Aufsatz 
Ein Beitrag zu einer Biographie Max von Schenkendorfs / von Drescher
Entstehung
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Ruhe treten, wenn Schlachten Völkern Grenzen setzen. Es ist das Leben, das mit dem Leben kämpft; aus dem Kampfe aber geht der Sieg hervor, aus dem Blute die Erlösung. Wenn die Tugend mit der Sünde sich nicht mässe, woher sollte Frieden kommen? Frei von jeder Sorge sah der Grieche dem Schlachtengetümmel zu; denn über ihm waltete ein Fatum, ernst und gerecht. Während der Perserfürst mit seinen Sklaven Thessalien überschwemmte, und Leonidas sich zum Fürstenideale aufschwang, feierte Hellas seine Spiele nach gewohnter Sitte, und Dichter sangen den Heroen und der Liebe. Sollte aber dieser Heldengeist nur noch in den Liedern leben? Sollte der Norden Europa's vor den UÜbungen menschlicher Kräfte erzittern und vor seinen eigenen Fähig- keiten erbeben, da der Süden den Kampf als den höchsten Standpunkt menschlicher Grösse, ihn zu den Göttern erhebend, besang? Nein! Die Manen der nordischen Helden, und manche erhabene Fürsten der jetzt streitenden Völker beleben durch ihren Feuergeist den friedlichen Bürger, dass er in seinem Innern stark werde, wie der Krieger im Gefecht: dass nicht nur die fürstlichen Befehle, sondern die Nationen kämpfen. Wo aber Patriotismus und Völkerhass den Krieg zur heiligen Sache des Landes erheben, da herrscht ein edler Sinn, und in den Seelen wohnt der Friede. Der Geist eines höheren Lebens schwebt hernieder, Begeisterung durchdringt die Ge- müther, und die Wahrheit wird gesucht. Solche Zeiten sind es, wo die Konvenienz erstirbt, der Mensch, dastehend, wie er ist, jedem Eindruck offen, annimmt, was ihm gegeben wird. Wem daher, von der guten Sache erwärmt, des Lebens Zweck mehr gilt, als des Lebens Frist, wer für die Grösse seines Vaterlandes glüht, wessen Brust sich von heiligen Gefühlen hebt, der trete jetzt auf und rede mit Liebe. Alle edleren Kräfte sind gespannt, man wird ihn hören.

Und hierin liegt die Geburt und der Zweck dieser Zeitschrift. Wer nicht unmittelbar für den Staat streitet, ist als Bürger verpflichtet, wenigstens die allgemeine Aufmerksamkeit von dem un- abänderlichen Elend, welches die Kriege begleitet, abzuziehn und seinem Vaterlande die Erhaben- heit und Ruhe, die einem grossen Volke geziemt, mitzuerhalten. Ob diese Zeitschrift eine solche Tendenz erreichen werde, kann nur die Zukunft bestimmen; durch die Annahme derselben aber berechtigt, laden Unterzeichnete alle Freunde der Wahrheit, Anmuth und Kraft hiermit ein, durch die Werke ihres Geistes sie zu unterstützen. Kein Thema sei ausgeschlossen. Alles was erhebt und erheitert, befördert als reiner Ausfluss des göttlichen Geistes den Zweck der Kunst und des Wissens. Der schöne Genius, welcher im weiblichen Gewande die fürstlichen Gemüther zum heiligen Kampfe belebt, die eiserne Beharrlichkeit des Königs von Preussen, Alexanders und Gustavs, der nordischen Fürsten antiker Heldensinn, die Riesenkraft des Feindes, geben diesem Zeitalter einen romantisch- heroischen Flug, und dieser ist es, der jedes Streben, so in das Gebiet des Schönen und Wahren eingreift, mit einem glücklichen Erfolge verherrlicht.

Hierauf vertrauend, handeln Die Herausgeber.

Diese Eingangsworte sowie eine von Ferdinand von Schrötter in der bezeichneten Zeitschrift Vesta abgedruckte Rede überTeutschlands Nationalruhm legen ein ehrendes Zeugnis ab für die unerschütterliche Vaterlandsliebe, Begeisterung, Opferfreudigkeit und Siegesgewissheit ihrer Herausgeber, die es wagten, dem Geist der Zeit in der unverblümtesten und ungeschminktesten Sprache Ausdruck zu geben. Bei der am 16. Januar 1808 von Memel nach Königsberg erfolgten Rückkehr der königlichen Familie entströmten seiner Leier die an die Königin Luise ge- richteten Worte:

Es schaut in stillem, gläubigen Entzücken Ein treues Volk nach dir mit Hoffnungsblicken. ¹)

1) 2. Str. aus dem GedichtAn ein Gemach pag. 20.