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§. 4. Aus dem Bewußtſein verdrängt wird die Vorſtellung in ein Reſiduum verwandelt, d. h. in eine Dispoſition der Seele, das ſchon Vorgeſtellte wieder vorzuſtellen.(W. 81). §. 5. Die Stärke der Dispoſition iſt ſtets proportional der Intenſität des wirklichen Vorſtellens, aus welchem ſie hervorgegangen iſt als deſſen Reſiduum.(W. 97). §. 6.
Daraus folgt, daß ein Reſidiuum um ſo ſchwächer iſt, je geringer die Stärke der entſprechenden Vorſtellung war, je raſcher dieſelbe aus dem Bewußtſein verdrängt wurde, je weniger Verſchmelzungen dieſelbe eingegangen hat, um ihre Totalkraft zu verſtärken.
.§. 7.
Die in§. 2 erwähnten Widerſtände beſtehend aus der Summe aller zur Perception dringenden Empfindungen(= A), ſowie aller zum Vorſtellen dringender Dispoſitionen*)(=— B) wollen wir mit Herbart(Pſychologie als Wiſſenſchaft I, 159); die Hemmungsſumme nennen.
§. 8. Eine Vorſtellung leidet von der Hemmungsſumme im umgekehrten Verhältniß ihrer Stärke. (Herbart I, 165 ff.). §. 9. Qualitativ gleiche Perceptionen verſchmelzen.(W. 87). §. 10.
Alle qualitativ gleichen Perceptionen, ſie mögen ſimultan ſein, unmittelbar oder mit Unter⸗ brechungen auf einander folgen, verſtärken ſich gegenſeitig und bilden eine Totalkraft, die ihrer Intenſität nach als Repräſentant der einzelnen Glieder gelten kann.(cf. W. 92 und 93; Herb. I, 222).
§. 11.
Disparate d. h. qualitativ ungleiche Vorſtellungen z. B. eine Geſichts⸗ und eine Gehörsvorſtel⸗ lung bilden eine Complication, deren Glieder ſich gegenſeitig unterſtützen gegen die Hemmungsſumme mit dem Maße ihrer Stärke.(Herb. I, 197).
§. 12.
Die Vorſtellungen verbinden ſich zu feſten Reihen theils durch räumliche und zeitliche Succeſ⸗
ſion, theils durch Verwandtſchaft des Inhalts.(W. 108). .§. 13.
Die Verknüpfung je zweier Vorſtellungen iſt um ſo feſter, je größer die Summe des Drucks
iſt, welchen die eine auf die andere ausgeübt hat.(W. 106)*).
*) ef. auch Herb. II, 226;„Keineswegs blos für den Erzieher, ſondern in viel weiterer Sphäre gilt die Erinnerung: Man müſſe vor allen Dingen überlegen, daß Jeder, während er einem Vortrage zuhört, in derſelben Zeit irgend etwas Anderes denken würde, wofern der Vortrag nicht wäre; denn dieſes Andere bildet die hemmende Kraft, welche muß überwunden werden, wenn das Merken möglich ſein ſoll.
*r) Setzen wir die Stärke, mit welcher die aufeinanderfolgenden Vorſtellungen abe im Augenblick ihres Ver⸗ drängtwerdens unſer Inneres beſchäftigen, oder die Größe des Kraftverluſtes, den bod im Augenblick ihres Auf⸗ tretens in der Seele erleiden= m’ m“ m“, ſo bezeichnen dieſe letztern die verhältnißmäßige Stärke der jedes⸗ maligen Gebundenheit der vorhergehenden Vorſtellungen durch die nachfolgende. Die Kraft, welche die eine ver⸗ braucht, um die andere zu verdrängen, iſt das Bindemittel zwiſchen beiden Vorſtellungen, denn indem ſie der einen verloren geht, iſt es eben die Wirkſamkeit der andern gegenwärtigen, durch welche dieſer Verluſt herbei⸗ geführt und nothwendig gemacht wird.(W. 106).


