Aufsatz 
Die Correctur sämmtlicher Hefte durch den Lehrer ist nutzlos : Versuch einer psychologischen Begründung dieser Behauptung / [Dute]
Entstehung
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Eine Beſprechung der Fehler in der bunten Abwechſelung, wie ſie ein corrigirtes Heft bietet, wo eine die Regel betreffende Bemerkung in ihrer Wirkung ſofort wieder geſchwächt wird(§. 2 u. 3) durch eine ganze Reihe heterogener Vorſtellungen, die ſich unter einander wieder hemmen, wo nur

ſelten der Zufall eine Verſchmelzung bietet, iſt vielleicht eine lebendige Plauderſtunde, bringt aber

nur ſehr geringen Nutzen.

Dazu iſt noch Folgendes zu beachten: Ein Schüler, der e Fehler hat, hätte eigentlich gar keine Beſprechung ſeiner Fehler nöthig gehabt, und doch hat er die Beſprechung von 200 und mehr Fehlern mit anzuhören eine ganze Stunde lang; wer 10 Fehler hat, hört 190 andere mit an und ſofort.

Nun mag immerhin dadurch für ihn ein geringer Nutzen abfallen, denn theoretiſch iſt es ganz richtig, daß jede Verſchmelzung auch bis in's Unendliche fortgeſetzt die Stärke eines Reſiduums ver⸗ mehrt, allein in der Praxis wird man an einem Punct doch mal mit der Verſchmelzung ein Ende machen müſſen; man läßt ja einen Primaner nicht mehr mensa decliniren.

Statt nun die ganze Tertia oder Secunda mit Anhörung der orthographiſchen Fehler einiger in dieſem Stück beſonders ſchwacher Schüler aufzuhalten, halte man darauf, daß die Schüler durch beſondere häusliche Uebungen ihre Lücke ausfüllen. Daſſelbe gilt von allen Fehlern, die bei der großen Majorität einer Claſſe nicht vorkommen, weil ſie auf dem Standpunct, den die Claſſe ein⸗ nimmt, längſt überwunden ſein müſſen. Ebenſo wenig fördert es die Claſſe, wenn ſie mit anhört, welche Schreibfehler der oder jener gemacht hat, welche Auslaſſungen bei ihm vorkommen ꝛc.

Die große Lebendigkeit, die eine Claſſe bei der Berichtigung ſolcher Fehler an den Tag legt, darf über den geringen Nutzen nicht täuſchen; es ſind doch ſchließlich zu wohlfeile Lorbeeren, wenn ein Tertianer virdus in virtus verbeſſert.

Worauf es alſo bei der Beſprechung der Correctur häuptſächlich ankommt das iſt doch nur die feſtere Einprägung der jeweiligen Regel.

Suchen wir nun nach obiger Auseinanderſetzung annähernd, wenn auch nicht mit mathema⸗ tiſcher Schärfe, den Beitrag zu beſtimmen, welchen die Beſprechung der Correctur zur Befeſtigung der Regel liefert im Vergleich zu dem Antheil, welchen die oben von mir angeführten mündlichen Uebungen an der Einprägung haben, ſo wird ſich uns dadurch der Werth oder Unwerth der heutigen Methode ergeben.

1) Wenn ich die Zeit von 50 Minuten zur Hälfte auf Einübung der Regel und der latein⸗ deutſchen Uebungen verwende, zur Hälfte auf die deutſch⸗lateiniſchen Uebungen, ſo wirken alſo die Wortbilder von der ſchwarzen Wandtafel aus je 25 Minuten oder 1500 reſp. 3000 Secunden lang auf mein Auge, und bilden viel mehr Verſchmelzungen als die Secundenzahl beträgt; dadurch ent⸗ ſteht ein Reſiduum von einer gewiſſen Stärke= X.(§. 9 und 10).

2) Dieſes X wurde in ſeiner Wirkſamkeit unterſtützt, indem die Henuin gsſumme, ſoweit es nur anging, vermindert wurde.(§. 2).

3) Es kam endlich noch die Complication der Geſichtseindrucke mit Gehörsvorſtellungen hinzu, indem das an der Tafel Geſchriebene von einer Reihe von Schülern abgeleſen wurde.(§. 11).

Die Beſprechung der Correctur entbehrt dagegen:

1) der Geſichtsvorſtellungen; ſie bringt ſtatt deſſen nur Gehörsvorſtellungen. 2) Dieſe Gehörsvorſtellungen gehen verhältnißmäßig wenig Verſchmelzungen ein, da doch nur ein geringer Theil von den 200 300 Fehlern Verſtöße gegen die Regel enthalten.