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Himmel und Kopfhängerei! Denken an den Schöpfer und Entfremden von der Schöpfung! Man sollte sich's kaum vorstellen, welch eine Begriffsverwirrung unter uns Menschen vorherrscht, und zwar just unter solchen, die auf Begriffsklarheit den entschiedensten Werth legen und die bestimmtesten Ansprüche darauf machen. Aber die Erfahrung lehrt uns neben andern, nicht minder wunderlichen und ebenso wehe thuenden Ereignissen des Weltlaufes auch das. Leider mochten hinwiederum andre den Max nicht für wahrhaft fröhlich halten, weil er so fromm war, oder auch nicht für wahrhaft fromm, weil er so fröhlich war. Denn selbst Gutmeinenden ist es oftmal nicht gegeben, den Spruch gehörig zu beachten:„Werdet, wie die Kinder“.— Sein wahrhaft kindliches, sein frisch fröhliches Gottvertrauen klingt noch gar mannigfach aus seinen Liedern nach, vielleicht mit am schönsten aus folgender Strophe des schon vorhin angeführten Liedes:
v. 1. in„Du reicher Gott der Gnaden Lass uns vor dir bestehen, v. l. schau her vom blauen Zelt Im hohen Himmelszelt, Und gieb uns heute Sieg! v. 1. du selbst hast uns Du hast uns selbst geladen Die Christenbanner wehen,
In dieses Waffenfeld. Dein ist, o Herr, der Krieg.“
Max Schenkendorff's kindliche und dennoch so mannhaft ritterliche Heiterkeit offenbarte sich in rührender Anmuth vorzüglich dem Berichterstatter während eines sehr grossen und erhebenden Augenblickes.
Die Morgensonne des 19. Oktobers 1813 strahlte über die grosse Kampfesebene um Leipzig hin, ernst, feierlich, dem Sinne des herrlichen Tages ganz angemessen. ¹) Die Rödersche Kürassier- Brigade rückte feierlich ernsten Schritts in der Gegend von Probstheide feindan, vor uns Preussische Uhlanen. Es schien erst jetzt der grosse Entscheidungsschlag fallen zu sollen, so weit das einem untergeordneten Reiteroffizier in der Linie zu beurtheilen möglich war, vielleicht auch so weit es unsre nächst höheren Befehlshaber selbst noch einstweilen zu ermessen vermochten. Die Wichtig- keit der über uns schwebenden Entscheidung empfand jeder einigermassen mit Sinn für höhere Kriegskunst Begabte. Feindliche Geschützkugeln begrüssten uns, auf einen ernsten Widerstand deutend. Links von uns, in einem sanft eingesenkten Thale hörte man französischen Befehlsruf, schon am eigenthümlich lang gezogenen Tone erkennbar.„Sie wollen uns überflügeln“,— ging ein leises Reden und Winken durch die Reihen;—„das giebt bald eine Linksschwenkung und ein tüchtiges: Drauf!“Y— Max ritt unweit von mir.„Halt!“ hiess einstweilen der Befehlsruf für die Uhlanen vor uns, und für uns mit. Max kam zu mir heran. Er trug einen Französischen Dragoner- helm in der Hand, den er vom Boden aufgenommen hatte, und demonstrirte mir mit sinnvollem Eifer, wie er den wolle zum Pokale bereiten lassen, und hoffte, noch daraus manchen Zug edlen Weines zu thun mit mir und andern Freunden, in Gott preisender Erinnerung unsrer Waffenfahrten. Mir ist es nicht so gut geworden, denn ich sah meinen lieben Max in jener feierlichen Morgenstunde hienieden zum letzenmal.*²) Ob er den hübschen Gedanken seines Helmbechers zur Ausführung gebracht hat, weiss ich nicht. In diesem Augenblick kam der König von vornher mit kleinem Gefolg zwischen den Uhlanen durch langsam herangeritten. Max in seiner Civiltracht ritt seitwärts.„Richt' euch!“ scholl das Kom- mando. Wir hielten grade, die blanken Klingen zur Hand, und der freudige Hurrahruf der Kürassiere und freiwilligen Jäger hallte dem geliebten Monarchen entgegen. Seine Hand winkte abwehrend. Alles ward still.„Der Feind braucht gar nicht zu hören, wo die Kavallerie hält“, sagte er im Näherkommen, denn ein leiser Hügelzug hielt unsre Aufstellung den Gegnern verdeckt. Jener französische Befehlsruf auf unserm linken Flügel musste wohl zum Abschwenken und Abzug gegolten haben. Der erwartete Anfall gegen uns unterblieb. Der das Brandenburgische Kürassier-Regiment anführende Offizier ritt zum Rapportiren gegen den König, nahe vor mir, hinan. Da horte ich die begeisterten Worte
1) Vgl. pag. 14. 2) ib.


