Aufsatz 
Ein Beitrag zu einer Biographie Max von Schenkendorfs / von Drescher
Entstehung
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träufelt in das Herz der edlen Wittwe, dass sie das unerwartete Scheiden in frommer Ergebung überstand, und dem frühe verklärten Freunde noch jetzt nachpilgert in heiterer und ehrenreicher Wirksamkeit für die Bildung jugendlicher Gemüther. Unsern Max Schenkendorff selbst sehen wir manch einer trüblichen Zeitconstellation sanft enthoben, die an die Stelle des fröhlicheren, von ihm so ehrenvoll bestandenen Krieges mit offener Waffe einen trüblichen Krieg der Untergrabung alles Grossen und Schönen, voran des Glaubens, der Liebe und Ehre, heraufgeführt hat. Abermit Gott für König und Vaterland! bpleibe auch in diesem schwierigeren und lastenderen Kampf unser unveränderlicher Feldruf, und für uns auch wird es dereinst von Gottes Gnaden heissen:Thr Gesegneten des Herrn, tretet herein!

Ein zweiter Augenzeuge ¹) über Max von Schenkendorf.(Vgl. pag. 4, c, 2).

Dagegen hat Schenkendorfs gothisches Kreuz, ebenfalls dem alten Kirchhof entstammend, in der Reihenfolge des Jahres 1840 Platz gefunden, nachdem es von Anfang her bestimmt gewesen, zugleich seiner Wittwe Andenken zu verewigen. Die doppelte Inschrift, dem Sandstein eingegraben, lautet folgendermassen:

Gottfried Ferdinand Max von Schenkendorf, geb. zu Tilsit den 11. Dezember 1784 ²), gestorb. zu Coblenz den 11. Dezember 1817. Henriette Elisabeth von Schenkendorf geborne Dittrich, geb. zu Königsberg den 25. Januar 1774, gestorb. zu Coblenz den 22. September 1840. Evangelium Johannis Cap. XI Vers 25.³)

Schenkendorf in seiner Dichterglorie war mir allerdings merkwürdiger, als die Gesamtheit seiner aus dem Mutterlande uns zugekommenen Collegen, doch liess nur einmal das Ungefähr mich mit ihm zusammentreffen. Er trug eine schwarze Litewka, oder, wie das polnische Kleidungsstück damals hiess, einen deutschen Rock, dann einen Schnurrbart, der, mit dem grimmigen Blicke und dem Gesamteindruck der Physiognomie verbunden, unter den forschenden Händen der Deffant) gar leicht das qui pro quo um den Geschichtschreiber Gibbon erneuern konnte. Die Deffant hatte nämlich die Gewohnheit, bei ihr neu eingeführte Fremde im Gesicht zu betasten, um auf diese Weise eine Idee von der Person sich zu verschaffen. Gleich jedem andern musste Gibbon) in der

1) Chr. von Strambergein Nachforscher in historischen Dingen, wie er sich selbst nennt, rheinischer Antiquar beim Koblenzer Archiv, hatte viele Akten durchgearbeitet und besass reiches antiquarisches Wissen, worauf er sich denn auch viel zu gute that. Er war ebenso red- wie schreibselig, trug auch gern etwas stark auf und liebte dabei Zweideutigkeiten und Schlüpfrigkeiten, die er mit einem gewissen Behagen darlegte. Dass er bei seinem Bestreben, recht viel drucken zu lassen, gerade immer kritisch verfahren und durchweg Zuverlässiges geboten, lässt sich eben nicht behaupten. Von diesem Gesichtspunkt aus ist denn auch wohl die witzelnde Manier zu beurteilen, mit der er Schenkendorfs gedenkt. Dies nach einer brieflichen Mitteilung meines hochverehrten früheren Rektors Götz in Neuwied.

2) statt 1784 muss es heissen: 1783.

3) Jesus spricht zu ihr(Martha): Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, ob er gleich stürbe.

4) Marie de Vichy-Chamrond, Marquise du Deffand(im Text fälschlich: Deffant), geboren zu Paris 1697, gestorben daselbst 1780, eine hochgebildete Dame, die einer burgundischen Adelsfamilie entstammte. Ihr Haus war der Sammelplatz geistig hervorragender Männer und Frauen; hier verkehrten u. a. Choiseul, Montesquieu, David Hume, Walpole, D'Alembert, insbesondere auch Voltaire. Im Jahre 1752 wurde sie von einem Augenleiden befallen, welches schon nach Jahresfrist fast vollständige Erblindung herbeiführte. Bezüglich ihrer religiösen Anschauungsweise nahm sie ganz den skeptischen Standpunkt Gibbons ein.

5) Edward Gibbon, geboren 27. April 1737 zu Putney in der Grafschaft Surrey, gestorben 16. Januar 1794 in London, errang sich durch sein grosses Werk History of the decline and fall of the Roman empire, wovon der 1. Band 1776 erschien, während der Abschluss des ganzen Werks 1788 erfolgte, die Bewunderung der Gelehrten des In- und Auslands und den Namen des ersten englischen Historikers.