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zustellen. Fouqué hatte tief empfunden, was es ihn selbst kostete, Weib und Kind zurückzulassen, wenngleich noch im einstweiligen Schutze der Elbe und Havel, um dem Rufe zu den Waffen, zwar frisch und froh wiederhallend in seinem an den Kampf seit früheren Jugendjahren gewöhnten Herzen sogleich zu folgen. Vor seinem jüngeren, neu befreundeten Schenkendorff beugte er in dieser Hinsicht das Haupt, und that es gern. Denn schon nach dem Mai-Feldzuge des Jahres 1813, als der Waffenstillstand irgend einen Reiseverkehr von dem Rheinbündnerischen Deutschland zu dem Preussischen verstattete, war Max Schenkendorff bei uns.
Eine kräftige, untersetzte Gestalt, mit kerndeutschen Gesichtszügen, trat er in unsre Mitte, die wir in der Preussischen Kürassier-Brigade einen kleinen Kreis von theils dichtenden, theils Dichter liebenden Genossen in frischer Heiterkeit und Vertraulichkeit bildeten¹). Max mahnte Fouqué an Götz von Berlichingen durch eine Aehnlichkeit mit dessen Bildern, die noch durch die kampf- gelähmte Hand, vielleicht auch mit durch die Kürze seines Vornamens gestärkt ward, sich aber besonders in der heiterlebendigen Frische seines Charakters und ganzen Benehmens stets mehr und mehr entfaltete. Er hatte sich zu der besagten Heeresabtheilung gesellt, weil theils im Ost- preussischen Kürassier-Regiment, theils in dem Gefolge des damaligen Generalmajor von Röder, der die Brigade befehligte, unterschiedliche von Maxens frühesten und innigsten Freunden mit- fochten, und überhaupt sein Herz dem edlen Ostpreussischen Volksstamme innig angehörte. Er war dorther gebürtig, und viele der erschütterndsten, erfreulichsten und rührendsten Ereignisse seines stets innerlich reichen Lebens hatten ihm den Strand der Ostsee und dessen Bewohner überaus theuer gemacht. Es möchte aber wohl überhaupt nicht leicht irgend ein echtes Dichter- gemüth geben, das sich nicht ganz vorzüglich angesprochen fühlte von dem Charakter des Ost- preussichen Volkes, insofern uns das Leben zu dessen näherer Anschauung leitet. Bei grosser Lebendigkeit, raschem Erfassen alles Dargebotenen, und kühner Prische in der Ausführung, offen- bart sich noch eine gewisse zierliche Freundlichkeit und an das Wehmüthige streifende Weichheit der Stimmung, die den edlen Reiz ritterlicher Tapferkeit noch erhöhet. Der Schreiber dieser Zeilen, obzwar in der ritterlich fröhlichen Schaar seiner Waffengenossen im Brandenburger Kürassier- Regiment, wo er als Jägeroffizier focht, gar gern und fröhlich daheim, diese Erinnerung mit zu den liebsten seiner Erdenwallfahrt zählend, fühlte sich doch auch zu dem Kreise der Ostpreussischen Nachbarschaft in voller Dichterlebendigkeit hingezogen, und so trat ihm sein Max Schenkendorff mit jeglichem Tage näher, und mit jeglichem, neu von ihm vernommenen Liede stieg ihm auch mehr und mehr die grosse Dichterbegabung des geliebten Freundes empor.
Bald empfand es Fouqué, diese eigenthümlichst emporquillende Dichterader gehöre nicht nur den erhabnen Erscheinungen einer grossen Zeit an und dem treuen Entschlusse des Einzelnen, in grosser Zeit nicht kläglich unterzugehn;— nein, es sei in dem Geiste des Max jenes überaus gewaltige Begabtsein vorhanden, welches in all und jeder Zeit den damit Beliehenen nur zu einem unaussprechlich Beglückten, oder zu einem unaussprechlich Bedrückten zu gestalten vermag. Manch- mal auch aufs Allerwunderbarlichste zu beidem zugleich.
Wohl ohne Zweifel hätte Max Schenkendorff's dichterische Wirksamkeit in späteren Lebens- perioden, wären sie ihm hienieden vergönnt gewesen, oder auferlegt, sich in umfassenderen Dichtungen, sowohl dem Inhalt, als dem Gehalt nach umfassend, offenbart. Max Schenkendorff wusste und wollte so Vieles, und wusste und wollte es so gross und so rein. Wir dürfen ihn in dieser Hinsicht mit Hölty vergleichen, von dem wir eben auch nur Lyrisches besitzen, und dennoch wissen, dass Werke von sehr grosser und umfassender Art vor seinem, stets auf das Hohe gestellten Geiste schwebten.
1) Vgl. pag. 14.


