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sei, hier so ungestört ein seliges Liederleben zu führen.“ Den edelsten Genuss gewährten ihm Ausflüge in die Umgegend:
Die Berge hab' ich oft durchzogen, Dort ist so mancher Schmerz entflogen,
Wenn ich zu spät am Abend kam, Geheilt so mancher bittre Gram. ¹)
und in die herrlichen Thäler des Schwarzwaldes. In dem an A. E. Eichhorn gerichteten, aus dem Jahre 1814 stammenden Gedichte„Der Schwarzwald“ heisst es in den letzten Strophen:
Das ist ein ferner Liebeston, Der Freiheit, die mein Herz gewann, Er klingt wohl tausend Jahr, Der süssen Heldenbraut,
Von Geistern, deren Zeit entflohn Der ich, ein liebentbrannter Mann, Und deren Burg hier war. Für ewig mich vertraut.
Wie schaurig hier und wie allein 0 Freiheit, Freiheit komm heraus, Im höchsten schwarzen Wald, So kräftig und so fromm,
Nicht fern kann hier die Wohnung sein Aus deinem grünen dunkeln Haus Der seligsten Gestalt— Du schöne Freiheit komm! ³)
Er schwelgt im Genuss der Gegend, wo der Rhein und die Donau, als ungleich geartete Kinder, ihr Wiegenfest feiern.
Dein Wasser schöpf' ich in der Hand, V Verkünde nur im Morgenland
0 Donau, frohe Fahrt! Der Deutschen Sinn und Art. ³)
Ganz in die Pracht der erhabenen Gottesnatur vertieft liebt er es, mit der Schilderung der- selben die guten Geister der Sage und Geschichte zu verweben, die darin walten. Beim Anblick der ehrwürdigen Ruinen erwachen in ihm
Die Geister und die Sagen, V Die kann kein Feind erschlagen, Der alten Tage Zier, Sie weilen ewig hier.¹)
Auf diese Weise schliessen sich oft ganz naturgemäss seinen Wanderungen durch die ver- schiedenen Teile des deutschen Vaterlandes Wanderungen in die deutsche Geschichte an, auf welchen er das Andenken an die Heldengestalten der Väter wachruft und den ernsten Mahnruf zu gleicher Thatkraft weithin durch die vaterländischen Gaue erschallen lässt.— Es brach das Jahr 1813 an, neben 1870 das denkwürdigste, welches die neuere Geschichte in ihren Annalen verzeichnet hat. Die Vernichtung der Napoleonischen Armee auf den Eisfeldern Russlands hatte in Preussen und ganz Deutschland den Gedanken an die Befreiung des Vaterlandes aus den schmählichen Banden der Knechtschaft geweckt. Am 3. Februar erfolgte von Breslau aus der Aufruf Friedrich Wilhelms III. zur Bildung freiwilliger Jägercorps; am 16. März die förmliche Kriegserklärung Preussens an Frank- reich; am 17. erliess der König den berühmten Aufruf„an mein Volk“ und„an mein Kriegsheer“: „Keinen andern Ausweg giebt es, als einen ehrenvollen Frieden oder einen ruhmvollen Untergang. Auch diesem würdet ihr getrost entgegengehen, weil ehrlos der Preusse und der Deutsche nicht zu leben vermag. Gott und unser fester Wille werden unserer gerechten Sache den Sieg verleihen, mit ihm einen sicheren, glorreichen Frieden und die Wiederkehr einer glücklichen Zeit!“ Wunder- bar war die Wirkung. Jetzt lernte man als die Grundübel des Zeitalters Verblendung, Eifersucht und Erstarrung kennen, und das Sündenbekenntnis, welches Schenkendorf im Namen der Gesamt- heit in dem Gedicht„Beichte“ ⁵) am 28. Oktober 1813 ablegt:
1) 4. Str. aus dem Gedicht„An Heinrich Jung, gen. Stilling“, pag. 233. 2) pag. 162, 163.
3) ib.
4) 11. Str. aus dem Gedichte„Auf der Wanderung in Worms“ pag. 164. 5) pag. 104.


