo groß zu ſein, daß die Schüler ihre Arbeiten ſchlechter anfertigen würden, wenn der Lehrer ſich mit der Correctur nicht mehr ſoliebevoll abquäle.

Die Schüler werden es ſicher bald inne werden, ob der Lehrer ſich's angelegen ſein läßt, ihre Kenntniſſe zu vermehren, ob er die richtigen Mittel dazu überlegt oder nicht, und im letztern Fall dürfte der ſittliche Einfluß noch ſo ſorgfältiger Correctur doch gleich Null ſein.

Somit dürften wir auch die Nothwendigkeit der Correctur ſämmtlicher Hefte durch den Lehrer aus ethiſchen Gründen als unbegründet zurückweiſen.

Wohl aber verdient auf den Zuwachs an körperlicher und geiſtiger Friſche noch hingewieſen zu werden, der aus dem Wegfall der Correctur dem Lehrer erwächſt, und welcher der Schule beim mündlichen Unterricht zu Gute kommt. Eine weitere Erörterung hierüber iſt, denke ich, überflüſſig.

Das Reſultat aus vorſtehender Unterſuchung muß alſo dahin lauten:

1) Die Correctur ſämmtlicher Hefte durch den Lehrer iſt nicht nothwendig für den Schüler zur Erreichung des Lehrziels.

2) Dieſelbe iſt ebenſo wenig erforderlich für den Lehrer zur Beurtheilung der Leiſtungsfähigkeit ſeiner Schüler.

3) Es läßt ſich auch kein ethiſcher Grund dafür beibringen.

4) Wohl aber gewinnt der Lehrer durch Aufhebung der Correctur erheblich an körperlicher und geiſtiger Friſche, die dem mündlichen Unterricht zu Gute kommt.

Daher iſt die Methode der Correctur ſämmtlicher Hefte durch den Lehrer nutzlos, der auf der ſchleſſiſchen Conferenz aufgeſtellte GrundKeine ſchriftlichen Arbeiten ohne Correctur mithin unge⸗

rechtfertigt, und hinſichtlich der Verordnung vom 24. Octbr. 1837, welche die Correctur ſämmtlicher 3*