Aufsatz 
Ein Beitrag zu einer Biographie Max von Schenkendorfs / von Drescher
Entstehung
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Felde rühmlich gethan, etwas von der Kriegslust in Wallensteins Lager und aus dem glorreichen Festspiel der Freiheit im Tell; ja in diesem letzten Drama, das der Dichter, der darinvon Zwing- herrnmord, von Freiheitsleben, von Menschenrechten, Volkesherrlichheit mächtig gesungen und ge- klungen hatte, wie ein heiliges Vermächtnis scheidend hinterliess, finden wir das Grundthema zu allen Liedern der Freiheitskriege in den Worten:

Wir wollen sein ein einzig Volk von Brüdern, In keiner Not uns trennen und Gefahr. Wir wollen trauen auf den höchsten Gott Wir wollen frei sein, wie die Väter waren, Und uns nicht fürchten vor der Macht der Menschen.¹)

Wem fielen hierbei nicht die Worte ein, die der alte Attinghausen dem vom Glanz des kaiserlichen Hoflagers geblendeten und der einfachen Sitte seines Landes untreu gewordenen Rudenz zuruft:

Eher den Tod, als in der Knechtschaft leben.

Die angebornen Bande knüpfe fest; Hier sind die starken Wurzeln deiner Kraft; Ans Vaterland, ans teure, schliess' dich an, Dort in der fremden Welt stehst du allein, Das halte fest mit deinem ganzen Herzen. Ein schwankes Rohr, das jeder Sturm zerknickt.

Nach dieser Einleitung wende ich mich nunmehr meiner eigentlichen Aufgabe zu.

Gottlob Ferdinand Maximilian Gottfried von Schenkendorf erblickte das Licht der Welt, am 11. Dezember 1783 auf einem der äussersten Vorposten deutschen Lebens, in Tilsit. Die über- triebene Strenge und wunderliche Behandlung, welche seine Eltern, Georg von Schenkendorf und Charlotte von Schenkendorf, geborene Karrius, bei der Erziehung ihrer drei Kinder anwandten, waren wenig dazu angethan, in den jugendlichen Seelen Vertrauen zu erwecken und ein inniges, auf wahre Zuneigung gegründetes Verhältnis herzustellen. Daher erinnern nur selten Klänge aus seinen Ge- dichten an die Tage der Kindheit, die er nicht im städtischen Leben seiner Heimat, in welchem damals fast durchgängig die Wirkungen der Kantischen Philosophie herrschend waren, sondern auf dem Lande, in dem naturschönen preussischen Oberlande, verlebte. So lässt er in dem bekannten Frühlingsgruss an das Vaterland, der Krone seiner Vaterlandslieder, den deutschen Freiheitsgruss auch von seinerHütte an dem fernen Memelfluss mit den Worten erklingen:

Weiter, weiter musst du dringen, Wo noch deutsche Worte gelten,

Du mein deutscher Freiheitsgruss, Wo die Herzen, stark und weich, Sollst vor meiner Hütte klingen Zu dem Freiheitskampf sich stellten, An dem fernen Memelfluss. Ist auch heil'ges deutsches Reich; ³)

er gedenkt in demBrief in die Heimat derselben mit den Worten:

Wo ich die frühste Lust empfand,

Wo mich die erste Liebe band,

Da blüht ein Garten Gottes) und wünscht einem ehemaligen Jugendgespielen Glück dazu, dass es ihm vergönnt ist, in das Heimatland zurückzukehren:

Das eine Freistatt einst dem Glauben Weil es der Freiheit angehörte, Des stillen Volkes aufgethan, Das Land, wo wir als Knaben spielten Das nie der Knechtschaft Joch entehrte, Und heil'ge Glut im Busen fühlten.)

Kaum fäünfzehn Jahre alt kam Schenkendorf 1798 nach Königsberg, woselbst er am 27. Sep- tember unter dem Rektorat des Prof. phil. pract. ord. Christian Jakob Kraus als Gottlob Ferdinandus Maximilianus de Schenkendorf Tilsa-Prussus, J. C. immatrikuliert wurde.) Hier in Königsberg, von dem es in dem GedichteDie deutschen Städte heisst:

1) Nach GudeErläuterungen deutscher Dichtungen, 4. Reihe, Leipzig 1872, pag. 100. 2) 3. Str. pag. 140.

3) 2. Str. pag. 85. 4) s. Hagen pag. 4. 5) Einzige Notiz der Königsberger Universität über Max von Schenken- dorf, die sich auf seine Immatrikulation bezieht.