Da singt er:
O süsse Königin, Ein holder Stern uns lacht, Der Herzen Meisterin! Das uns mit Zaubermacht Es ist dein Bild,. Die Seele füllt. ¹)
Herrin, das in der Nacht
Da regt er das Vaterlandsgefühl mächtig an durch die Verse:
O heilig, heilig Band, 0 dreimal heilig Band,
Liebe zum Vaterland, Das Fürst und Volk umwand, Heb' unsre Brust! Von Gott gewebt!
Tönend brichst du hervor, Preis dir mit Herz und Mund, Schmelzend im Wonnechor Talisman, Felsengrund, Schwingst du dich sternempor Auf dem der Bürgerbund Vaterlandslust!— Den Bau erhebt. ⁵)
Seine Hochachtung für die edle Königin Luise,„die Königin von allen Königinnen“, die in ihr Stammbuch die Götheschen Worte schrieb:
Wer nie sein Brot mit Thränen ass, Auf seinem Bette weinend sass,
Wer nie die kummervollen Nächte Der kennt euch nicht, ihr himmlischen Mächte! hat Schenkendorf in mehreren seiner Gedichte voll und wahr ausgesprochen. ³)— Es entwickelte sich um diese Zeit ganz besonders in Königsberg ein geistig regsames Leben, welches sich in den verschiedensten Erscheinungsformen verkörperte. So trat der„pPoetische Männerbund“ ins Leben, eine Verbindung von Männern aller Altersstufen, Berufskreise und Stände, der unter dem Namen „Blumenkranz des baltischen Meeres“ an die éffentlichkeit trat. Fragen aus dem Gebiete der Philosophie, Religion und Poesie bildeten den Gegenstand der Verhandlungen in dem bunt durch- einander gewürfelten Kreise, der aber doch wieder durch das mächtige Band geistiger Uberein- stimmung fest zusammengeschlossen ward. Schenkendorf selbst bildete die Seele des Bundes und erfreute den kunstsinnigen Kreis durch die verschiedensten Erzeugnisse seiner litterarischen Muse, die wesentlich den Charakter des Gelegenheitsgedichts an sich tragen. Gerade bei diesen zwang- losen Zusammenkünften regte sich seine Phantasie ganz besonders lebendig; seine fesselnde Rede verband Schönheit der Porm mit Gediegenheit des Inhalts, und unter dem unmittelbaren Eindruck der politischen Ereignisse erging er sich gern in Betrachtungen über den Geist der Zeit, der sich in den verschiedenen Perioden der Geschichte ausspricht. Man erkennt aus der Tendenz des Männer- bundes deutlich das Bestreben, der durch die politischen Verhältnisse hervorgerufenen Missstimmung gegenüber durch ein rege entwickeltes Geistesleben ein energisches Gegengewicht zu schaffen.„Kann ein Volk“, äussert sich Schrötter in der Zeitschrift„Vesta“,„dessen Charakter sich auf Freiheit, Biedersinn und Kunstgefühl gründet, kann ein solches Volk dem Spiele eines fremden Sinnes auf immer unterliegen, oder wird es nicht vielmehr, vom Augenblick überrascht, sich plötzlich zur alten Würde und zu neuem Leben hinaufschwingen?“ Um diese Zeit, wo in Königsberg mehrere Schenkendorf nahestehende Familien von bedauerlichen Unglücksfällen schwer heimgesucht wurden, blieben auch ihm schmerzvolle Ereignisse nicht erspart. Denn ungefähr gleichzeitig mit dem unglücklichen Aus- gang eines Examens fiel eine Herausforderung zu einem Duell. Der unglückliche Verlauf des letzteren,
1) 4. Str. aus dem Gedicht„Volkslied“, pag. 18.
2) ib. Str. 1, 5.
3) Vgl. besonders die 4 unter der Überschrift„Der Königin Luise von Preussen“ zusammengefassten Gedichte: 1) Unsrer Königin, 2) An ein Gemach, 3) Die Rosenknospen an ihre Königin, 4) Auf den Tod der Königin, pag. 19— 22.


