Aufsatz 
Ein Beitrag zu einer Biographie Max von Schenkendorfs / von Drescher
Entstehung
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Ich zieh' ins Feld, wo tausend sinken Soll mir der Todesengel winken Als Bürger einer bessern Welt; Hier bin ich, Herr, wie dir's gefällt. ¹)

Nach der Leipziger Schlacht verliess Schenkendorf die Reihen der Krieger, er gabdas Lustspiel alter Heldenwelt auf, um bald auf einen anderen Schauplatz gerufen zu werden. Durch den Freiherrn vom Stein,des Rechtes Grundstein, der Deutschen Edelstein, erhielt er eine Stelle bei der Centralverwaltung der Bewaffnungsangelegenheiten und somit einen Wirkungskreis, der ihm reiche Gelegenheit bot, durch Umsicht und Eifer die gute Sache wesentlich zu fördern. Nach dem Frieden erhielt er eine Anstellung als Regierungsrat in Koblenz und trug hier durch seinen feinen Takt, seine zuvorkommende Freundlichkeit und sein offenes Wesen viel dazu bei, dass die aufgeregte Bevölkerung in den Rheinlanden die preussische Regierung bald mit weniger Vorurteil ansah. Hochgeachtet und geliebt lebte er hier an den Ufern seines Lieblingsstromes im Verkehr mit dem herrlichen Kreise*), den der treffliche Gneisenau um sich versammelt hatte. Über seinen Koblenzer Aufenthalt und den Freundeskreis, in welchem er besonders verkehrte, wollen wir einen Mann reden lassen, der Schenkendorf persönlich nahe stand, den Geheimrat Bärsch, welcher unterm 18. Februar 1861 in derKoblenzer Zeitung schreibt:Schenkendorf stand mir nahe, ich achtete ihn nicht nur als einen für das Vaterland begeisterten, ausgezeichneten Dichter, ich liebte ihn auch als Freund. Im Jahre 1815 und 1816 habe ich frohe und unvergessliche Stunden mit ihm verlebt, nicht nur auf dem Zimmer, welches er eine zeitlang in den Trümmern der Kartause bewohnte, und in meiner Wohnung am Rhein(jetzt Gasthof Belle vue), sondern auch häufig in dem herrlichen Kreise, den der treffliche Gneisenau um sich versammelt hatte: Graf Karl von der Gröben, Clausewitz, Rühle von Lilienstern, Oberst von Wolzogen, von Scharnhorst, der jüngere, von Tümpling, Präsident Meusebach, Knackfuss, O'Etzel, Fritz Lange, Benzenberg, Görres; die meisten von ihnen ruhen schon im Grabe. Noch im Sommer 1817 verlebte ich einige herrliche Tage mit meinem lieben Max im Bade Ems. Auch mein vieljähriger Freund, der noch in Koblenz lebende Legationsrat a. D. Wilhelm Sixt von Arnim, kannte Schenkendorf und schätzte ihn hoch.

Kaum aber hatte sich Schenkendorf in die Koblenzer Verhältnisse eingelebt, so sollte er infolge einer Versetzung nach Magdeburg die grünen Ufer des Rheins mit der Elbe vertauschen.Ich bin zwar, schreibt er unterm 11. Junius 1816 von Karlsruhe aus an den Landrat Bärsch,bereit, meinen Stab weiter zu setzen und hinzugehen, wohin Gott mich schickt, aber meine Liebe und Sehnsucht wird immer an diesen Ufern bleiben. Kurze Zeit darnach war er in der angenehmen Lage, einem Freunde die Mitteilung zu machen, dass der König seine Bitte, am Rhein zu bleiben, genehmigt habe. Er konnte zwar zu der Stelle zurückkehren, wo Rhein und Mosel sich liebend gatten; aber schon am 11. Dezember 1817, seinem Geburtstage, machte ein Nervenschlag seinem Leben ein Ende.

Nahe dem geliebten Strome, Freiheitslieder zugesungen, Dem es laut in Zorn und Schmerz Schläft das reine Dichterherz. ³)

Im Vorstehenden glaube ich in seinen Hauptzügen das geistige Lebensbild Schenkendorfs so gezeichnet zu haben, wie es sich uns aus seinen Dichtungen, der oben erwähnten ZeitschriftVesta und dem zwischen ihm und seinen Freunden gepflogenen Briefverkehr wie von selbst ergiebt. Auf dieser Grundlage baut sich am naturgemässesten eine eingehende Charakteristik und Würdigung seiner Dichtereigentümlichkeit und litterarhistorischen Stellung auf. Dass sein äusserer Lebens- und

1) Strophen aus dem GedichtWarum er ins Feld zog pag. 69, 70. 2) Vergl. das GedichtDie Tafel am Rhein pag. 200. 3) Aus dem GedichtBei Koblenz(am Grabe Sehenkendorfs) von Ferdinand Freiligrath.