Aufsatz 
Die Correctur sämmtlicher Hefte durch den Lehrer ist nutzlos : Versuch einer psychologischen Begründung dieser Behauptung / [Dute]
Entstehung
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3) Die Intenſität dieſer Gehörsvorſtellungen wird ſehr beeinträchtigt durch die Beſprechung der vielen andern heterogenen Fehler, die insgeſammt als Hemmungsſumme zu betrachten ſind. 4) Es fehlt endlich die Hilfe der Complication.

Es geht daraus hervor, daß die Beſprechung der ſämmtlichen Fehler nur einen ſehr kleinen Procentſatz zur Einprägung der Regel liefern kann*).

Dieſer winzige Beitrag wäre durch einige weitere mündliche Uebungen reichlich aufzuwiegen, die nicht den zehnten Theil der für Beſprechung der Correctur feſtgeſetzten Zeit in Anſpruch nähme. Sagt man aber, die Beſprechung der Correctur ſolle zugleich eine wöchentliche Repetition ſein, ſo iſt darauf zu erwiedern:

1) Eine ſolche planloſe zum großen Theil durch Trägheit und Leichtſinn der Schüler dem Unter⸗ terricht aufgenöthigte Repetition iſt nutzlos(cf.§. 6) und

2) zu einer wirklich rationellen Repetition braucht man keine Correctur Seitens des Lehrers als Unterlage.

Man kann aber einen viel größern Beitrag zur Befeſtigung der Regel aus der Beſprechung der ſchriftlichen Arbeiten erhalten, und damit eine viel wirkſamere Repetition verbinden, ohne den Lehrer mit Correcturen zu belaſten, durch folgendes Verfahren:

¹) Der Lehrer läßt durch einen der Schüler, deſſen Heft zu dieſem Zweck corrigirt wird, das fehlerfreie Exercitium Satz für Satz an die Tafel ſchreiben, und dann laut ableſen.

2) Jeder Schüler hat ſein Heft vor ſich liegen und unterſtreicht eigenhändig ſeine Fehler, wobei man die beſſern Schüler zur Unterſtützung der Schwächern verwenden mag, da ſie doch meiſt nur wenige Fehler haben.

3) Der Lehrer fragt darauf nur darnach, welche Schüler gegen die Regel gefehlt haben, und läßt dabei die Erinnerung an die Regel einfließen.

4) Während der zweite Satz angeſchrieben wird, wird die Correctur des erſten Satzes unter das Scriptum geſchrieben.

5) Iſt auf dieſe Weiſe die Correctur vollendet, ſo mag der Lehrer nach Gutdünken heute dieſes morgen jenes Capitel aus der Formenlehre oder der Syntax zur Repetition herausgreifen, anknüpfend an die auf dieſem Gebiete in dem Exercitium gemachten Fehler; will er z. B. die Präpoſitionen repe⸗ tiren, ſo frage er zuvor, wer gegen die Lehre von den Präpoſitionen gefehlt habe.

6) Die Beſprechung aller übrigen Fehler fällt weg.

7) Der Lehrer notirt am Ende der Correctur die Fehler.

Durch dieſes Verfahren wird erreicht, daß! die verſchiedenen heterogenen Fehler den Hauptzweck der Correctur nicht zu ſehr vereiteln, denn es treten mehr Verſchmelzungen und weniger Hemmungen

*) Wenn Jemand ein Gemälde aus einer Sammlung heraus nimmt und es in ſeinem Zimmer eine Stunde lang ungeſtört von Nebeneindrücken betrachtet, ſo wird ſich die Vorſtellung von demſelben mit einer gewiſſen Stärke = X bei ihm befeſtigen.

Um wie viel wird nun wohl dieſes X wachſen, wenn derſelbe eine zweite Stunde in der Gemäldegallerie auf und abwandelt, woſelbſt das Gemälde wieder aufgehängt iſt, und unter den hundert flüchtigen Blicken, die er abwechſelnd auf alle übrigen Bilder wirft, auch einige wieder auf das von ihm vorher ſorgfältig betrachtete Ge⸗ mälde fallen läßt?

Ein ſolcher Spaziergang iſt die Beſprechung ſämmtlicher Fehler, und der Nutzen dürfte bei beiden gleich gering ſein, da in beiden Fällen dieſelben pſychologiſchen Geſetze gelten.