Wir haben alle schwer gesündigt, V Wir aber hatten uns entmündigt, Wir mangeln allesamt an Ruhm, Das Salz der Erde wurde dumm;
Man hat, o Herr! uns oft verkündigt V So Fürst als Bürger, so der Adel, Der Freiheit Evangelium; Hier ist nicht einer ohne Tadel,
giebt der Stimmung aller besser Gesinnten deutlichen Ausdruck. Jetzt sah man ein, dass in grossen Augenblicken Fürst und Volk einmütig zusammenstehen müssen, um grosse vaterländische Aufgaben zu lösen. Es galt in allen Schichten der Bevölkerung grösseres Selbstbewusstsein und grössere Teilnahme an den Geschicken des Vaterlandes zu wecken.— Durch die im Oktober des Jahres 1807 erfolgte Aufhebung der Erbunterthänigkeit, die unterm 19. November 1808 ins Leben getretene Städteordnung, sowie durch Einführung der allgemeinen Wehrpflicht war der tief schlummernde Funke zur erfolgreichen Erhebung mächtig angefacht und einer sich allmählich vollziehenden Wiedergeburt gewaltig vorgearbeitet worden. Eine erhabene Begeisterung schlug in lichten Flammen zum Himmel empor und erzeugte einen edlen Wetteifer der Kräfte. Auch Schenkendorf wurde mächtig von der allgemeinen Bewegung ergriffen. Wie sein Geistesverwandter Theodor Körner sich aus den Armen seiner Braut herausriss, um für Deutschlands Befreiung in die Reihen der Kämpfer einzutreten, so vertauschte auch er die Lyra mit dem Schwert und eilte im Mai auf den Kriegsschauplatz. „Eine kräftige, untersetzte Gestalt, mit kerndeutschen Gesichtszügen“, so schreibt Fouqué in den Preussischen Provinzialblättern(Königsberg 1834 pag. 102),„trat er in unsere Mitte, die wir in der Preussischen Kürassier-Brigade einen kleinen Kreis von theils dichtenden, theils Dichter liebenden Genossen in frischer Heiterkeit und Vertraulichkeit bildeten.“ ib. pag. 105:„Unsere kleinen Bei- wacht- und Lagerfeste im vertrauten Kreise gewannen stets durch Max ihren heitersten Schmuck, während oft zugleich die Thräne der wehmütigen Rührung um seine fernen Lieben, oder um die in das ewige Reich vorangerufenen Freunde in seinem schönen Auge funkelte.“ Im Stabe des Generalmajors von Röder nahm er teil an dem Feldzug von 1813, der inmitten des Kriegs- und Lagerlebens eine Fülle herrlicher Kriegslieder der begeisterten Dichterbrust entlockte. Auch der Leipziger Völkerschlacht wohnte er in ihren 4 Hauptkämpfen bei:„Die Morgensonne des 19. Oktobers 1813“, schreibt Fouqué,„strahlte über die grosse Kampfesebene um Leipzig hin, ernst, feierlich, dem Sinne des herrlichen Tages ganz angemessen.— Max kam zu mir heran. Er trug einen französischen Dragonerhelm in der Hand, den er vom Boden aufgenommen hatte, und demonstrierte mir mit sinn- vollem Eifer, wie er den wolle zum Pokale bereiten lassen, und hoffte, noch daraus manchen Zug edlen Weines zu thun mit mir und anderen Freunden, in Gott preisender Erinnerung unserer Waffenfahrten. ¹) Mir ist es nicht so gut geworden, denn ich sah meinen lieben Max in jener feierlichen Morgenstunde hienieden zum letztenmal.“— Die Frage, warum er ins Feld zog, beantwortet er selbst unter dem Hinweis auf seine Herrin, an die er immerdar geglaubt, die ein Leuchten aus grossen Tagen wie sagenhafter Zauber umschwebt,„sein heiliges, sein deutsches Reich“:
Ich zieh' ins Feld für ew'ges Leben, Dass Lied und Minne wiederkehre
Für Freiheit und uraltes Recht; In unser grünes Eichenzelt.
In frischer Kraft soll sich erheben Ich zieh' ins Feld mit freien Bauern Der Mensch, zu lange schon ein Knecht. Und ehrenwerter Bürgerzunft,
Ich zieh' ins Feld um Himmelsgüter Ein ernster Schlachtruf ist ihr Trauern Und nicht um Fürstenlohn und Ruhm; Um alter Zeiten Wiederkunft.
Ein Ritter ist geborner Hüter Ich zieh' ins Feld für meine Dame, Von jedem wahren Heiligtum. Die schönste weit im ganzen Land, Ich zieh' ins Feld für Deutschlands Ehre, Dass ohne Tadel sei der Name,
Das Lustspiel alter Heldenwelt, Den sie zu tragen würdig fand.
1) Vgl. die 5. Str. aus dem Gedicht„An Max von Schenkendorf“ von Fouqué pag. 255.


