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aus dem späteren Gedicht„Frauenlob“, ¹) einem würdigen Seitenstück zu Schillers„Würde der Frauen“:
Frauenlob nur mag ich singen, Frauen haben mich erzogen,
Sing' ein andrer Krieg und Ruhm; Ihrem Dienst mich früh geweiht, Myrtenkränze will ich bringen, Haben meinen Sinn gebogen
Cypris, in dein Heiligtum. Von der Roheit zu der Weiblichkeit,
finden ihre volle Anwendung schon auf seine erste Entwickelungsperiode. Die glückliche,„an der Passarge Blumenstrand“ verlebte Zeit vergass er nie; seine dankbare Gesinnung spricht sich be- sonders charakteristisch in folgender Stelle eines Briefes aus:„Im Oberlande ist meine Heimat, da fand ich Verwandte, nicht Verwandte des Bluts— verrinnt Blut nicht im Sande des Grabes?— eine Verwandtschaft des Geistes, die übers Grab hinaus, an keinen Körper gefesselt, währt und reicht für die Ewigkeit!“— In Königsberg, wohin er um diese Zeit*) zurückkehrte, trieb ihn die herbe Not zu demütigen Briefen an seine Eltern: der Vater, ehedem Leutnant, später Kriegsrat, eine unruhige, heftige, rauhe Natur, verhielt sich abweisend; die Mutter, in deren Wesen die grellsten Gegensätze in bunter Mischung sich begegneten, willigte nach längerem Zögern zwar in den Wunsch des Sohnes ein, seine akademischen Studien fortsetzen zu dürfen, gab ihm aber einen Empfehlungsbrief mit auf den Weg, durch den sich Schenkendorf mit Recht als„öffentlich beschimpft“ ansehn musste. Trotzdem warf er sich mit Eifer auf kameralistische Studien, ver- nachlässigte aber dabei keineswegs andere ausserhalb seines Fachstudiums gelegene Wissens- gebiete. Bisweilen machte sich seine gedrückte Stimmung Luft:„Ich will es hinwerfen all das trockene Zeug, von dem ich umgeben bin, die Landrechte und die Pandekten und die Smithschen Theorien, die denn doch nur durch IIlusion unser Gemüt erwärmen können.— Lieber Gott, ich fühle es wohl, dass ich zu etwas anderem als zu einem Kameralisten geboren bin. Aber das thut nichts, ich kann resignieren und vielleicht werde ich eben deshalb ein guter Kameralist, weil ich etwas Besseres sein könnte. Ich will wenigstens sorgen, dass die heilige Glut nicht ver- lösche, und sie immer an der rechten Sonne anzünden.“— Im Mai des Jahres 1805 beschloss er seine akademische Laufbahn. Ehe er zum Examen schreiten konnte, musste er einen einjährigen praktischen Kurs bei dem Amtsrat Werner in Waldau durchmachen. Neben seiner amtlichen Thätigkeit studierte er eifrig Klopstock, Göthe und Schiller, fand Zeit zu dichterischen Versuchen und lernte auch hier die Frau kennen, die er sich später zur Gattin erkor.„Ich habe ein herr- liches Jahr verlebt in meiner Hütte in Waldau!“ schreibt er, als er den ihm liebgewordenen Ort verliess. Nach seiner Rückkehr von Waldau nach Königsberg schrieb er:„Wahrhaftig, in der un- gestörten Abgeschiedenheit vernimmt man manche Stimme, die hier(in der Stadt) verhallt. Manches nicht ganz ungelungene Produkt habe ich zu Tage gefördert,— wenn man die freie Gabe des Himmels mit diesem Gewerbs-Terminus belegen darf.“ Bald fand er Aufnahme in der geistreichen, Kunst und Wissenschaft pflegenden Familie des Landhofmeisters von Auerswald, die bald der Sammelplatz vieler geistig aufstrebender Talente wurde. Von ihm heisst es in Dorows Schrift„Erlebtes“: ³) „Auerswald war ein für die damalige Zeit weit vorgeschrittener Charakter; er war der erste, der die Leibeigenschaft auf seinen Besitzungen aufhob. Eine sinnreich erdachte Medaille bewahrt diesen wichtigen Akt der Nachwelt. Aus ältestem Adel entsprossen, waren er und seine Gemahlin — eine geborene Gräfin Dohna— Freunde des Bürgers und weit entfernt von allen damals noch drückenden Standesvorurteilen. In diesem Sinne erzog er seine Söhne, welche denn auch alle durch die That bewiesen haben, welch ein Glück es ist, so treffliche Eltern als Vorbild
1) 1. Str. pag. 38. 2) 1804. 3) III, pag. 7.


