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Als Zweck der Correctur wird gewöhnlich ein dreifacher angegeben:
Erſtens ſoll die Correctur und die Beſprechung der corrigirten Fehler in der Claſſe beim Schüler die Lücken ausfüllen, welche der mündliche Unterricht gelaſſen hat.
Zweitens ſoll ſie dem Lehrer Gelegenheit bieten, ſich zu überzeugen, wie weit jeder Schüler des mündlich eingeübten Stoffes bereits Herr geworden iſt.
Drittens ſoll die Correctur auch noch den ethiſchen Zweck haben, daß der Schüler dadurch immer neuen und größern Antrieb erhalte zur ſorgfältigſten Anfertigung ſeiner ſchriftlichen Arbeiten, ſei es aus Liebe zum Lehrer oder aus Furcht vor Tadel und Strafe.
Faſſen wir zunächſt den erſten Punct in's Auge, ſo fragt es ſich, in welcher Weiſe die Rück⸗ gabe der corrigirten Hefte ſtattfinden müſſe, um die Correctur für den Schüler nutzbar zu machen.
1) Würde ein Lehrer noch ſo ſorgfältig corrigiren und die Verbeſſerung eigenhändig an den Nand ſchreiben, die corrigirten Hefte aber einfach zurückgeben ohne Nachcorrectur Seitens des Schülers zu verlangen, ſo wäre ſeine Mühe ganz vergeblich geweſen; der Schüler legt das Heft bei Seite und ſieht höchſtens nach, ob er mehr oder weniger Fehler hat als ſeine Nachbarn.
2) Werden die Hefte in der obigen Weiſe corrigirt, und eine häusliche Correctur verlangt, ohne vorhergegangene Beſprechung der Fehler in der Stunde, ſo wird der Schüler eine Reihe von Wortbildern unter ſeine Arbeit ſchreiben, die ſeine Kenntniſſe nicht fördern. Es werden bei dieſer Art von Correctur keine Vorſtellungsreihen befeſtigt; höchſtens würde einiger Nutzen für die Ortho⸗ graphie abfallen, wenn er ſtatt des falſchen Wortbildes virdus das verbeſſerte virtus niederſchreibt.
3) Mehr Nutzen erwächſt ſchon bei einer derartigen Correctur, die nur andeutet, daß an der Stelle ein Fehler vorhanden iſt. Der Schüler hat dann wenigſtens zuvor nachzudenken, ehe er die Verbeſſerung niederſchreibt, und die richtigen Vorſtellungsreihen werden ſich befeſtigen nach§. 13. Allein bei dieſem Verfahren iſt zu befürchten, daß gerade die Leichtſinnigen und Trägen, welche die meiſten Fehler liefern, ihre eigne Art von Verbeſſerung ohne langes Beſinnen niederſchreiben oder vom kundigern Mitſchüler ſich vorſagen laſſen.
4) Dieſes Bedenken gegen häusliche Correctur wird auch bleiben, wenn eine Beſprechung der Fehler in der Schule vorausgegangen iſt, denn es fragt ſich, wie weit das Gedächtniß für ſeine Fehler bei einem jeden reicht, zumal er auch noch die ſämmtlichen Fehler aller übrigen aufmerkſam mit anzuhören hat, und außerdem werden ſich die wenigſten wohl gleich nach der Ankunft zu Hauſe hinſetzen, um die Correctur anzufertigen.
5) Es bleibt alſo nur übrig, die Correctur von den Schülern ſogleich nach der Beſprechung der Fehler in der Claſſe vornehmen zu laſſen.
Zu dieſem Reſultat gelangt auch der Referent der ſchleſiſchen Conferenz. S. 8:
„Beim Durchgehen der Arbeiten iſt es vor allem wichtig, die geſammte Claſſe in geſpannter Aufmerkſamkeit und allgemeiner Theilnahme zu erhalten, wozu eine dialogiſche Unterhaltung zwiſchen Lehrern und Schülern zweckmäßig iſt“.
„Die Correctur iſt ſofort in der Claſſe an den Rand zu ſchreiben, das Emendatum von einem oder mehreren Schülern vorzuleſen.
„Auch kann man einzelne Sätze aus dem Gedächtniß von einem Schüler wiederholen, auch einzelne Sätze oder das Ganze an die Tafel ſchreiben laſſen“.
Der bedeutende Vorzug, den das Verfahren in 4 und 5 vor dem in 1. 2. 3 erwähnten voraus hat erhellt aus§. 10 und 11, und man wird Angeſichts des ſo geringen Nutzens, der aus dem in


