Aufsatz 
Die Correctur sämmtlicher Hefte durch den Lehrer ist nutzlos : Versuch einer psychologischen Begründung dieser Behauptung / [Dute]
Entstehung
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S. 8 heißt es:

Der von Sagan(director Flögel) aufgeſtellte Grundſatz, daß bei vollen Claſſen von 30 deutſchen Arbeiten 12 abwechſelnd corrigirt werden dürften, kann nur unter beſondern Ver⸗ hältniſſen ausnahmsweiſe zur Anwendung zugelaſſen werden.(warum?). Ebenſo iſt das Ver⸗ fahren, die Correctur einer Anzahl Arbeiten durch die beſſern Schüler ausführen zu laſſen, nicht zu billigen.

In Betreff der ſchriftlichen Arbeiten im Rechnen(die von Jauer und Liegnitz ausdrück⸗ lich verworfen werden) verlangen Glogau und Hirſchau eine Correctur im Einzelnen, während Gleiwitz, Neiſſe(R.) und Görlitz(R.) nur eine Reviſion von Seiten des Lehrers in der Claſſe und eine Correctur an der Tafel verlangen*).

Endlich verneinten bei der Abſtimmung die Directoren von Beuthen und Leobſchütz die Noth⸗ wendigkeit der Correctur ſämmtlicher Hefte durch den Lehrer.

Da auf der Verſammlung 27 Directoren anweſend waren, ſo beſtand alſo die Oppoſition gegen die herrſchende Methode aus%½ der Anweſenden. Nun iſt aber nicht anzunehmen, daß die Lehrer⸗ collegieen der 24 Directoren, welche für Beibehaltung der heutigen Methode ſtimmten, einſtimmig die Anſicht ihrer Directoren theilten, und auf einer nach einem andern Wahlmodus zuſammengeſetzten Lehrerverſammlung dürfte ſich bei Beſprechung unſerer Frage gewiß eine verhältnißmäßig größere Oppoſition herausſtellen.

Che ich nun zur Beſprechung unſrer Frage übergehen kann, muß ich zuvor bei Betrachtung des Ganges verweilen, den man bei Einprägung eines Lehrſtoffs einzuſchlagen hat, zu deſſen Befeſtigung ſchriftliche Arbeiten mit Correctur für nothwendig erachtet werden, denn nur ſo wird ſich der Werth beſtimmen laſſen, welcher der Correctur beizulegen iſt.

Da es mir ferner beſonders um eine pſychologiſche Begründung meiner Behauptungen zu thun iſt, ſo will ich der Kürze halber diejenigen Sätze aus der Pſychologie Herbarts und meines Lehrers Waitz hier folgen laſſen, auf die ich mich ſtützen werde.

Dieſelben finden ſich theils dem Inhalte nach, theils wörtlich an der angemerkten Stelle vor, und ruhen auf der bekannten Hypotheſe der Herbart'ſchen Pſychologie von der Seele als einfachem Weſen, das den durch die Nerven von außen zugeführten Stoff nach der ihm innewohnenden Geſetz⸗ mäßigkeit verarbeitet.

§. 1.

Die Stärke einer Vorſtellung hängt ab von der Intenſität des Nervenreizes.(WaitzPſycho⸗ logie als Naturwiſſenſchaft. S. 73 ff.).

Jede Vorſtellung, die der Seele gegenwärtig wird, vermag nur aufzutreten und ſich zu er⸗ halten in Folge der Ueberwindung der ihr entgegenwirkenden Widerſtände(Waitz 103).

§. 3.

Hiebei erleidet ſie einen ſo großen Verluſt an ihrer urſprünglichen Stärke, als ſie zur Ueber⸗

windung jener verbraucht(W. 103 ff.).

*) Letzteres war auch die Praxis an den Gymnaſien und Realſchulen Kurheſſens vor dem Jahr 1866, und ich habe verſchiedene heſſiſche Lehrer ſich äußern hören, daß die Schüler im Rechnen vor 1866 gerade ſoweit geför⸗ dert worden wären als jetzt mit Correctur, gleiche Bedingungen natürlich vorausgeſettt.

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